Tag: Marius


Morgennebel
die dinge
treten zurück
als wollten sie
sich selbst
nicht stören
ein tropfen
hält kurz
am rand
zögert
oder erinnert sich
dann
gleitet er
nicht nach unten
eher
aus der form
in die stille des windes
die nichts sagt
und doch
alles trägt
~*~
© Anne Seltmann

Anne Seltmann 01.05.2026, 06.00 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL


die pusteblume
hält ihre zerbrechlichkeit
offen
kein festhalten
nur fäden
die sich erinnern
wie leicht etwas wird
an jeder spitze
ein tropfen
als hätte der morgen
sich verfangen
sie wartet nicht
auf wind
sie ist schon
im gehen
nur noch
nicht ganz
und du
siehst ihr zu
wie etwas bleibt
indem es sich löst
~*~
© Anne Seltmann

Anne Seltmann 23.04.2026, 05.55 | (4/0) Kommentare (RSS) | TB | PL




Diese Aufnahmen entstanden auf der Rücktour unserer Rom-Reise.
Nur wenige Stunden vorher von der Sonne verwöhnt, sind wir regelrecht in ein Schneechaos geraten.
Zwischen Florenz und Bologna, zeigte sich das Wetterchen von der eisigen Seite.
Anne Seltmann 16.04.2026, 15.35 | (0/0) Kommentare | TB | PL


sie stehen nicht lange
und doch stehen sie
als hätten sie zeit
ein rund
aus weiß
so leicht
dass es fast schon
verschwindet
im sehen
man könnte glauben
sie warten
aber worauf
nicht auf uns
nicht auf das bleiben
eher
auf ein lösen
der wind kommt
ohne sich anzukündigen
streift nur
und schon beginnt es
kein plötzlich
kein bruch
mehr ein nachgeben
ein samen
dann noch einer
als würde sich etwas erinnern
dass es nie gehalten war
sie gehen
nicht weg
sie verteilen sich
in richtungen
die niemand benennt
und das feld
verändert sich
ohne sich zu bewegen
es wird leerer
und gleichzeitig weiter
man steht davor
und versteht es nicht ganz
dieses
fast
dieses
gleich nicht mehr
und doch
bleibt etwas
nicht sichtbar
nicht greifbar
eher ein wissen
dass nichts
dafür gemacht ist
zu bleiben
und dass genau darin
eine form
von leichtigkeit liegt
~*~
© Anne Seltmann

Anne Seltmann 09.04.2026, 05.58 | (4/1) Kommentare (RSS) | TB | PL


Die Gräser im Wind
sie sagen nichts
und trotzdem
antworten sie
auf jeden schritt der luft
ein neigen
ein kaum sichtbares
zurück
als würde etwas
durch sie hindurchgehen
das niemand halten kann
der boden bleibt still
der himmel auch
nur dazwischen
geschieht etwas
so klein
dass man es fast übersieht
und doch bewegt sich alles
~*~
© Anne Seltmann

Anne Seltmann 19.03.2026, 06.54 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL


zwischen mauern
ein kaum sichtbarer spalt
lange
war dort
nur schatten
staub
ein wenig wind
manchmal regen
dann
eines morgens
ein grüner gedanke
der sich
durch den engen riss
nach oben tastet
zögernd
aber unbeirrbar
als wüsste er
dass selbst mauern
nicht ewig sind
und plötzlich
mitten im grau
steht er da
ein löwenzahn
leuchtet
als hätte jemand
eine kleine sonne
im stein vergessen
© Anne Seltmann
Anne Seltmann 12.03.2026, 13.29 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL


pusteblumen
am morgen
tragen sie
ihr weißes flüstern
als hätte die nacht
tausend kleine
schirme geöffnet
über dem gras
ein wind
kommt vorbei
ohne eile
fragt nicht
nimmt nur
ein paar möglichkeiten
mit
und plötzlich
ist die wiese
voller lücken
in denen
neue wege
denken
Anne Seltmann 07.03.2026, 09.32 | (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Heute Morgen habe ich in meinem Fotoarchiv gewuselt, um Bilder für Marius Naturdonnerstag zu suchen. Dabei bin ich über Aufnahmen gestolpert, die mich sofort zurückversetzt haben. Fotografiert im Jahr 2005. (Handybilder) Mein Gott, ist das lange her, als wir dort Urlaub machten. Genauer gesagt in Spindler Mühle, von wo aus wir einige Touren unternommen haben. In diesem Fall führte uns der Weg in die Adersbach-Weckelsdorfer Felsenstadt.

Schon beim erneuten Betrachten der Bilder spüre ich wieder diese besondere Atmosphäre. Manche Orte verlieren auch nach Jahren nichts von ihrer Wirkung. Die hohen Sandsteinfelsen ragen wie natürliche Kathedralen empor, Wege schlängeln sich durch schmale Spalten, und das Licht fällt gefiltert zwischen den Felswänden hindurch.
Mich faszinieren dort vor allem die Details: Strukturen im Gestein, weiche Moospolster, kleine Pflanzen, die sich ihren Platz zwischen Stein und Schatten erobern. Es ist dieses Zusammenspiel aus Enge und Weite, aus rauer Oberfläche und zartem Grün, das mich damals wie heute berührt.

Das Gestein erzählt von Zeit – von unzähligen Jahren, die es geformt haben. Beim Durchsehen der alten Aufnahmen merke ich, wie sehr mich solche Landschaften geprägt haben. Vielleicht war es einer dieser Orte, an denen ich begonnen habe, bewusster hinzusehen.
Die Felsenstadt war kein lautes Ausflugsziel. Sie wirkte still und gleichzeitig monumental. Jeder Schritt eröffnete neue Perspektiven, neue Blickwinkel, neue Kompositionen. Und während ich heute durch mein Archiv blättere, wird mir bewusst, wie wertvoll solche fotografischen Erinnerungen sind.
Manche Bilder sind mehr als Dokumente. Sie sind kleine Zeitkapseln. Und die Adersbach-Weckelsdorfer Felsenstadt bleibt für mich ein Ort aus Stein, Licht und Erinnerung – kraftvoll, still und zeitlos.

Anne Seltmann 05.03.2026, 09.46 | (5/0) Kommentare (RSS) | TB | PL


der wald
ist kein ort
er geschieht
zwischen rinde und atmung
ein licht
das nicht fällt
sondern tastet
unter den füßen
das weiche gedächtnis
aus nadeln
aus jahren
ein knacken
(oder war es nur
mein denken?)
moos legt
seine kühle hand
auf den stein
und alles
was ich sagen wollte
zieht sich zurück
in wurzeln
der wald spricht nicht
er sammelt
atem
harz
schatten
und gibt mich
langsamer
zurück
als ich kam.
~*~
© Anne Seltmann

Anne Seltmann 26.02.2026, 06.20 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL


Grashalme im Wind
als wären sie nur
ein gerücht von grün
stehen sie da
nicht einzeln
ein flüstern in vielfalt
ein kaum
der wind liest sie
mit unsichtbarer hand
Zeile für Zeile
beugt sich bedeutung
und richtet sich wieder auf
kein widerstand
nur dieses mitgehen
als wüssten sie
wie man verliert
ohne zu fallen
zwischen zwei böen
ein zittern
das nicht angst ist
eher eine art erinnern
an etwas
das noch kommt
und schon da ist
im rascheln
schreibt sich die fläche fort
ohne rand
ohne besitz
nur bewegung
die bleibt
indem sie geht
~*~
© Anne Seltmann

Anne Seltmann 19.02.2026, 06.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL