Tag: Mitmachaktion

Und bevor jetzt jemand denkt: „Dann zieht doch einfach um. – so einfach ist das leider nicht.
Wir sind nicht die einzigen älteren Menschen, die hier wohnen. Einige von uns leben seit Jahrzehnten in diesen Häusern. Hier ist unser Zuhause, hier haben wir unser Leben verbracht, hier kennen wir unsere Nachbarschaft. Einen Umzug in diesem Alter stemmt man nicht mal eben so. Schon gar nicht, wenn man eigentlich gar nicht weg möchte, sondern einfach nur möchte, dass das eigene Zuhause wieder zu einem Zuhause wird.
Doch nach mehr als drei Jahren ist meine Geduld langsam aufgebraucht.
Deshalb heißt es für mich jetzt: Es ist Zeit, einen weiteren Schritt zu gehen.
Ich habe mich deshalb vorhin an die Presse in Kiel beziehungsweise an den NDR Schleswig-Holstein gewandt und unseren Fall geschildert. Nicht, um jemanden an den Pranger zu stellen, sondern in der Hoffnung, dass vielleicht einmal jemand von außen genauer hinschaut und die Fragen stellt, auf die wir Bewohner seit so langer Zeit keine zufriedenstellenden Antworten bekommen.
Ob daraus etwas wird? Ich weiß es nicht.
Aber ich möchte zumindest nicht irgendwann denken müssen: Hätten wir doch etwas unternommen.
Also heißt es jetzt: Abwarten, Daumen drücken und hoffen, dass unsere Geschichte vielleicht doch Gehör findet.
Anne Seltmann 25.09.2026, 10.06 | (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

...noch einmal den Vorsorgeordner zu überprüfen.
Den größten und wichtigsten Teil habe ich bereits ausgefüllt. Die wesentlichen Dinge sind geregelt, Entscheidungen festgehalten und Unterlagen an ihrem Platz. Eigentlich könnte ich den Ordner also einfach zuklappen und beiseitelegen.
Aber irgendwie lässt mich der Gedanke nicht los, dass da noch ein paar Kleinigkeiten fehlen könnten. Und tatsächlich ist mir heute Nacht wieder etwas eingefallen, das ich unbedingt noch ergänzen möchte.
Es sind keine großen Dinge. Eher diese kleinen Informationen, an die man im ersten Moment gar nicht denkt, die aber später vielleicht hilfreich sein können. Wo findet man was? Was ist mir wichtig? Gibt es etwas, das andere wissen sollten, wenn ich selbst einmal nicht mehr alles erklären kann?
Also werde ich den Ordner noch einmal in Ruhe durchsehen. Nicht, weil ich mich ständig mit dem Gedanken an das Ende beschäftigen möchte. Ganz im Gegenteil. Ich möchte die Dinge einfach geregelt wissen, damit ich sie anschließend wieder aus dem Kopf bekommen kann.
Vorsorge ist schließlich nicht nur eine Sammlung von Papieren. Es ist auch ein bisschen Fürsorge für die Menschen, die vielleicht irgendwann vor diesem Ordner sitzen werden.
Und wenn mir dabei nachts noch etwas einfällt, dann kommt es eben noch hinein. Man kann schließlich auch dem lieben Gott sagen: Einen Moment bitte – ich bin noch nicht ganz fertig mit meiner Liste.
Anne Seltmann 18.09.2026, 14.49 | (2/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

...eine Mitmachaktion von >> Trudi <<
Es ist Zeit, ein paar Dinge anzupacken, die schon viel zu lange irgendwo auf meiner inneren To-do-Liste stehen. Nicht, weil sie alle furchtbar wichtig wären. Manche sind es. Andere warten vermutlich schon so lange, dass sie sich längst an ihren Platz gewöhnt haben.
Zum Beispiel wäre es eigentlich mal wieder Zeit, in anderen Blogs zu kommentieren. Ich habe früher viel mehr geschrieben, mich eingelesen, Gedanken dagelassen und mich an den Beiträgen anderer beteiligt. Heute fehlt mir dafür manchmal schlicht die Lust. Und ganz ehrlich: Ich möchte auch nicht unter jeden Beitrag ein „Wie schön! oder „Toller Beitrag! setzen, nur damit ich irgendetwas geschrieben habe. Wenn ich kommentiere, dann möchte ich auch wirklich etwas zu sagen haben. Vielleicht ist weniger manchmal einfach ehrlicher.
Es ist Zeit, meinen Schreibtisch aufzuräumen. Und damit meine ich nicht nur die Oberfläche, auf der sich inzwischen wieder erstaunlich viele Dinge versammelt haben, die dort eigentlich gar nicht hingehören. Ich müsste mich auch einmal durch die Schubladen arbeiten. Dort liegen Dinge, die ich vermutlich seit Jahren nicht mehr gebraucht habe – aber offenbar aus irgendeinem Grund noch nicht bereit bin, mich von ihnen zu trennen.
Es ist Zeit, meinen Vorsorgeordner noch einmal zu überprüfen. Kein besonders lustiges Thema, aber eines, das dazugehört. Dinge zu regeln, solange man sie selbst regeln kann, ist vielleicht eine der vernünftigsten Formen von Fürsorge. Für sich selbst und für die Menschen, die irgendwann vielleicht froh sind, wenn nicht alles ungeklärt geblieben ist.
Und es ist Zeit, mich von Menschen zu verabschieden, die mir nicht guttun.
Nicht unbedingt mit einem großen Knall. Nicht mit Vorwürfen und langen Erklärungen. Manchmal bedeutet Abschied einfach, weniger zu erzählen, weniger zu erwarten, weniger hinterherzulaufen. Manche Menschen darf man loslassen, ohne ihnen böse zu sein. Und manchmal ist Abstand kein Verlust, sondern ein Stück gewonnene Ruhe.
Es ist Zeit, Dinge nicht mehr zu tun, nur weil ich sie früher einmal getan habe.
Zeit, Nein zu sagen, ohne danach eine dreiseitige Begründung liefern zu müssen. Zeit, nicht jede Erwartung erfüllen zu wollen. Zeit, mich nicht für alles verantwortlich zu fühlen, was irgendwo, irgendwie und irgendwann schiefgehen könnte.
Es ist Zeit, Fotos auszusortieren, Ideen aufzuschreiben und angefangene Dinge entweder fertigzumachen – oder sie einfach liegenzulassen, wenn sie mir nichts mehr bedeuten.
Denn auch das habe ich inzwischen gelernt:
Nicht alles, was einmal begonnen wurde, muss unbedingt zu Ende gebracht werden.
Und vor allem ist es Zeit, mir wieder mehr Raum für die Dinge zu lassen, die mir wirklich Freude machen.
Für Bilder. Für Worte. Für das Meer. Für einen besonderen Himmel. Für Farben. Für verrückte Ideen, die vielleicht überhaupt keinen Sinn ergeben und gerade deshalb Spaß machen. Für die kleinen Dinge, bei denen ich irgendwann feststelle, dass ich schon wieder viel zu lange damit beschäftigt bin – aber eben glücklich dabei.
Es ist Zeit, Menschen zu sagen, dass sie mir wichtig sind. Nicht irgendwann. Nicht bei Gelegenheit. Sondern solange sie es noch hören können.
Und vielleicht ist es auch Zeit, weniger auf das zu schauen, was ich angeblich noch alles schaffen müsste, und stattdessen einmal auf das zu schauen, was bereits hinter mir liegt.
Da ist schließlich auch einiges.
Vielleicht muss nicht immer alles optimiert, sortiert, erledigt und abgehakt werden. Vielleicht darf manches einfach bleiben, wie es ist.
Manches darf gehen.
Manches darf warten.
Manches darf neu beginnen.
Anne Seltmann 22.08.2026, 10.50 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL
Erinnerst du dich an das Leben vor dem Internet?
Ich erinnere mich an die Zeit, bevor alles begann zu rauschen – bevor Nachrichten auf Bildschirmen flimmerten und Worte in Eile verloren gingen.
Damals roch ein Tag nach frisch gedrucktem Papier, nach Bleistift und Pausenbrot. Gespräche hatten Pausen, Gedanken durften atmen.
Wenn meine Lieblingstante aus Trier kam, brachte sie Gummibärchen mit – jedes Mal. Selbst zu meiner Hochzeit. Diese kleinen bunten Wesen waren mehr als nur Süßigkeiten. Sie waren ein Versprechen: dass sich manche Dinge nicht ändern, solange man daran glaubt.
Ich schrieb Briefe, keine Mails. Schlug Wörter im Duden nach, nicht in einer Suchmaschine. Und wenn ich jemandem etwas sagen wollte, ging ich hin – mit klopfendem Herzen. Kein Tippen, kein "Online-Status". Nur der Mut, einander wirklich zu begegnen.
Die Welt war langsamer, ja – aber sie hatte Tiefe. Ich konnte stundenlang durch einen Buchladen streifen, Zeilen lesen, mich verlieren in der Stille zwischen den Seiten. Worte hatten Gewicht. Und Grußformeln waren keine Abkürzungen.
Kinder bauten Höhlen aus Decken, keine Avatare. Ich beobachtete sie oft – wie sie mit staubigen Knien den Himmel eroberten, in Pfützen sprangen und Geschichten erfanden, ohne dass jemand sie ihnen vorsetzte.
Am Meer – meinem stillen Zufluchtsort – war nichts digital. Der Wind spielte mit meinem Haar, der Sand war weich, und jedes Muschelsammeln eine kleine Expedition. Ich sprach mit den Wellen, als wären sie alte Bekannte.
Heute rauscht es überall. Doch manchmal, wenn ich still werde, spüre ich dieses Früher noch – wie eine Melodie, die nur erklingt, wenn man ihr wirklich zuhört.
Anne Seltmann 25.07.2025, 17.42 | (6/0) Kommentare (RSS) | TB | PL
Liste deine fünf Lieblingsfrüchte auf.
– weil: Hallo? Kleine süße Glücklichmacher!!!

Aber gut, ich gebe zu, auch andere Früchtchen dürfen ab und zu mitspielen. Also, hier die ernstgemeinte (aber schwer erkämpfte) Top 5:
1. Erdbeeren (natürlich!)
2. Ananas (für den tropischen Zungenurlaub)
3. Nektarinen (Saftige Sommerliebe)
4. Mango (die Diva unter den Früchten)
5. Aprikosen (klein, frech, sonnig)
Erdbeeren bleiben trotzdem Königin. Punkt.
Wer braucht schon Abwechslung, wenn es Liebe auf den ersten Biss gibt?
Anne Seltmann 18.07.2025, 10.24 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Welches Buch könntest du immer wieder lesen?

Ganz spontan fällt mir das Buch "*Steine auf dem Küchenbord" von *Astrid Lindgren ein. Obwohl ich natürlich noch andere Lieblinge habe!.
Es ist eines der leisen Bücher. Eines, das nicht ruft, sondern flüstert. Das nicht unterhält, sondern berührt.
Rezension:
"Steine auf dem Küchenbord" ist ein schmales Buch – und doch liegt darin ein ganzes Leben. Astrid Lindgren zeigt sich hier nicht als Geschichtenerzählerin im klassischen Sinne, sondern als Mensch, als Denkerin, als jemand, der zurückblickt, nachfühlt, sortiert.
Es ist ein Buch über Abschied und Erinnerung, über das Altwerden, über das, was war und bleibt. Die Texte – nachdenklich, manchmal traurig, oft zärtlich – zeigen eine andere Seite Lindgrens: die der Philosophin des Alltags.
Wie Steine auf einem Küchenbord liegen ihre Gedanken da, scheinbar zufällig – und doch voller Bedeutung. Man kann sie in die Hand nehmen, drehen, befühlen, und immer wieder etwas Neues darin entdecken.
Es ist ein Buch, das man nicht "durchliest", sondern mitnimmt – ins eigene Leben, in Tage, die nach innen führen. Und ja: Es ist ein Buch, das man immer wieder lesen kann. Weil es jedes Mal ein bisschen mit einem selbst mitwächst.
[* Namensnennung...unbeauftragt und unbezahlt!]
Anne Seltmann 16.05.2025, 10.56 | (2/2) Kommentare (RSS) | TB | PL
Welchen Job würdest du umsonst machen?
Diese Frage klingt wie ein Spiel. Fast zu leicht, um wahr zu sein. Und doch steckt so viel Wahrheit darin: Was würdest du tun, ohne Geld dafür zu bekommen? Einfach, weil dein Herz ruft?
Ich wüsste es sofort. Ich würde mit Kindern arbeiten. Ich habe es schließlich während meines Berufslebens (Erzieherin von Beruf) schon getan. Am liebsten mit Flüchtlingskindern:
Weil ich weiß, dass ihre Welt oft aus Bruchstücken besteht.
Weil sie zu früh verstehen mussten, was Verlust ist.
Weil ihre Augen schon viel gesehen haben – und trotzdem leuchten können.
Ich würde mit ihnen malen, spielen, Geschichten erfinden. Ich würde ihnen zuhören, auch zwischen den Worten. Ich würde mit ihnen lachen – und still werden, wenn sie es brauchen.
Ich glaube, Kinder brauchen keinen perfekten Ort. Sie brauchen offene Hände. Ein Lächeln, das nicht fragt, woher sie kommen. Eine Stimme, die sie beim Namen nennt, ohne Akzent.
Und manchmal reicht es schon, einfach da zu sein.
Nicht als Heldin. Nicht als Retterin. Sondern als jemand, die sieht.
Denn jedes Kind trägt eine Geschichte in sich – und manchmal beginnt Heilung dort, wo jemand zuhört.
Anne Seltmann 13.05.2025, 09.03 | (4/4) Kommentare (RSS) | TB | PL
Auf welche drei Gegenstände könntest du nicht verzichten?
Definitiv auf meine Brille.
Ohne sie kann ich in der Ferne noch halbwegs bestehen – aber wehe, ich muss etwas Kleines lesen. Dann wird es schnell zum Ratespiel.
Auf meinen ersten Kaffee am Morgen.
Egal, wo ich bin – ohne meinen Kaffee geht gar nichts. Im Urlaub habe ich deshalb oft einen kleinen Wasserkocher und mein eigenes Kaffeezubehör dabei. Sicher ist sicher.
Und mittlerweile auf mein Handy.
Es ist mein kleines Stück Welt in der Tasche: Informationsquelle, Notfallkontakt und manchmal auch einfach Beruhigung, dass ich erreichbar bin, wenn es drauf ankommt.
Anne Seltmann 23.04.2025, 07.09 | (2/2) Kommentare (RSS) | TB | PL
Wenn du für einen Tag jemand anderes sein könntest, wer wärst du und warum?
Ich möchte heute poetisch auf diese Frage antworten
Ich wäre jemand, den ich nie ganz verstanden habe –
nur für einen Tag.
Nicht, um ihn zu beurteilen,
sondern um ihn zu fühlen.
Ich würde seine Schatten durchschreiten,
die Worte hören,
die er nie laut sagte.
Ich würde in seinem Licht stehen,
das er vor der Welt verbarg.
Ich würde mit seinen Augen sehen,
mit seinen Ängsten atmen,
mit seiner Hoffnung hoffen –
auch wenn sie still geworden ist.
Vielleicht beginnt echtes Verstehen
nicht im Reden,
sondern im stillen Gehen
auf einem fremden Weg.
Vielleicht beginnt Mitgefühl
genau dort,
wo wir unsere eigene Sicht
loslassen
– für einen Tag.
~*~
© Anne Seltmann
Anne Seltmann 11.04.2025, 16.20 | (2/2) Kommentare (RSS) | TB | PL

Welche Strategien wendest du an, um mit negativen Gefühlen umzugehen?
Meistens höre ich Musik oder widme mich dem Malen, manchmal auch dem Schreiben. Das hilft mir, meine Gefühle bewusst wahrzunehmen und anzunehmen, wie sie sind.
Manchmal gelingt es mir sogar, mit etwas Abstand und einem Hauch Humor auf die Situation zu blicken – oft ist es gar nicht so schlimm, wie es anfangs scheint.
Eines jedoch vermeide ich: meine Gefühle zu unterdrücken, denn das würde alles nur noch verstärken.
Anne Seltmann 29.03.2025, 07.43 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL