
Der große Wal glitt langsam durch das tiefe Blau des Meeres, ruhig und majestätisch, als trüge er die Gelassenheit aller Ozeane in sich. Um ihn herum wirbelten unzählige kleine Goldfische wie flüssiges Sonnenlicht durchs Wasser. Sie tanzten um den stillen Giganten, neugierig, verspielt und ohne Angst.
Der Wal schien ihre hastigen Bewegungen kaum wahrzunehmen. Mit jedem langsamen Schlag seiner mächtigen Fluke zog er weiter durch das endlose Blau, als kenne er Wege, die älter waren als jeder Sturm und tiefer als jede Erinnerung. Auf seinem Rücken glitten silberne Lichtreflexe wie wandernde Wolken über dunkles Gestein.
Die Goldfische dagegen waren reine Unruhe. Mal schossen sie wie goldene Pfeile auseinander, mal sammelten sie sich zu leuchtenden Schwärmen, die im Sonnenlicht funkelten wie verstreute Münzen auf dem Meeresgrund. Einige wagten sich dicht an das Auge des Wals heran, als wollten sie herausfinden, welche Geheimnisse sich darin verbargen.
Doch in diesem Auge lag keine Bedrohung. Nur Ruhe. Eine uralte, beinahe traurige Ruhe, wie sie nur Wesen kennen, die seit Jahrhunderten die Ozeane durchwandern.
Manchmal öffnete der Wal langsam sein riesiges Maul und ließ gewaltige Wasserströme an sich vorbeiziehen. Die kleinen Goldfische flohen dann erschrocken auseinander, kehrten aber kurz darauf wieder zurück, als hätten sie verstanden, dass dieser sanfte Riese keinem Lebewesen etwas zuleide tun wollte.
Über ihnen brach das Sonnenlicht durch die Wasseroberfläche und verwandelte das Meer in eine schimmernde Welt aus Blau, Türkis und Gold. Es war, als hätte die Stille selbst begonnen zu leuchten.
Und während der Wal weiter durch die Tiefe zog, folgten ihm die kleinen Goldfische wie tanzende Gedanken…leicht, flüchtig und voller Leben.
© Anne Seltmann
Anne Seltmann 08.05.2026, 10.07| (0/0) Kommentare | TB | PL | einsortiert in: EigeneWortPerlen | Wal, Ozean, Geschichte, Midjourney, KI, Poem, Lyrik,