
die balkone
kommen
verlässlich
morgen
dieses morgen
hatte inzwischen
dreimal geburtstag
die gerüste
sind
alte bekannte
sie altern
mit uns
und kennen
jede jahreszeit
beim namen
wo einmal
wege waren
wächst jetzt
eine stille
aus grün
die erde
hat beschlossen
nicht länger
baustelle
zu sein

gras
legt sich
über
aufgeschaufelte hügel
als wollte es
das erinnern
übernehmen
hier
war einmal
ein plan
die fahrräder
lehnen
an allem
nur nicht
an ihrem platz
die mülltonnen
führen
ein nomadenleben
und die einfriedung
existiert
als zeichnung
in irgendeinem ordner

wir sind
zu experten geworden
für das
unfertige
wir erkennen
fortschritt
an neuen absperrbändern
und feiern
jeden
entfernten
schutthaufen
wie einen feiertag
der balkon
ist inzwischen
eine erzählung
für neue nachbarn
"hier sollte einmal..."
mehr braucht
es gar nicht
damit alle
wissend nicken
vielleicht
ist das
die eigentliche
sanierung
nicht
die der häuser
sondern
unsere
geduld
und wenn
eines tages
wirklich
der letzte stein
gesetzt wird
werden wir
wahrscheinlich
stehen bleiben
und fragen:
war hier nicht einmal
eine baustelle?
~*~
Danziger Straße 22–32
24161 Altenholz-Stift
Anne Seltmann 07.08.2026, 15.19| (2/2) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: AktuellePerlen

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern – Wenn ein Geheimnis längst keines mehr ist
Es gibt Redewendungen, die man fast beiläufig benutzt – und doch steckt hinter ihnen eine erstaunliche Geschichte. Eine davon lautet: "Die Spatzen pfeifen es von den Dächern." Gemeint ist damit, dass etwas längst allgemein bekannt ist, obwohl es vielleicht noch als Geheimnis gehandelt wird. Doch warum ausgerechnet Spatzen? Und warum Dächer?
Die geschwätzigsten Vögel der Stadt
Der Haussperling – im Volksmund schlicht "Spatz" – begleitet den Menschen seit Jahrhunderten. Wo Menschen wohnen, sind meist auch Spatzen nicht weit. Sie sitzen auf Dachfirsten, Dachrinnen, Schornsteinen oder Fenstersimsen und zwitschern unermüdlich. Besonders morgens entsteht ein regelrechtes Konzert, das den Eindruck erweckt, als würden sie sich gegenseitig die neuesten Nachrichten erzählen.
Schon im Mittelalter galten Spatzen als lebhafte, neugierige und ausgesprochen "mitteilungsfreudige" Vögel. Wer durch enge Gassen einer Stadt ging, hörte ihr ständiges Gezwitscher von den Dächern herab. Kein Wunder also, dass die Fantasie der Menschen daraus machte, die kleinen Vögel würden den neuesten Klatsch und Tratsch verbreiten.
Vom Gerücht zur Redewendung
Die Redewendung entstand vermutlich im 18. oder frühen 19. Jahrhundert. Eine einzelne Person mag ein Geheimnis noch für sich behalten können. Doch sobald es mehrere wissen, verbreitet es sich wie ein Lauffeuer. Schließlich scheint es sogar so offensichtlich zu sein, als würden es die Spatzen selbst von den Dächern verkünden.
Wenn heute jemand sagt:
"Das pfeifen doch die Spatzen schon von den Dächern."
dann bedeutet das nichts anderes als:
* Das weiß inzwischen jeder.
* Es ist längst kein Geheimnis mehr.
* Die Nachricht hat sich überall herumgesprochen.
Warum gerade Dächer?
Dächer waren früher der höchste Punkt eines Hauses und weithin sichtbar. Wer von dort oben etwas rief, konnte von vielen gehört werden. In der Vorstellung der Menschen wurden die Dächer deshalb zum Sinnbild dafür, dass eine Nachricht öffentlich geworden ist.
Die Spatzen wurden zu den unfreiwilligen "Nachrichtensprechern" der Stadt – immer präsent, immer laut und scheinbar bestens informiert.
Ein Sprichwort mit Charme
Gerade deshalb hat sich diese Redewendung bis heute gehalten. Sie beschreibt auf humorvolle Weise, wie schwer sich Geheimnisse bewahren lassen. In Zeiten von sozialen Medien könnte man fast sagen:
Früher pfiffen es die Spatzen von den Dächern – heute posten es die Menschen ins Internet.
Anne Seltmann 07.08.2026, 05.27| (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: PerlenhafteProjekte | Redewendungen, Spatzen,