Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Marius

Black and White August 2026




Begegnung mit der Loth Loriën – Eine Schönheit unter Segeln


Es gibt diese Momente während der Windjammerparade, in denen der Blick plötzlich an einem Schiff hängen bleibt. Zwischen all den imposanten Großseglern entdeckte ich die "Loth Loriën" – elegant, stolz und mit einer Ausstrahlung, die sofort meine Aufmerksamkeit auf sich zog.

Schon ihr Name weckt Erinnerungen an geheimnisvolle Wälder und magische Welten. Tatsächlich stammt der Name "Loth Loriën"aus J. R. R. Tolkiens Fantasiewelt und steht für einen Ort voller Schönheit und Ruhe. Ein passender Name für ein Schiff, das so anmutig über die Ostsee gleitet.

Dabei begann ihre Geschichte alles andere als märchenhaft. Gebaut wurde sie bereits "1907" im norwegischen Bergen – damals noch als Heringslogger unter dem Namen "Njørd". Jahrzehntelang verrichtete sie harte Arbeit auf See, bevor sie Ende der 1980er-Jahre in den Niederlanden liebevoll restauriert und Schritt für Schritt zu dem beeindruckenden Dreimastsegler umgebaut wurde, der sie heute ist. Seit 2009 fährt sie als elegante Barkentine unter niederländischer Flagge.

Mit ihren weißen Segeln und den drei Masten wirkt die "Loth Loriën" fast schwerelos. Während sie im Verband der Windjammer über die Kieler Förde zog, schien sie den Wind nicht zu nutzen, sondern mit ihm zu tanzen. Genau diese Leichtigkeit macht den Zauber solcher historischen Segelschiffe aus.

Wer möchte, kann auf der "Loth Loriën"sogar selbst mitsegeln. Das Schiff bietet Platz für Tagesgäste und längere Segeltörns, bei denen Mitsegler auf Wunsch auch aktiv beim Segeln mithelfen können.

Für mich war die Begegnung mit der "Loth Loriën" einer dieser kleinen Höhepunkte der Windjammerparade. Zwischen Himmel, Wasser und Wind erinnerte sie daran, dass manche Schiffe weit mehr sind als nur historische Zeitzeugen. Sie erzählen Geschichten von vergangenen Zeiten, von harter Arbeit auf See, von Leidenschaft und von Menschen, die alten Schiffen neues Leben schenken.

Vielleicht ist genau das das Schönste an der Windjammerparade: Hinter jedem Schiff verbirgt sich eine eigene Geschichte. Man muss nur genau hinsehen – und sich einen Moment Zeit nehmen, sie zu entdecken.






Anne Seltmann 03.08.2026, 10.17 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Black and White Juli 2026






Zwischen Regen und Atem

der kaffee
atmet
kleine wolken
in den morgen

 

draußen
schreibt der regen
mit durchsichtiger tinte
an die scheiben

 

kein wort
bleibt lange

 

nur das licht
legt seine hand
auf den tisch

 

als wollte es sagen:

bleib

nicht alles
was still ist
ist einsam

 

manches
ist einfach nur

 

bei sich

~*~

© Anne Seltmann



Marius...






Anne Seltmann 31.07.2026, 04.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Marius Nature Thursday 2026 N° 17






"Ach schau mal, eine gefüllt blühende < Prunus serrulata Shirotae >."

Ich gehe durch denselben Park und denke: „Oh... hübsch. Damit endet mein botanisches Fachwissen.

Früher war für mich die Pflanzenwelt ohnehin übersichtlich.

Baum.

Blume.

Busch.

Mit etwas Glück kann ich noch zwischen Tanne und Palme und heimische Bäume unterscheiden. Bei Blumen bin ich auch nicht ganz so firm. Bei allem anderen wird es schwierig für mich.

Neulich fotografierte ich einen wunderschön blühenden Baum. Weiße Blüten, frisches Grün, einfach traumhaft.

Natürlich wollte ich wissen, was da eigentlich vor meiner Kamera stand. Also zückte ich – ganz modern – erst einmal meine Pflanzen-App. Die App dachte kurz nach und warf mir einen Namen entgegen, der sich eher wie ein Zauberspruch aus Harry Potter anhörte als wie ein Baum.

Na gut …

Also fragte ich zusätzlich noch die KI.

Die Antwort lautete ungefähr:

"Mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich um eine gefüllt blühende japanische Zierkirsche der Sorte Prunus serrulata Shirotae." Ich nickte verständnisvoll. Innerlich hörte ich mich nur sagen:

"Aha… Baum."

Das Faszinierende ist ja, dass Pflanzenkenner scheinbar auf zehn Meter Entfernung erkennen, ob eine Blattspitze um drei Millimeter gezähnt ist oder ob sich die Knospe linksherum statt rechtsherum geöffnet hat.

Ich sehe dagegen nur:

"Die hat schöne Blüten."

Oder:

"Die piekst."

Mehr ist da oft nicht. Dabei fotografiere ich seit Jahren Blumen, Bäume und Pflanzen. Ich könnte vermutlich tausend Nahaufnahmen zeigen. Aber fragt mich bitte nicht, was darauf zu sehen ist.

Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass ich antworte:

"Etwas Grünes mit Blüten." 

Und deshalb bin ich froh, dass es heute Pflanzen-Apps gibt. Auch wenn sie mich gelegentlich mit lateinischen Namen erschlagen. Falls die App und die KI sich dann auch noch einig sind, glaube ich ihnen einfach. Schließlich müssen die beiden es ja wissen.

Ich bleibe trotzdem bei meiner Methode. Ich freue mich über Farben. Über Formen. Über Licht.

Und wenn mich künftig jemand fragt, was das für ein Baum ist, antworte ich ganz gelassen:

"Eine Prunus-irgendwas. Ganz sicher etwas sehr Hübsches."

Das klingt immerhin deutlich gebildeter als:

"Baum"



Marius...



Anne Seltmann 16.07.2026, 07.17 | (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Marius Nature Thursday 2026 N° 16




Feuersporn dorn – Der stille Star des Frühsommers

Wer an den Feuerdorn denkt, hat meist sofort die leuchtend roten oder orangefarbenen Beeren des Herbstes vor Augen. Doch gerade jetzt, im späten Frühjahr, zeigt das immergrüne Gehölz eine ganz andere, oft unterschätzte Seite.

Dichte Dolden aus unzähligen kleinen weißen Blüten verwandeln den Strauch in ein wahres Blütenmeer. Aus der Ferne wirkt es fast so, als hätte jemand einen feinen Schleier aus weißen Wolken über die Zweige gelegt. Erst aus der Nähe offenbart sich die filigrane Schönheit jeder einzelnen Blüte.

Nicht nur wir erfreuen uns an diesem Anblick. Bienen, Hummeln und viele andere Insekten schätzen den reich gedeckten Tisch, den der Feuerdorn ihnen bietet. Das geschäftige Summen zwischen den Blüten verrät, wie wertvoll diese Pflanze für die Natur ist.

Erst nach der Blüte beginnt die eigentliche Verwandlung. Aus den unscheinbaren Blüten entwickeln sich nach und nach die bekannten roten, orangefarbenen oder gelben Beeren, die den Strauch im Herbst zu einem leuchtenden Blickfang machen und vielen Vögeln als wichtige Nahrungsquelle dienen.

Der Feuerdorn beweist damit, dass jede Jahreszeit ihre eigene Schönheit besitzt. Während im Herbst seine farbenprächtigen Früchte begeistern, gehört jetzt die Bühne den tausenden zarten Blüten – ein Schauspiel, das viel zu oft unbeachtet bleibt.

Vielleicht lohnt es sich beim nächsten Spaziergang, den Blick einmal nicht nur auf die großen Blütenstauden zu richten. Oft sind es gerade die unscheinbaren Sträucher am Wegesrand, die ihre ganze Pracht erst zeigen, wenn man einen Moment stehen bleibt.







Anne Seltmann 25.06.2026, 08.18 | (4/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Marius Nature Thursday 2026 N° 15





Zwischen den Dünen


dort wo der wind
gewöhnlich nur
sand
und salz
verteilt
hat sich etwas rotes
eingemischt

als hätte jemand
eine handvoll
sommer
verloren

der mohn
steht dort
wo niemand
ihn erwartet

zwischen seegras
das von stürmen
erzählt
und den schmalen wegen
der möwen

er fragt nicht
ob dieser ort
für ihn gedacht war

er blüht
als sei genau hier
sein platz

und wenn der wind kommt
neigt er sich
ein wenig

aber nicht genug
um zu verschwinden

am abend
liegt das rot
noch immer
zwischen den dünen

wie ein gedanke
den das meer
nicht forttragen konnte

~*~

© Anne Seltmann









Anne Seltmann 18.06.2026, 13.56 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Marius Nature Thursday 2026 N° 14



[Archivbild]





Nimm dieses Blau

des Sommers

Duftend verliert sich ein Sommertag

 ~*~

© Anne Seltmann




Marius...





Anne Seltmann 11.06.2026, 07.51 | (6/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Black and White Juni 2026





Garnrollen – kleine Helfer mit großer Wirkung

Wer näht, stickt, häkelt oder strickt, kennt sie: Garnrollen. Diese unscheinbaren kleinen Zylinder gehören zu den Dingen, die meist erst auffallen, wenn sie fehlen. Dabei leisten sie Erstaunliches.

Eine Garnrolle ist eigentlich nur ein praktischer Aufbewahrungsort für Fäden. Doch betrachtet man sie genauer, steckt viel mehr dahinter. Jede Rolle verspricht Möglichkeiten. Aus einem einzigen Faden können Kleidungsstücke entstehen, kunstvolle Stickereien, Kuscheltiere, Patchworkdecken oder Reparaturen, die Lieblingsstücke vor dem Ausrangieren bewahren.

Früher bestanden Garnrollen oft aus Holz. Sie waren robust, lagen angenehm in der Hand und sind heute begehrte Sammelobjekte. Manche tragen noch die alten Etiketten ihrer Hersteller und erzählen von Zeiten, in denen Handarbeit zum Alltag gehörte. Moderne Garnrollen bestehen meist aus Kunststoff oder Karton, erfüllen aber denselben Zweck: Sie sorgen dafür, dass das Garn ordentlich aufbewahrt wird und sich nicht in ein hoffnungsloses Knäuel verwandelt.

Wer kreativ arbeitet, kennt das Phänomen: Man kauft eine Garnrolle für ein bestimmtes Projekt. Nach dessen Fertigstellung bleibt ein Rest übrig. Dann kommt die nächste Rolle dazu, und noch eine. Irgendwann besitzt man eine kleine Sammlung in allen Farben des Regenbogens – und natürlich genau nie den Farbton, den man gerade braucht.

Besonders faszinierend ist die Vielfalt. Es gibt Nähgarn, Stickgarn, Häkelgarn, Effektgarn mit Glanz, Metallicfäden und sogar Garn, das im Dunkeln leuchtet. Jede Rolle wartet geduldig auf ihren Einsatz und trägt ein Stück Kreativität in sich.








Anne Seltmann 01.06.2026, 00.00 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Marius Nature Thursday 2026 N° 13




Yellow Day – Wenn Südkorea gelbe Rosen verschenkt

Während bei uns viele Menschen den 14. Februar mit roten Rosen und Valentinstagen verbinden, gibt es in Südkorea einen ganz eigenen Tag voller Farbe, Symbolik und leiser Melancholie: den Yellow Day—auf Koreanisch oft auch mit dem Rosentag verbunden.

Am 14. Mai schenken sich vor allem Singles gelbe Rosen oder tragen Gelb, um ihre Hoffnung auf Liebe, Glück und neue Begegnungen auszudrücken. Die Farbe Gelb steht dabei nicht nur für Frühling, Wärme und Sonne, sondern auch für Optimismus und einen kleinen Neuanfang des Herzens.

Südkorea hat ohnehin eine ganze Reihe besonderer „Liebestage, die jeweils am 14. eines Monats gefeiert werden. Manche davon sind romantisch, manche verspielt, manche ein wenig traurig. Der Yellow Day gehört zu den stilleren Traditionen.

Oft treffen sich an diesem Tag Freunde, essen gemeinsam Currygerichte—ebenfalls passend zur Farbe Gelb—oder verschenken gelbe Blumen. Dahinter steckt die charmante Idee, Einsamkeit nicht zu verstecken, sondern gemeinsam mit etwas Farbe und Humor zu begegnen.

Und irgendwie hat dieser Tag etwas sehr Schönes.
Keine übergroßen Liebesgesten.
Kein kitschiges Feuerwerk.
Sondern ein kleiner gelber Gruß gegen graue Gedanken.








Anne Seltmann 14.05.2026, 14.44 | (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Black and White Mai 2026





Morgennebel

die dinge
treten zurück
als wollten sie
sich selbst
nicht stören

 

ein tropfen
hält kurz
am rand

 

zögert
oder erinnert sich

 

dann
gleitet er

 

nicht nach unten
eher
aus der form

 

in die stille des windes

die nichts sagt
und doch
alles trägt

~*~


© Anne Seltmann








Anne Seltmann 01.05.2026, 06.00 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Marius Nature Thursday 2026 N° 12




[Aus dem Archiv]




die pusteblume
hält ihre zerbrechlichkeit
offen

kein festhalten
nur fäden
die sich erinnern
wie leicht etwas wird

an jeder spitze
ein tropfen

als hätte der morgen
sich verfangen

sie wartet nicht
auf wind

sie ist schon
im gehen

nur noch
nicht ganz

und du
siehst ihr zu
wie etwas bleibt
indem es sich löst


~*~

© Anne Seltmann











Anne Seltmann 23.04.2026, 05.55 | (4/0) Kommentare (RSS) | TB | PL