Miau-velous Moments N° 69






Der Umzug

Tabby wusste sofort, dass etwas nicht stimmte. Seit dem frühen Morgen liefen Menschen durch die Wohnung. Sie trugen Kisten, schoben Möbel hin und her und öffneten ständig Türen, die sonst geschlossen blieben. Einer hatte sogar das Sofa von seinem Platz gerückt. Tabby saß zunächst unter dem Tisch und beobachtete das Ganze mit wachsender Skepsis.

Dann kam der große Karton.

Er wurde mitten ins Wohnzimmer gestellt, und obwohl er offensichtlich für etwas völlig anderes gedacht war, war Tabby überzeugt, dass er nun ihr gehörte. Sie sprang hinein, drehte sich zweimal im Kreis und legte sich demonstrativ darauf.

„Tabby, da müssen wir aber noch ein paar Sachen reinpacken, sagte ihre Besitzerin.

Tabby blinzelte.

Das war keine Antwort, die sie akzeptieren konnte.

Als wenig später auch ihr Lieblingssessel verschwand, wurde die Sache ernst. Tabby schlich von Zimmer zu Zimmer, immer dicht an den Füßen der Menschen vorbei. Schließlich fand sie einen perfekten Beobachtungsposten hinter dem Sessel. Von dort aus konnte sie alles sehen, ohne selbst gesehen zu werden.

Dachte sie zumindest. Ein großer weißer Schuh kam gefährlich nahe. Tabby duckte sich. Der Schuh ging vorbei. Sie wartete. Dann kam noch einer. Und noch einer.

Als schließlich jemand eine schwere Kiste genau vor ihrem Versteck abstellte, sah Tabby sich gezwungen, umzuziehen. Sie schlich ins Wohnzimmer und setzte sich mitten auf den Teppich. Dort blieb sie sitzen. Ganz still.

Mit diesem Blick, den nur Katzen beherrschen und der ungefähr sagte:

„Ich möchte nur darauf hinweisen, dass hier gerade ohne meine Zustimmung mein gesamtes Zuhause auseinandergebaut wird.

Am Abend war die Wohnung plötzlich ungewohnt leer. Die Menschen waren erschöpft, die letzten Kisten standen herum, und Tabby hatte sich unter einem Stuhl zusammengerollt.

Ihre Besitzerin setzte sich auf den Boden und streichelte sie.

„Keine Angst, Tabby. Morgen ist alles wieder schön. Tabby öffnete ein Auge. Sie glaubte kein Wort. Aber sie blieb liegen.

Denn solange ihre Menschen noch da waren, war die Wohnung schließlich noch ein bisschen ihr Zuhause.




Anne Seltmann 27.08.2026, 06.14| (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: PerlenhafteProjekte | Tags: Miau-velous Moments, Katzen, Umzug,

1000 Fragen an dich selbst 671-680






1.      Vermeidest du bestimmte Musik, weil du davon traurig wirst?

Nein, manchmal höre ich sie bewusst und gebe mich dieser Traurigkeit hin.

2.      Bist du ein Mensch der Worte oder ein Mensch der Tat?

Ich würde sagen Beides!

3.      Welcher deiner fünf Sinne ist am besten entwickelt?

Ich glaube, bei mir ist es eindeutig die Sprache – genauer gesagt: der Umgang mit Worten. Ich liebe es, Gedanken in Worte zu fassen, mit ihnen zu spielen und manchmal genau den einen Satz zu finden, der etwas ausdrückt, wofür man vorher selbst keine Worte hatte.

4.      Wann hast du Mühe, dir selbst in die Augen zu schauen?

Ich wüsste keinen Moment!

5.      Wer kann dich am besten trösten?

Mein Lieblingsmensch!

6.      Was war deine größte Dummheit?

Das bleibt ein Geheimnis!

7.      Über welches Unrecht kannst du dich sehr aufregen?

Über Ungerechtigkeit, die Menschen trifft, die sich nicht wehren können – besonders wenn Macht, Geld oder Einfluss darüber entscheidet, wer Recht bekommt und wer nicht. Das finde ich schwer auszuhalten. Und ganz besonders regt mich Gleichgültigkeit auf, wenn Unrecht gesehen, aber einfach hingenommen wird.

8.      Was war das schönste Kompliment, dass du jemals bekommen hast?

Es gab im Laufe meines Lebens viele schöne Komplimente, und ich könnte mich wahrscheinlich gar nicht für eines entscheiden. Aber besonders berührt haben mich immer die Worte von Eltern über meine „Arbeit mit ihren Kindern. Wenn Eltern mir gesagt haben, wie gut ich ihrem Kind getan habe, wie sehr es sich bei mir wohlgefühlt oder durch mich etwas Wichtiges gelernt hat, war das für mich viel mehr als nur ein Kompliment. Es war die schönste Bestätigung dafür, dass das, was ich mit Herz und Leidenschaft getan habe, etwas bewirkt hat.

9.      Was entscheidet, ob dir jemand sympathisch ist oder nicht?

Ich glaube, es ist vor allem die Art, wie jemand mit anderen Menschen umgeht. Ob jemand ehrlich, herzlich und respektvoll ist, ob er zuhören kann und echtes Interesse zeigt. Ich mag Menschen, die sich nicht verstellen müssen und bei denen man das Gefühl hat, einfach man selbst sein zu dürfen. Oft ist es aber auch etwas ganz Unbeschreibliches – eine bestimmte Ausstrahlung, ein Blick oder eine Art zu lachen. Manchmal passt die Chemie einfach sofort, ohne dass man genau sagen kann, warum.

10.Was geht zu langsam?

Die Zeit, wenn man auf etwas wartet, auf das man sich von Herzen freut. Und manchmal auch die Zeit, wenn man einen schönen Moment am liebsten festhalten würde. Ansonsten könnte für meinen Geschmack vieles im Leben ruhig etwas schneller gehen – vor allem, wenn man auf eine Antwort, eine Entscheidung oder einfach auf den nächsten schönen Moment wartet.




Anne Seltmann 27.08.2026, 05.59| (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: PerlenhafteProjekte | Tags: 1000 Fragen an dich selbst 671-680, 1000 Fragen,

Marius Nature Thursday 2026 N° 18



Neulich hat mich jemand gefragt, woran man eigentlich schnell erkennen kann, welches Getreide man vor sich hat – besonders wenn es um die kleinen feinen Grannen an den Ähren geht. Es gibt einen herrlich einfachen Merkspruch:

„Wo ein G drin ist, sind auch Grannen.

Damit lassen sich die vier klassischen Getreidearten ganz leicht merken: Gerste und Roggen haben ein G und tragen Grannen, während Weizen und Hafer kein G im Namen haben und in der einfachen Faustregel grannenlos bleiben.

Natürlich ist die Natur nicht immer ganz so ordentlich wie ein Merkspruch – es gibt beispielsweise auch begrannte Weizensorten. Aber für die schnelle Orientierung ist die Regel wirklich praktisch.

So kann man  jedenfalls beim nächsten Spaziergang ganz bestimmt auf die Ähren schauen und vor sich hin murmeln:

G wie Gerste, G wie Roggen – G wie Grannen.

Und manchmal sind es eben die kleinen Dinge, die man plötzlich viel genauer betrachtet.


Marius...




27.08.2026, 04.56| (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: PerlenhafteProjekte | Tags: Marius Natur Thursday, Nature Thursday, Natur, Marius, Grannen, Getreide,

Maritimer Mittwoch N° 255





Wenn Steine das Gleichgewicht suchen

Ich mag diese kleinen Türme aus Steinen. Sie wirken so schlicht und gleichzeitig so erstaunlich: Einer liegt auf dem anderen, immer kleiner werdend, und manchmal scheint es geradezu unmöglich, dass das Ganze überhaupt hält.

Dabei ist das Stapeln von Steinen keineswegs eine moderne Erfindung. Schon seit Jahrtausenden wurden Steine aufgeschichtet – als Wegweiser, zur Kennzeichnung besonderer Orte oder von Gräbern und teilweise auch für religiöse Rituale. Ein kleiner Steinhaufen konnte früher ganz einfach bedeuten: Hier entlang.

Heute werden Steine häufig aus einem anderen Grund ausbalanciert. Beim sogenannten Rock Balancing geht es darum, durch geschicktes Finden der richtigen Auflagepunkte Steine scheinbar schwerelos aufeinanderzustellen. Es braucht Geduld, Konzentration und ein gutes Gefühl für Balance. Für viele ist das beinahe meditativ: ausprobieren, verschieben, wieder von vorn – bis der Stein plötzlich sitzt.

Und vielleicht ist genau das der Grund, warum mich diese kleinen Kunstwerke so faszinieren. Sie erinnern mich ein bisschen an das Leben. Auch wir versuchen ständig, Dinge im Gleichgewicht zu halten. Und manchmal braucht es nur eine winzige Veränderung, damit alles wieder ins Wanken gerät.

Das Schöne an den Steinen ist allerdings: Sie müssen nicht für immer halten. Ein Windstoß oder eine kleine Berührung kann genügen und der Turm fällt wieder auseinander.

Vielleicht ist das ihre eigentliche Botschaft: Nicht alles muss bleiben, um schön gewesen zu sein. Manchmal reicht es, wenn für einen Augenblick alles genau richtig steht.






Anne Seltmann 25.08.2026, 05.44| (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: PerlenhafteProjekte | Tags: Maritimer Mittwoch, Angela, Ostsee, Steine, Steinhaufen,

Montagsstarter 2026 N° 04



Undankbare Gäste sind Menschen, die kommen, nehmen und gehen, als wäre Gastfreundschaft eine Selbstverständlichkeit.

 Mein liebstes Thema ist die Fantasie – weil sie Türen öffnet, wo eigentlich gar keine sind.

 Wenn ich nach Hause komme, freue ich mich auf meine vier Wände, meine Ruhe und darauf, einfach wieder ich selbst zu sein.

 Mit großer Bewunderung betrachte ich Menschen, die trotz aller Widrigkeiten ihren Humor und ihre Lebensfreude behalten.

 Ein Spaziergang am Wasser kann ich nur empfehlen.

 An meiner Stadt (meinem Dorf) gefällt mir besonders die Nähe zum Wasser, das viele Grün und die kleinen Ecken, an denen man plötzlich stehen bleibt, weil sie eine Geschichte erzählen.

 Im Kalender steht diese Woche eigentlich einiges und ich habe natürlich viel zu viel geplant. Zuerst aber freue ich mich auf die kleinen Dinge, die nicht im Kalender stehen.



[Die von antetannis vorgegebenen Satzfragmente, habe ich (fettgedruckt) mit meinen persönlichen Gedanken ausgefüllt .] 




Anne Seltmann 24.08.2026, 11.13| (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: PerlenhafteProjekte | Tags: Montagsglück, Montagsstarter, antetanni, ,

Es ist Zeit …

[Bild KI generiert]



...eine Mitmachaktion von >> Trudi <<

Es ist Zeit, ein paar Dinge anzupacken, die schon viel zu lange irgendwo auf meiner inneren To-do-Liste stehen. Nicht, weil sie alle furchtbar wichtig wären. Manche sind es. Andere warten vermutlich schon so lange, dass sie sich längst an ihren Platz gewöhnt haben.

Zum Beispiel wäre es eigentlich mal wieder Zeit, in anderen Blogs zu kommentieren. Ich habe früher viel mehr geschrieben, mich eingelesen, Gedanken dagelassen und mich an den Beiträgen anderer beteiligt. Heute fehlt mir dafür manchmal schlicht die Lust. Und ganz ehrlich: Ich möchte auch nicht unter jeden Beitrag ein „Wie schön! oder „Toller Beitrag! setzen, nur damit ich irgendetwas geschrieben habe. Wenn ich kommentiere, dann möchte ich auch wirklich etwas zu sagen haben. Vielleicht ist weniger manchmal einfach ehrlicher.

Es ist Zeit, meinen Schreibtisch aufzuräumen. Und damit meine ich nicht nur die Oberfläche, auf der sich inzwischen wieder erstaunlich viele Dinge versammelt haben, die dort eigentlich gar nicht hingehören. Ich müsste mich auch einmal durch die Schubladen arbeiten. Dort liegen Dinge, die ich vermutlich seit Jahren nicht mehr gebraucht habe – aber offenbar aus irgendeinem Grund noch nicht bereit bin, mich von ihnen zu trennen.

Es ist Zeit, meinen Vorsorgeordner noch einmal zu überprüfen. Kein besonders lustiges Thema, aber eines, das dazugehört. Dinge zu regeln, solange man sie selbst regeln kann, ist vielleicht eine der vernünftigsten Formen von Fürsorge. Für sich selbst und für die Menschen, die irgendwann vielleicht froh sind, wenn nicht alles ungeklärt geblieben ist.

Und es ist Zeit, mich von Menschen zu verabschieden, die mir nicht guttun.

Nicht unbedingt mit einem großen Knall. Nicht mit Vorwürfen und langen Erklärungen. Manchmal bedeutet Abschied einfach, weniger zu erzählen, weniger zu erwarten, weniger hinterherzulaufen. Manche Menschen darf man loslassen, ohne ihnen böse zu sein. Und manchmal ist Abstand kein Verlust, sondern ein Stück gewonnene Ruhe.

Es ist Zeit, Dinge nicht mehr zu tun, nur weil ich sie früher einmal getan habe.

Zeit, Nein zu sagen, ohne danach eine dreiseitige Begründung liefern zu müssen. Zeit, nicht jede Erwartung erfüllen zu wollen. Zeit, mich nicht für alles verantwortlich zu fühlen, was irgendwo, irgendwie und irgendwann schiefgehen könnte.

Es ist Zeit, Fotos auszusortieren, Ideen aufzuschreiben und angefangene Dinge entweder fertigzumachen – oder sie einfach liegenzulassen, wenn sie mir nichts mehr bedeuten.

Denn auch das habe ich inzwischen gelernt:
Nicht alles, was einmal begonnen wurde, muss unbedingt zu Ende gebracht werden.

Und vor allem ist es Zeit, mir wieder mehr Raum für die Dinge zu lassen, die mir wirklich Freude machen.

Für Bilder. Für Worte. Für das Meer. Für einen besonderen Himmel. Für Farben. Für verrückte Ideen, die vielleicht überhaupt keinen Sinn ergeben und gerade deshalb Spaß machen. Für die kleinen Dinge, bei denen ich irgendwann feststelle, dass ich schon wieder viel zu lange damit beschäftigt bin – aber eben glücklich dabei.

Es ist Zeit, Menschen zu sagen, dass sie mir wichtig sind. Nicht irgendwann. Nicht bei Gelegenheit. Sondern solange sie es noch hören können.

Und vielleicht ist es auch Zeit, weniger auf das zu schauen, was ich angeblich noch alles schaffen müsste, und stattdessen einmal auf das zu schauen, was bereits hinter mir liegt.

Da ist schließlich auch einiges.

Vielleicht muss nicht immer alles optimiert, sortiert, erledigt und abgehakt werden. Vielleicht darf manches einfach bleiben, wie es ist.

Manches darf gehen.
Manches darf warten.
Manches darf neu beginnen.

Und vielleicht ist genau jetzt die richtige Zeit dafür.

Anne Seltmann 22.08.2026, 10.50| (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: PerlenhafteProjekte | Tags: Zeit, Trudi, Mitmachaktion,