
Palaver – wenn Worte ihre Reise erzählen
Es gibt Wörter, die klingen schon beim Aussprechen nach dem, was sie bedeuten. Palaver ist so ein Wort. Man hört förmlich das Hin und Her, das Reden ohne Ende, das Diskutieren, Erklären und Ausschmücken.
Heute sagen wir oft: „Mach doch nicht so ein Palaver! Gemeint ist damit meist ein unnötiges Theater oder eine endlose Diskussion um eine Kleinigkeit. Doch das Wort hatte ursprünglich eine ganz andere Bedeutung.
Seine Wurzeln liegen im portugiesischen palavra, was schlicht „Wort bedeutet. Portugiesische Seefahrer brachten den Begriff im 15. und 16. Jahrhundert an die westafrikanische Küste. Dort entwickelte sich daraus das Palaver – eine oft stundenlange Besprechung zwischen europäischen Händlern und den einheimischen Gemeinschaften. Solche Treffen dienten dazu, Konflikte zu lösen, Handel zu betreiben oder gemeinsame Entscheidungen zu treffen.
Erst später bekam das Wort im Deutschen einen leicht spöttischen Beiklang. Aus dem ernsthaften Gespräch wurde das vermeintlich überflüssige Gerede.
Eigentlich ist das schade.
Denn ein Palaver im ursprünglichen Sinn war kein Geschwätz. Es bedeutete, sich Zeit füreinander zu nehmen, zuzuhören, Argumente auszutauschen und erst dann zu einer Entscheidung zu kommen. Vielleicht könnten wir davon heute wieder etwas gebrauchen.
Wörter tragen Geschichten in sich. Manche reisen über Kontinente, verändern unterwegs ihre Bedeutung und kommen schließlich ganz anders bei uns an, als sie einst aufgebrochen sind.
Palaver ist eines dieser Wörter.
Und vielleicht lohnt es sich manchmal, ein kleines Palaver zu führen – solange dabei nicht das Reden wichtiger wird als das Zuhören.
Anne Seltmann 21.07.2026, 07.28| (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: PerlenhafteProjekte | Sprachsalat à la carte, Fremdwörter, Palaver,

Manche Herzen werden sorgfältig gezeichnet. Mit Zirkel, Lineal und dem Anspruch auf Perfektion. Und dann gibt es dieses Herz.
Ein paar Sprühstöße.
Ein wenig Farbe.
Ein unruhiger Rand.
Farbnasen, die nach unten laufen.
Nicht makellos.
Nicht geschniegelt.
Nicht geschniegelt für eine Postkarte.
Und trotzdem bleibt mein Blick daran hängen. Vielleicht, weil es mich daran erinnert, dass Liebe selten gerade Linien kennt. Sie verläuft manchmal. Sie hinterlässt Spuren. Sie ist nicht immer symmetrisch und nicht immer planbar. Gerade die kleinen Unregelmäßigkeiten erzählen oft die schönsten Geschichten. Ich frage mich manchmal, wer dieses Herz an die Wand gesprüht hat.
War es ein verliebter Mensch?
Jemand, der vermisst?
Oder einfach jemand, der der grauen Wand einen Hauch von Leben schenken wollte? Ich werde es wohl nie erfahren. Aber vielleicht ist genau das das Schöne daran. Man muss nicht jede Geschichte kennen, um sich von ihr berühren zu lassen.
Ich wünsche euch einen Montag mit Menschen, die keine perfekten Herzen haben müssen – sondern echte.
Nächster Termin:

03. August
Anne Seltmann 20.07.2026, 00.00| (5/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: PerlenhafteProjekte | Montagsherz, Herz, Frau Waldspecht, Graffiti, ,