
Wenn Steine das Gleichgewicht suchen
Ich mag diese kleinen Türme aus Steinen. Sie wirken so schlicht und gleichzeitig so erstaunlich: Einer liegt auf dem anderen, immer kleiner werdend, und manchmal scheint es geradezu unmöglich, dass das Ganze überhaupt hält.
Dabei ist das Stapeln von Steinen keineswegs eine moderne Erfindung. Schon seit Jahrtausenden wurden Steine aufgeschichtet – als Wegweiser, zur Kennzeichnung besonderer Orte oder von Gräbern und teilweise auch für religiöse Rituale. Ein kleiner Steinhaufen konnte früher ganz einfach bedeuten: Hier entlang.
Heute werden Steine häufig aus einem anderen Grund ausbalanciert. Beim sogenannten Rock Balancing geht es darum, durch geschicktes Finden der richtigen Auflagepunkte Steine scheinbar schwerelos aufeinanderzustellen. Es braucht Geduld, Konzentration und ein gutes Gefühl für Balance. Für viele ist das beinahe meditativ: ausprobieren, verschieben, wieder von vorn – bis der Stein plötzlich sitzt.
Und vielleicht ist genau das der Grund, warum mich diese kleinen Kunstwerke so faszinieren. Sie erinnern mich ein bisschen an das Leben. Auch wir versuchen ständig, Dinge im Gleichgewicht zu halten. Und manchmal braucht es nur eine winzige Veränderung, damit alles wieder ins Wanken gerät.
Das Schöne an den Steinen ist allerdings: Sie müssen nicht für immer halten. Ein Windstoß oder eine kleine Berührung kann genügen und der Turm fällt wieder auseinander.
Vielleicht ist das ihre eigentliche Botschaft: Nicht alles muss bleiben, um schön gewesen zu sein. Manchmal reicht es, wenn für einen Augenblick alles genau richtig steht.
Anne Seltmann 25.08.2026, 05.44| (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: PerlenhafteProjekte | Maritimer Mittwoch, Angela, Ostsee, Steine, Steinhaufen,