Tag: Möwen


du rennst voraus
über den nassen strand
dort wo die wellen
ihre weißen ränder
in den sand schreiben
und gleich wieder verwischen
ich hinterher
mit salz auf den lippen
und einer muschel im schuh
die du selbstverständlich
für einen glücksbringer hältst
der wind zupft an deiner jacke
die gischt spritzt bis an die knie
und irgendwo draußen
schaukelt ein kutter
auf den dunklen wellen
wir bleiben kurz stehen
weil das meer heute
so blau ist
dass man fast hineinfallen möchte
dann findet sich
zwischen unseren füßen
ein stück treibholz
und du erklärst mir
dass es aussieht
wie ein ziemlich schlecht gelaunter wal
ich widerspreche
natürlich
wir lachen
eine möwe klaut dir beinahe
dein brötchen
und plötzlich ist es wieder da:
dieses kindliche
unvernünftige
herrliche glück
wir springen über die pfützen
rennen den brechenden wellen davon
sammeln drei gleiche steine
und behaupten
sie seien selten
der leuchtturm dreht sein licht
über den abend
die bojen klingeln draußen
und der horizont
zieht langsam seine blaue Decke
über das wasser
und dann jagen wir möwen hinterher
barfuß
mit nassen hosen
und viel zu großen lachen
bis wir beide
keinen schritt mehr können
und liegen bleiben
mit dem kopf im sand
und dem meer im ohr
und du sagst:
morgen wieder?
als gäbe es überhaupt
eine andere antwort.
~*~
© Anne Seltmann


Anne Seltmann 02.09.2026, 08.14 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Eine Möwe aus einer Zeit vor mir
Ich sortiere gerade die alten Fotos meiner Eltern.
Zwischen den vielen Aufnahmen blieb ich an einem Bild hängen: Möwen auf Usedom.
Mein Vater hat dieses Foto gemacht, als er noch ein junger Mann war. Er war damals mit meiner Mutter auf der Insel unterwegs. Ich war noch nicht geboren. Es war eine Zeit, in der ihre gemeinsame Geschichte gerade erst begann.
Während ich das Bild betrachte, frage ich mich, worüber sie damals gesprochen haben. Ob sie am Strand spazieren gingen, den Möwen zusahen oder einfach den Wind und das Meer genossen. Hatten sie schon Träume für die Zukunft? Haben sie geahnt, was das Leben für sie bereithalten würde?
Ein altes Foto ist mehr als ein eingefrorener Augenblick.
Es zeigt nicht nur, was zu sehen ist. Es erzählt von einer Zeit, die ich nur aus Erzählungen kenne – und doch gehört sie zu mir. Denn ohne diese Tage auf Usedom, ohne all die kleinen und großen Momente, die meine Eltern miteinander erlebt haben, gäbe es meine eigene Geschichte nicht.
Ich schaue auf die Möwe und sehe plötzlich nicht mehr nur einen Vogel am Meer. Ich sehe zwei junge Menschen, voller Zukunft, ohne zu wissen, welche Wege noch vor ihnen liegen würden.
Es berührt mich, dass ich heute, Jahrzehnte später, dieses Bild in den Händen halte.
Fotos können die Zeit nicht anhalten. Aber sie können sie für einen Augenblick wieder öffnen.
Und manchmal genügt eine einziges Bild mit Möwen, um sich auf eine Reise zu begeben – in eine Vergangenheit, die man selbst nie erlebt hat und die doch ein Teil der eigenen Geschichte geworden ist.
[Foto eingescannt und bearbeitet]
Anne Seltmann 22.07.2026, 00.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Klön & Krümel
Am frühen Morgen stand die kleine blaue Hütte "Klön & Krümel" still am Strand, nur Mathilda war drinnen – die Einzige, die Zutritt hatte. Die Möwen, scheinbar gut informiert, landeten schon am Fenster und begutachteten kritisch jede Bewegung der Besitzerin. Kaum hatte Mathilda die erste Tasse Kaffee durch das Fenster gereicht, stürzten sich zwei besonders freche Möwen auf die Serviette mit einem Keks, dass Mathilda nur noch lachen konnte.
"Na gut, ihr Nasenbären, aber nur einen Keks pro Runde!", rief sie durch das Fenster, und die Möwen kreischten empört, als hätten sie sie nicht verstanden. Die Kunden draußen lachten, hielten ihre Tassen fest in den Händen und zwangen die Möwen zu einer respektvollen Distanz – zumindest für eine Minute.
Jeder neue Besucher wurde von den Vögeln beäugt wie von kleinen Kontrolleurinnen, die prüften, ob der Kaffee und die Kuchenstücke auch richtig verteilt wurden. Mathilda balancierte Tassen, Löffel und Kekse mit erstaunlicher Gelassenheit, während die Möwen versuchten, jeden unbeobachteten Moment für einen kleinen Raub zu nutzen.
So verging der Vormittag: Lachen, kreischende Möwen, warme Tassen Kaffee, ein paar gestohlene Kekse – und ein Strand, an dem alle draußen standen, den Wind spürten, das Meer hörten und die kleine, freche Magie von "Klön & Krümel" genossen. Mathilda hinter der Theke war die ruhige Königin dieses Chaos, die Einzige, die alles unter Kontrolle hatte – zumindest bis zur nächsten Möwenattacke.
Anne Seltmann 17.12.2025, 07.52 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Anne Seltmann 24.07.2025, 10.09 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Die lästige Leichtigkeit des Kreischens
Sie sehen aus wie kleine Himmelssegler mit schneeweißen Flügeln und dem Blick eines Unschuldslamms – doch wer wie ich an der Küste lebt, weiß es besser: Möwen sind keine romantischen Küstenbewohner, sondern gefiederte Ganoven. Sie schreien, wenn alle anderen schlafen. Sie lauern, wenn du nichts ahnst. Und sie stehlen – mit der Chuzpe eines Straßenräubers.
Kaum setzt man sich mit seinem Brötchen ans Wasser, taucht plötzlich dieser weiße Schatten auf. Ein kurzer Flügelschlag, ein schriller Schrei – zack, ist das Frühstück weg. Und als wäre das nicht genug, hinterlassen sie auch noch ihre "Meinung" auf frisch geputzten Autos oder akkurat gefegten Balkonen.
Natürlich, sie gehören zum Norden wie der Wind und das Salz in der Luft. Aber manchmal, ganz ehrlich, wünscht man sich einen persönlichen Möwenabwehrschirm – oder zumindest ein Schild, auf dem steht: "Finger weg, Möwe!"
Und dennoch – wenn sie dann abends über dem Meer kreisen, im Gegenlicht der untergehenden Sonne, könnte man fast vergessen, dass sie morgens dein Croissant gestohlen haben.
Fast.

Anne Seltmann 23.07.2025, 06.31 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Die Möwen stehen auf dem noch nicht ganz zugefrorenen See, die Luft ist schneidend kalt, der Wind zieht unnachgiebig über die glatte Oberfläche. Die Vögel bewegen sich kaum, ihre Füße fest auf dem Eis, als hätten sie sich an die Kälte gewöhnt. Unglaublich, dass die Möwen aufgrund der physiologischen und verhaltensbezogenen Anpassungen problemlos auf kaltem Untergrund stehen, ohne Schaden zu nehmen.
Gelegentlich breitet eine Möwe die Flügel aus, fliegt ein kurzes Stück und kehrt dann wieder zurück. Der See liegt still, eine unbewegte Fläche, die das Leben darunter verbirgt. Es ist eisig, doch die Möwen bleiben, als wüssten sie, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis das Eis wieder schmilzt.

Anne Seltmann 16.01.2025, 05.32 | (7/6) Kommentare (RSS) | TB | PL


Möwenschrei im Wind
dein Lachen, Freiheitstaumel-
zwei Welten vereint

Anne Seltmann 14.02.2024, 00.00 | (3/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Anne Seltmann 27.09.2023, 07.30 | (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL


Im Wellentanz der Gischt
ziehen kreischende Möwen ihre Kreise
Trunken im Windrausch
~*~
© Anne Seltmann

Anne Seltmann 23.08.2023, 05.57 | (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL



Die Küken sind in der Regel unauffällig graubraun gefärbt, um in den Nestern am Boden oder in den Felsnischen perfekt getarnt zu sein. Unter vielen großen Möwenarten verlieren die Jungtiere erst im Alter von etwa vier Jahren das braune Gefieder und nehmen erst dann die grau-weiße Färbung an.
Aber vielleicht war das Ganze einfach nur Futterneid!
Anne Seltmann 25.05.2023, 08.49 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL