Black and White August 2026




Begegnung mit der Loth Loriën – Eine Schönheit unter Segeln


Es gibt diese Momente während der Windjammerparade, in denen der Blick plötzlich an einem Schiff hängen bleibt. Zwischen all den imposanten Großseglern entdeckte ich die "Loth Loriën" – elegant, stolz und mit einer Ausstrahlung, die sofort meine Aufmerksamkeit auf sich zog.

Schon ihr Name weckt Erinnerungen an geheimnisvolle Wälder und magische Welten. Tatsächlich stammt der Name "Loth Loriën"aus J. R. R. Tolkiens Fantasiewelt und steht für einen Ort voller Schönheit und Ruhe. Ein passender Name für ein Schiff, das so anmutig über die Ostsee gleitet.

Dabei begann ihre Geschichte alles andere als märchenhaft. Gebaut wurde sie bereits "1907" im norwegischen Bergen – damals noch als Heringslogger unter dem Namen "Njørd". Jahrzehntelang verrichtete sie harte Arbeit auf See, bevor sie Ende der 1980er-Jahre in den Niederlanden liebevoll restauriert und Schritt für Schritt zu dem beeindruckenden Dreimastsegler umgebaut wurde, der sie heute ist. Seit 2009 fährt sie als elegante Barkentine unter niederländischer Flagge.

Mit ihren weißen Segeln und den drei Masten wirkt die "Loth Loriën" fast schwerelos. Während sie im Verband der Windjammer über die Kieler Förde zog, schien sie den Wind nicht zu nutzen, sondern mit ihm zu tanzen. Genau diese Leichtigkeit macht den Zauber solcher historischen Segelschiffe aus.

Wer möchte, kann auf der "Loth Loriën"sogar selbst mitsegeln. Das Schiff bietet Platz für Tagesgäste und längere Segeltörns, bei denen Mitsegler auf Wunsch auch aktiv beim Segeln mithelfen können.

Für mich war die Begegnung mit der "Loth Loriën" einer dieser kleinen Höhepunkte der Windjammerparade. Zwischen Himmel, Wasser und Wind erinnerte sie daran, dass manche Schiffe weit mehr sind als nur historische Zeitzeugen. Sie erzählen Geschichten von vergangenen Zeiten, von harter Arbeit auf See, von Leidenschaft und von Menschen, die alten Schiffen neues Leben schenken.

Vielleicht ist genau das das Schönste an der Windjammerparade: Hinter jedem Schiff verbirgt sich eine eigene Geschichte. Man muss nur genau hinsehen – und sich einen Moment Zeit nehmen, sie zu entdecken.






Anne Seltmann 03.08.2026, 10.17| (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: PerlenhafteProjekte | Tags: Black an White August 2026, Black and White, Marius, Großsegler, maritim,

Montagsherz N° 665






Ein Herz noch aus dem Monat September, als mein Lieblingsmensch Geburtstag hatte.




Der „Wir-schenken-uns-nichts-Tag

Im September hatte mein Lieblingsmensch Geburtstag. Nun muss man wissen: Wir gehören zu den Menschen, die sich nichts schenken.

Wirklich! 

Jedes Jahr wird das feierlich beschlossen. "Dieses Mal schenken wir uns aber wirklich nichts."

Darauf können wir uns verlassen.

Fast.

Denn irgendwann beginnt es. "Ach, das ist ja nur eine Kleinigkeit." 

"Komm, das zählt gar nicht."

"Das habe ich zufällig gesehen."

"Die Kerze gehört nicht zum Geschenk."

Und ehe man sich versieht, liegt da plötzlich ein liebevoll verpacktes Päckchen auf dem Tisch. Mit einer kleinen brennenden Kerze. Rein zufällig natürlich. Ich nenne diesen Tag inzwischen liebevoll den „Wir-schenken-uns-nichts-Tag.

Er findet jedes Jahr statt. Immer mit denselben Regeln. Und jedes Jahr hält sich niemand daran. Zum Glück. Denn eigentlich geht es gar nicht um das Geschenk. Es geht um dieses verschmitzte Grinsen, wenn der andere sagt:
"Ich dachte, wir schenken uns nichts?"

Und die Antwort lautet:
"Das ist doch nichts."

Genau.

Ein bisschen Papier.

Ein Schleifchen.

Eine Kerze.

Und ganz viel Herz.

Ich hoffe jedenfalls sehr, dass dieser wunderschöne „Wir-schenken-uns-nichts-Tag noch viele Jahre im Kalender stehen bleibt.

Auch wenn wir uns natürlich...

...wirklich...

...gar nichts schenken. 





Anne Seltmann 03.08.2026, 05.00| (4/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: PerlenhafteProjekte | Tags: Montagsherz, Herz, Frau Waldspecht, ,

Weisheiten am Samstag N° 99





Anne Seltmann 01.08.2026, 14.32| (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: PerlenhafteProjekte | Tags: Weisheiten, Jutta, Zitate, Zitat im Bild, Weisheiten am Samstag, Weisheiten, Samstag, Baum, ,

Black and White Juli 2026






Zwischen Regen und Atem

der kaffee
atmet
kleine wolken
in den morgen

 

draußen
schreibt der regen
mit durchsichtiger tinte
an die scheiben

 

kein wort
bleibt lange

 

nur das licht
legt seine hand
auf den tisch

 

als wollte es sagen:

bleib

nicht alles
was still ist
ist einsam

 

manches
ist einfach nur

 

bei sich

~*~

© Anne Seltmann



Marius...






Anne Seltmann 31.07.2026, 04.00| (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: PerlenhafteProjekte | Tags: Black an White Juli 2026, Black and White, Marius, Kaffee, Fenster, Bistro,

1000 Fragen an dich selbst 661-670






 

661. Was liegt dir immer noch im Magen?

Worte und Taten meiner Schwiegertochter!

662.Magst du es, wenn man sich um dich kümmert?

In gewisser Weise ja, aber es darf nicht aufdringlich sein!

663.Welchen Wunsch wirst du dir nie erfüllen?

Ich habe keine materiellen Wünsche mehr, außer dass wir lange noch gesund bleiben!

664. Was war die interessanteste Einladung, die du jemals bekommen hast?

Da fällt mir keine ein!

665. Wie würden dich deine Freunde beschreiben?

Loyal, gewissenhaft, ehrlich

666.Wer hat dir in deinem Leben am heftigsten wehgetan?

Meine Mutter!

667.Was war ein Wendepunkt in deinem Leben?

Der große Schritt, von Krefeld nach Kiel zu ziehen. Den ich NIE bereut habe!

668.Glaubst du, dass Menschen die Zukunft vorhersagen können?

Nein!

669.Was kannst du fast mit geschlossenen Augen tun?

Stricken, durch meine Wohnung gehen und alles finden.

670.Auf welchem Platz in der Klasse hast du am liebsten gesessen?

Ziemlich vorne!

 

 




Anne Seltmann 29.07.2026, 09.51| (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: PerlenhafteProjekte | Tags: 1000 Fragen, 1000 Fragen an dich selbst 661-670,

Die Hoffnung trägt nasse Schuhe



 

[Bild KI generiert / Text © Anne Seltmann]



Seit Tagen steht sie im Regen. Nicht nur im Regen des Himmels, sondern im Regen aus schlechten Nachrichten, Vorurteilen und lauten Stimmen. Das Wasser steigt ihr bis an die Knöchel. Noch lächelt sie. Aber lange wird sie dort nicht stehen können.

Da kommt die Angst vorbei.

Sie blickt sich ständig um, sieht hinter jeder Ecke eine neue Gefahr und flüstert unaufhörlich: „Pass auf. Trau niemandem. Es wird alles schlimmer. Ihre Worte sind wie kalter Wind. Die Hoffnung beginnt zu frieren.

Kurz darauf erscheint der Spott.

Er lacht über alles, was freundlich ist. Er nennt Mitgefühl Naivität und Hilfsbereitschaft Schwäche. „Davon wird die Welt auch nicht besser, sagt er und geht kopfschüttelnd weiter. Die Hoffnung senkt den Blick.

Dann kommt die Eile.

Sie hat keine Zeit anzuhalten. Keine Zeit zuzuhören. Keine Zeit, eine Hand zu reichen. „Später vielleicht, ruft sie noch im Vorübergehen. Doch das Später kommt oft nie.

Gerade als die Hoffnung glaubt, niemand würde sie sehen, bleibt jemand stehen.

Es ist die Güte.

Sie fragt nicht, warum die Schuhe nass geworden sind. Sie hält keine langen Reden und sucht keine Schuldigen. Sie setzt sich einfach neben die Hoffnung, nimmt ihre kalten Hände in die eigenen und sagt leise: „Du bist nicht allein.

Das genügt.

Nach und nach bleiben weitere Menschen stehen. Einer bringt ein trockenes Paar Schuhe. Eine andere schenkt eine warme Decke. Jemand erzählt eine Geschichte, die Mut macht. Ein Kind lacht. Und plötzlich wird aus vielen kleinen Gesten etwas Großes.

Die Sonne kommt nicht auf einmal hervor.

Aber der Regen fühlt sich nicht mehr ganz so kalt an.

Die Hoffnung richtet sich auf, streift den Schlamm von den Schuhen und geht weiter. Nicht, weil die Welt über Nacht besser geworden ist, sondern weil sie erfahren hat, dass selbst das kleinste Licht heller leuchtet, wenn viele Menschen es gemeinsam tragen.

Und vielleicht beginnt Veränderung genau dort: Nicht mit den Lautesten. Sondern mit denen, die stehen bleiben, wenn andere weitergehen.


© Anne Seltmann






Anne Seltmann 29.07.2026, 08.51| (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: EigeneWortPerlen | Tags: Hoffnung, Schuhe, Regen, Spott, Angst, Eile, Güte, ,

Maritimer Mittwoch N° 253






 

Ein Sommertag in Laboe – oder: Manche Ausflüge werden einfach nie langweilig

Es gibt Orte, an denen man schon unzählige Male gewesen ist. So oft, dass man irgendwann aufhört zu zählen. Oder, wie man bei uns im Norden sagen würde: bestimmt schon zum Drölfhundertsten Mal.

Trotzdem stand heute wieder ein Ausflug nach Laboe auf dem Programm. Unsere Enkelkinder verbringen mit ihren Eltern gerade ein paar Urlaubstage hier in Kiel und was liegt da näher, als ihnen ein Stück unserer Heimat zu zeigen?

Schon am frühen Morgen ging es mit dem Fördedampfer über die Kieler Förde. Ich liebe diese Überfahrt jedes Mal aufs Neue. Während das Wasser leise gegen den Rumpf plätschert, zieht Kiel langsam vorbei und man hat sofort das Gefühl, dass der Alltag für ein paar Stunden Pause macht.

In Laboe angekommen, durfte natürlich das Marine-Ehrenmal nicht fehlen. Die vielen Stufen haben wir nach oben gemieden, es gibt ja Gott sei Dank einen Aufzug. Auf der Aussichtsplattform bietet sich ein herrlicher Rundumblick über die Kieler Förde, die Ostsee und die vorbeiziehenden Schiffe. Anfangs zeigte sich der Himmel noch eher grau und wolkenverhangen, doch nach und nach riss die Wolkendecke auf und die Sonne machte aus einem schönen Tag einen perfekten Sommertag.






Natürlich führte unser Weg auch wieder zum U-Boot U 995. Für uns ist es längst ein alter Bekannter. Trotzdem übt es jedes Mal eine besondere Faszination aus – und für die Kinder war es ohnehin ein spannendes Erlebnis. Es ist schön zu sehen, wie Geschichte plötzlich greifbar wird und Kinderaugen vor Neugier leuchten.

Zwischendurch durfte die kulinarische Seite eines Ostseeausflugs natürlich nicht fehlen. Erst stärkten wir uns mit köstlichen Crêpes, später gab es – wie sollte es an der Küste anders sein – leckere Fischbrötchen. Irgendwie schmecken sie am Meer einfach besser als irgendwo sonst.

Was mir an solchen Tagen besonders gefällt, sind gar nicht die großen Sehenswürdigkeiten. Es sind diese kleinen Momente dazwischen: das gemeinsame Lachen, staunende Kinderblicke, der Wind, der einem um die Nase weht, das Kreischen der Möwen und dieses Gefühl, einfach gemeinsam unterwegs zu sein.

Laboe hat uns wieder einmal gezeigt, dass man nicht weit reisen muss, um einen wunderschönen Tag zu erleben. Manchmal genügt ein Fördedampfer, ein weiter Blick über die Ostsee und die Menschen, die einem am Herzen liegen.

Und auch wenn wir bestimmt schon zum Drölfhundertsten Mal dort waren – ich bin mir ziemlich sicher, dass es nicht das letzte Mal gewesen ist. Manche Orte verlieren ihren Zauber einfach nie.




Anne Seltmann 29.07.2026, 06.56| (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: PerlenhafteProjekte | Tags: Maritimer Mittwoch, Angela, Ostsee, Meer, Boot, Laboe, Fördedampfer,

Montagsstarter 2026 N° 02




So ein Tag schreibt Geschichten, ohne ein einziges Wort zu verlieren.

Dass das Glück so oft in den kleinen Dingen wohnt, ist unglaublich.

Dabei müssen wir nur aufmerksam genug sein, es zu entdecken.

Ein letzter Blick in den Abendhimmel ist ein schöner Abschluss.

Trotz aller Hektik freue ich mich über jeden Augenblick, der mich lächeln lässt.

Letzten Sommer habe ich gelernt, dass Erinnerungen oft nach Sonne, Wind und Freiheit duften.

Im Kalender steht diese Woche viel Kreatives, ich habe neue Ideen im Kopf geplant und dann freue ich mich sie umzusetzen.




[antetannis vorgegebene Satzfragmente, die ich (fettgedruckt) mit meinen persönlichen Gedanken ausgefüllt habe.]




Anne Seltmann 27.07.2026, 10.17| (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: PerlenhafteProjekte | Tags: Montagsglück, Montagsstarter, antetanni, ,

Weisheiten am Samstag N° 98





Anne Seltmann 25.07.2026, 06.44| (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: PerlenhafteProjekte | Tags: Weisheiten, Jutta, Zitate, Zitat im Bild, Weisheiten am Samstag, Weisheiten, Samstag, Ziel, Muschel, Schmuckstück,

Redewendungen N° 01

[Bild KI generiert]



"Etwas an die große Glocke hängen"


Es gibt Menschen, die können einfach kein Geheimnis für sich behalten.

Kaum erfahren sie etwas, wird telefoniert, geschrieben, weitergeflüstert oder – ganz modern – in den sozialen Medien geteilt. Früher nannte man das Tratschen. Heute heißt es oft: "Ich wollte es nur mal kurz erzählen..."

Doch woher kommt eigentlich die Redewendung „etwas an die große Glocke hängen?

Früher wurden wichtige Neuigkeiten tatsächlich mit Glockengeläut bekannt gemacht. Ob Markttag, Feuer, Hochwasser oder königlicher Besuch – wenn die große Glocke läutete, wusste jeder: Jetzt gibt es etwas Wichtiges!

In meiner Fantasie sieht das allerdings etwas anders aus.

Da steht ein kleiner Handwerker auf einer wackeligen Leiter. Vor ihm hängt eine riesige Glocke, größer als ein Haus. Mit ernstem Gesicht befestigt er sorgfältig ein Schild daran:

„Bitte weitersagen!

Ich stelle mir vor, wie die Leute stehen bleiben und rätseln.

"Was hängt denn da?"

"Keine Ahnung."

"Na, dann erzählen wir es erst einmal allen!"

Mission erfüllt.

Vielleicht wäre das sogar die ehrlichste Form von Klatsch. Nicht hintenherum tuscheln, sondern gleich alles offiziell an die größte Glocke hängen, die man finden kann.

Ob das allerdings jede Nachricht verdient?

Ich glaube nicht.

Manches darf ruhig leise bleiben.

Ein Sonnenuntergang braucht keine Schlagzeile.

Ein Kinderlachen keine Pressekonferenz.

Und ein selbst gebackener Apfelkuchen muss nicht in den Abendnachrichten auftauchen – obwohl ... darüber könnte man durchaus diskutieren.

Aber wenn ihr demnächst irgendwo eine riesige Glocke entdeckt, an der ein kleiner Handwerker gerade ein Schild befestigt, dann wisst ihr Bescheid.

Es ist wahrscheinlich wieder jemand unterwegs, der etwas an die große Glocke hängen möchte.

Und seien wir ehrlich ...

... ein kleines bisschen neugierig sind wir doch alle.




Anne Seltmann 23.07.2026, 07.34| (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: PerlenhafteProjekte | Tags: Redewendungen, Glocke,

Mittwoch wird die Woche geteilt.


[Bild KI generiert]


Mittwoch wird die Woche geteilt – aber stimmt das eigentlich?

Es gibt Sätze, die begleiten uns, ohne dass wir jemals darüber nachdenken. Einer davon lautet:

„Mittwoch wird die Woche geteilt.

Ich habe ihn schon unzählige Male gelesen und selbst oft verwendet. Er klingt vertraut. Fast so, als gäbe es ihn schon seit Jahrhunderten.

Aber stimmt das eigentlich?

Rein mathematisch nicht.

Eine Woche hat nämlich sieben Tage. Die Mitte liegt also nicht am Mittwoch, sondern irgendwo zwischen Donnerstag und Freitag. Und selbst wenn wir nur die klassische Arbeitswoche von Montag bis Freitag betrachten, wäre die Hälfte genau genommen erst am Mittwochmittag erreicht.

Warum also ausgerechnet der Mittwoch?

Vielleicht, weil wir Menschen Zeit nicht mit dem Taschenrechner messen, sondern mit unserem Gefühl.

Der Montag liegt noch schwer auf den Schultern. Der Dienstag gehört dem Ankommen. Und am Mittwoch stellt sich zum ersten Mal das leise Gefühl ein: Jetzt ist das Wochenende nicht mehr ganz so weit entfernt.

Aus diesem Empfinden entstand auch der Begriff Bergfest. Er stammt vermutlich aus dem Bergbau oder dem Militär und bezeichnete ursprünglich den Zeitpunkt, an dem die Hälfte einer Schicht oder eines Einsatzes geschafft war. Danach ging es sinnbildlich „bergab – also dem Ziel entgegen.

Der Mittwoch wurde so zur kleinen Verschnaufpause mitten im Alltag.

Ich mag diese Vorstellung.

Nicht, weil sie mathematisch korrekt wäre, sondern weil sie uns daran erinnert, kurz innezuhalten. Einmal tief durchzuatmen. Zu sehen, was die Woche schon gebracht hat und was vielleicht noch vor uns liegt.

Vielleicht brauchen wir solche kleinen Wegmarken.

Nicht, weil sie exakt sind.

Sondern weil sie uns Orientierung geben.

 

Und so teile ich auch weiterhin am Mittwoch die Woche – nicht mit dem Kalender, sondern mit einem Lächeln.




Anne Seltmann 22.07.2026, 06.15| (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: AktuellePerlen | Tags: Mittwoch

Maritimer Mittwoch N° 252



Eine Möwe aus einer Zeit vor mir

Ich sortiere gerade die alten Fotos meiner Eltern.

Zwischen den vielen Aufnahmen blieb ich an einem Bild hängen: Möwen auf Usedom.

Mein Vater hat dieses Foto gemacht, als er noch ein junger Mann war. Er war damals mit meiner Mutter auf der Insel unterwegs. Ich war noch nicht geboren. Es war eine Zeit, in der ihre gemeinsame Geschichte gerade erst begann.

Während ich das Bild betrachte, frage ich mich, worüber sie damals gesprochen haben. Ob sie am Strand spazieren gingen, den Möwen zusahen oder einfach den Wind und das Meer genossen. Hatten sie schon Träume für die Zukunft? Haben sie geahnt, was das Leben für sie bereithalten würde?

Ein altes Foto ist mehr als ein eingefrorener Augenblick.

Es zeigt nicht nur, was zu sehen ist. Es erzählt von einer Zeit, die ich nur aus Erzählungen kenne – und doch gehört sie zu mir. Denn ohne diese Tage auf Usedom, ohne all die kleinen und großen Momente, die meine Eltern miteinander erlebt haben, gäbe es meine eigene Geschichte nicht.

Ich schaue auf die Möwe und sehe plötzlich nicht mehr nur einen Vogel am Meer. Ich sehe zwei junge Menschen, voller Zukunft, ohne zu wissen, welche Wege noch vor ihnen liegen würden.

Es berührt mich, dass ich heute, Jahrzehnte später, dieses Bild in den Händen halte.

Fotos können die Zeit nicht anhalten. Aber sie können sie für einen Augenblick wieder öffnen.

Und manchmal genügt eine einziges Bild mit Möwen, um sich auf eine Reise zu begeben – in eine Vergangenheit, die man selbst nie erlebt hat und die doch ein Teil der eigenen Geschichte geworden ist.

 

[Foto eingescannt und bearbeitet]



Anne Seltmann 22.07.2026, 00.00| (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: PerlenhafteProjekte | Tags: Maritimer Mittwoch, Angela, Möwen, Papa, Fotos,

Sprachsalat à la carte





Palaver – wenn Worte ihre Reise erzählen

 

Es gibt Wörter, die klingen schon beim Aussprechen nach dem, was sie bedeuten. Palaver ist so ein Wort. Man hört förmlich das Hin und Her, das Reden ohne Ende, das Diskutieren, Erklären und Ausschmücken.

Heute sagen wir oft: „Mach doch nicht so ein Palaver! Gemeint ist damit meist ein unnötiges Theater oder eine endlose Diskussion um eine Kleinigkeit. Doch das Wort hatte ursprünglich eine ganz andere Bedeutung.

Seine Wurzeln liegen im portugiesischen palavra, was schlicht „Wort bedeutet. Portugiesische Seefahrer brachten den Begriff im 15. und 16. Jahrhundert an die westafrikanische Küste. Dort entwickelte sich daraus das Palaver – eine oft stundenlange Besprechung zwischen europäischen Händlern und den einheimischen Gemeinschaften. Solche Treffen dienten dazu, Konflikte zu lösen, Handel zu betreiben oder gemeinsame Entscheidungen zu treffen.

Erst später bekam das Wort im Deutschen einen leicht spöttischen Beiklang. Aus dem ernsthaften Gespräch wurde das vermeintlich überflüssige Gerede.

Eigentlich ist das schade.

Denn ein Palaver im ursprünglichen Sinn war kein Geschwätz. Es bedeutete, sich Zeit füreinander zu nehmen, zuzuhören, Argumente auszutauschen und erst dann zu einer Entscheidung zu kommen. Vielleicht könnten wir davon heute wieder etwas gebrauchen.

Wörter tragen Geschichten in sich. Manche reisen über Kontinente, verändern unterwegs ihre Bedeutung und kommen schließlich ganz anders bei uns an, als sie einst aufgebrochen sind.

Palaver ist eines dieser Wörter.

Und vielleicht lohnt es sich manchmal, ein kleines Palaver zu führen – solange dabei nicht das Reden wichtiger wird als das Zuhören.




Anne Seltmann 21.07.2026, 07.28| (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: PerlenhafteProjekte | Tags: Sprachsalat à la carte, Fremdwörter, Palaver,

Montagsherz N° 664



Manche Herzen werden sorgfältig gezeichnet. Mit Zirkel, Lineal und dem Anspruch auf Perfektion. Und dann gibt es dieses Herz.

Ein paar Sprühstöße.

Ein wenig Farbe.

Ein unruhiger Rand.

Farbnasen, die nach unten laufen.

 Nicht makellos.

Nicht geschniegelt.

Nicht geschniegelt für eine Postkarte.

Und trotzdem bleibt mein Blick daran hängen. Vielleicht, weil es mich daran erinnert, dass Liebe selten gerade Linien kennt. Sie verläuft manchmal. Sie hinterlässt Spuren. Sie ist nicht immer symmetrisch und nicht immer planbar. Gerade die kleinen Unregelmäßigkeiten erzählen oft die schönsten Geschichten. Ich frage mich manchmal, wer dieses Herz an die Wand gesprüht hat.

 War es ein verliebter Mensch?

Jemand, der vermisst?

Oder einfach jemand, der der grauen Wand einen Hauch von Leben schenken wollte? Ich werde es wohl nie erfahren. Aber vielleicht ist genau das das Schöne daran. Man muss nicht jede Geschichte kennen, um sich von ihr berühren zu lassen.


Ich wünsche euch einen Montag mit Menschen, die keine perfekten Herzen haben müssen – sondern echte.



Nächster Termin:


03. August



Montagsherz...





Anne Seltmann 20.07.2026, 00.00| (6/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: PerlenhafteProjekte | Tags: Montagsherz, Herz, Frau Waldspecht, Graffiti, ,