Thema: EigeneWortPerlen


ich legte meine hände
unter die nacht
als wäre sie ein tier,
scheu
und von fernem wasser
der mond hing dort
nicht wie ein zeichen
sondern wie ein atem,
unentschlossen
zwischen gehen und bleiben
ich sagte nichts
damit er nicht kleiner wird
ich zählte nur die stellen
an denen das licht
nicht mehr wusste, wohin
später
war er schwerer als gedacht
schwer wie erinnerungen,
die man zu lange
im stillen dreht
ich trug ihn
ein stück durch die straßen,
über die dächer,
bis er anfing
mich zu tragen
und irgendwo
zwischen schatten und schlaf
ließ ich ihn los -
und die nacht
hüllte mich ein
und blieb
~*~

Anne Seltmann 05.01.2026, 05.02 | (3/2) Kommentare (RSS) | TB | PL

In einer stillen Straße, in der die Häuser im Winter eng nebeneinander standen, lebte ein Mädchen namens Agneta. Es war die Zeit, in der die Tage früh dunkel wurden - und manchmal fühlte sich Agneta so, als würde die Dunkelheit auch leise in die Herzen kriechen.
Eines Abends fiel der Strom aus. Kein Summen, kein Fernseher, kein warmes Lampenlicht. Nur Dunkelheit - dicht wie ein Mantel.
Agneta holte eine kleine Kerze aus der Schublade, stellte sie in ein Glas und zündete sie an. Ein winziger Flammenpunkt - aber plötzlich sah der Raum nicht mehr fremd aus. Die Schatten tanzten, als wollten sie sagen: "Wir sind nicht gefährlich. Wir gehören dazu."
Agneta stellte die Kerze ans Fenster.
Von draußen sah der Nachbarjunge Tim das Licht. Er fühlte sich allein und ein bisschen ängstlich, doch der warme Schein zog ihn an. Er klopfte. Leni öffnete, und gemeinsam setzten sie sich an den Tisch. Sie erzählten Geschichten. Sie lachten. Die Zeit verging.
Kurz darauf kam die ältere Frau aus dem Nachbarhaus vorbei, mit einem Teller Kekse. Sie hatte die Kinder gesehen—und plötzlich fühlte sie sich nicht mehr so einsam. Dann kam noch jemand. Und noch jemand.
Bald saßen sie zu fünft im Wohnzimmer, nur erleuchtet von einer einzigen Kerze. Keine Musik. Keine Lichterketten. Nur Stimmen. Wärme. Nähe.
Als der Strom später zurückkam, flackerte das Deckenlicht auf - grell und plötzlich. Agneta drehte es wieder aus.
"Das hier reicht" sagte sie und schaute auf ihre kleine Flamme.
Am nächsten Abend stellte sie wieder eine Kerze ins Fenster. Und am übernächsten. Irgendwann brannten an vielen Fenstern in der Straße kleine Lichter - nicht, weil der Strom fehlte, sondern weil jemand angefangen hatte.
Und manchmal, wenn jemand einen schweren Tag hatte, blieb er kurz stehen, atmete ruhig - und ging ein kleines bisschen leichter weiter.
Agneta begriff etwas Wichtiges:
Licht sein bedeutet nicht, heller zu sein als andere.
Es bedeutet, da zu sein - still, freundlich, zuverlässig.
Manchmal reicht eine winzige Flamme, damit jemand den Weg findet.
Und so brannte ihr kleines Licht weiter—nicht, um die
Dunkelheit zu vertreiben,
sondern um zu zeigen, dass niemand allein durch sie gehen muss.
Anne Seltmann 26.12.2025, 10.05 | (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Wenn die Tage leiser werden
und das Licht weicher fällt,
möge ein Moment der Ruhe
bei euch einkehren.
Ich wünsche euch Weihnachten
mit kleinen Wundern,
warmen Gedanken
und Augenblicken,
die bleiben dürfen.
Danke, dass ihr hier lest,
mitgeht, innehaltet.
Möge euch das kommende Jahr
sanft begegnen.
Frohe Weihnachten!

Anne Seltmann 24.12.2025, 01.00 | (6/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Im tiefen Winterwald lag Schnee wie Zucker über den Fichten. Die Weihnachtsmaus stapfte vorsichtig durch den weißen Teppich, auf der Suche nach dem perfekten Baum. Endlich fand sie ihn: hoch und gerade, mit Ästen, die noch ungeschmückt in den Himmel ragten.
"So kann Weihnachten doch nicht beginnen", piepste sie, während sie die ersten glitzernden Kugeln hervorholte.
Plötzlich raschelte es im Unterholz, und ein Elch mit rotem Schal trat aus den Bäumen. Seine Geweihe funkelten ein wenig vom Frost. "Ich sollte eigentlich beim Schlitten helfen", murmelte er, "aber ich glaube, ich kann hier gebraucht werden."
Gemeinsam schmückten sie den Baum:
Die Maus kletterte flink an den unteren Ästen, ordnete Lametta und kleine Beeren. Der Elch reichte vorsichtig die Kugeln an die höheren Zweige, dass sie nicht zerbrachen.
Die Schneeflocken wirbelten um sie herum, wie ein leiser Applaus der Natur.
Sie lachten, als der Elch sich im Lametta verhedderte, und sie schwiegen ehrfürchtig, als die ersten Waldlichter am Abend die Kugeln zum Glitzern brachten. Am Ende trat der Elch einen Schritt zurück, die Maus richtete die letzten Äste.
Der Baum war nicht perfekt – aber warm, lebendig und voller Zauber.
"Weihnachten", flüsterte die Maus, "ist, wenn man zusammen schmückt, egal wie groß man ist." Der Elch nickte, und gemeinsam machten sie sich auf den Heimweg.
Am nächsten Morgen leuchtete der Baum zwischen den verschneiten Tannen, und der ganze Wald schien ein wenig fröhlicher zu atmen.
© Anne Seltmann
Anne Seltmann 23.12.2025, 15.19 | (4/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Es gibt eine wahre Weihnachtsgeschichte von Lilija Tenhagen, die in den Anfängen der 70er Jahre spielt, als die damalige Sowjetunion versucht hat, Weihnachten abzuschaffen!
Ich habe dazu eine eigene Geschichte geschrieben:
Das Licht, das keiner verbieten konnte
Es war ein kalter Dezemberabend Ende der sechziger Jahre, und in einem kleinen lettischen Dorf zitterten die Fensterrahmen im Wind. Die Straßenlaternen flackerten, und das Dorf wirkte stiller als sonst. Weihnachten war offiziell verboten – die Kirchen hatten ihre Glocken verstummen lassen, und viele Familien wagten es kaum, Kerzen anzuzünden.
Doch im Haus der Familie Kalnins brannte heimlich ein kleines Licht. Die Großmutter hatte einen winzigen Tannenbaum aus dem Wald geholt, seine Zweige mit Beeren und selbstgebastelten Figuren geschmückt und auf den Tisch gestellt. Niemand sprach laut darüber, aber jedes Mal, wenn die Kinder den Raum betraten, leuchteten ihre Augen.
"Weißt du, warum wir das tun?" fragte die kleine Elīna und schaute ihre Großmutter an.
"Weil Weihnachten in unseren Herzen nicht verboten werden kann," antwortete die Großmutter sanft. "Solange wir glauben, solange wir lieben, kann uns niemand das Licht nehmen."
Am Abend klopfte es leise an der Tür. Zögernd öffneten sie – es war der alte Herr Berzins aus dem Nachbarhaus, der sonst kaum sprach. Er hatte ein kleines Geschenk in der Hand, eingewickelt in Papier von vergangenen Jahren. "Ich dachte, es wäre Zeit, dass wir zusammen Weihnachten feiern, wie wir es immer getan haben," murmelte er.
So saßen sie zusammen, leise singend, Geschichten erzählend, Kerzenflammen tanzten in ihren Augen. Draußen fegte der Wind, aber drinnen herrschte Wärme. Niemand hätte geglaubt, dass ein so kleines Licht eine solche Macht haben konnte – die Macht, Hoffnung zu schenken, Mut zu wecken und die Gemeinschaft zu spüren.
Und obwohl offiziell verboten, verbreitete sich die Freude leise von Haus zu Haus. Am Ende verstanden die Kinder: Weihnachten war nicht in den Gesetzen oder Dekreten eingeschlossen. Weihnachten lebte in jedem Lächeln, jeder Geste der Liebe und in jedem Licht, das man nicht auslöschen konnte.
In dieser Nacht, so erzählt man es noch heute, leuchteten nicht nur die Kerzen, sondern auch die Herzen eines ganzen Dorfes – und kein Verbot konnte sie stoppen.
© Anne Seltmann
Anne Seltmann 22.12.2025, 08.40 | (4/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Die Rettung des verlorenen Kätzchens
Ein besonders stürmischer Winterabend hatte ein kleines Kätzchen auf den Deich getrieben. Die Wellen schlugen hoch, der Wind peitschte durch das Fell des Tieres, und es miaute verzweifelt in der kalten Nacht. Die Nordsee-Weihnachtsschafe, die gerade von ihrem nächtlichen Rundgang zurückkehrten, spürten sofort die Not des kleinen Wesens. Mit leisen Glöckchen und vorsichtigen Schritten näherten sie sich dem Kätzchen. Ein Schaf drängte das Tier behutsam mit der Nase auf seinen Rücken, während die anderen einen schützenden Halbkreis bildeten, sodass kein Windstoß oder Sandkorn das Kätzchen verletzen konnte. Langsam, Schritt für Schritt, führten die Schafe das Tier durch die Dünen, die Wellen hinter sich lassend, die Laternen in ihren Hörnern wie Leuchtfeuer der Sicherheit. Schließlich erreichten sie ein warmes, kleines Haus am Rande des Dorfes. Die Türen öffneten sich fast von selbst, als hätten die Schafe und das Kätzchen diesen Weg schon oft gegangen. Drinnen wartete ein Korb mit Decken, und das Kätzchen schlüpfte hinein, schnurrend, zufrieden und sicher. Draußen verschwand die Schafherde leise in der Dunkelheit, so unauffällig wie sie gekommen waren.
Am nächsten Morgen lag ein feiner Schleier aus Reif über dem Dorf. Das Kätzchen erwachte im warmen Korb, streckte vorsichtig die Pfoten aus und lauschte. Kein Heulen des Windes mehr, kein Donnern der Wellen – nur das leise Knistern des Ofens und entfernte Kirchenglocken, die den Weihnachtstag begrüßten. Die Menschen im Haus bemerkten das kleine Wesen erst, als es zaghaft aus dem Korb kletterte. Verwundert, aber voller Freude nahmen sie es auf, trockneten sein Fell und gaben ihm warme Milch. Niemand wusste, woher es gekommen war, doch alle spürten, dass diese Begegnung kein Zufall war. Man nannte es "Deichstern", nach dem Licht, das es sicher durch die Nacht geführt hatte.
In den folgenden Tagen erzählten sich die Dorfbewohner leise Geschichten. Einige meinten, sie hätten in jener Nacht Schafe mit sanft leuchtenden Laternen gesehen. Andere schworen, sie hätten Glöckchen gehört, obwohl weit und breit keine Herde unterwegs war. Die Kinder lauschten mit großen Augen, und selbst die Alten nickten wissend. Und irgendwo draußen, zwischen Deich und Dünen, standen die Nordsee-Weihnachtsschafe noch einmal still beisammen. Der Wind strich sanfter über ihr Fell, der Himmel war klar, und ein paar Sterne funkelten heller als sonst. Ihre Aufgabe war erfüllt. Wieder einmal hatten sie gezeigt, dass in den dunkelsten Nächten Mitgefühl, Zusammenhalt und ein wenig Magie den Weg weisen können.
So blieb diese Geschichte im Dorf lebendig – als Erinnerung daran, dass niemand zu klein ist, um gerettet zu werden, und niemand allein, solange es Wesen gibt, die hinschauen und helfen. Besonders in der stillen Zeit des Winters, wenn Hoffnung leise kommt, wie Schritte im Schnee.
Anne Seltmann 21.12.2025, 00.00 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Joseph Mohr wurde 1792 in Salzburg geboren. Seine Kindheit war geprägt von Armut und Unsicherheit, doch auch von Menschen, die sein Talent erkannten und ihn förderten. So konnte er lernen und schließlich Priester werden.
1816, in einer schweren und unruhigen Zeit, schrieb er den Text zu "Stille Nacht, heilige Nacht" – leise Worte voller Frieden, vielleicht als Antwort auf die Sorgen seiner Welt.
Joseph Mohr lebte bescheiden, war nah bei den Menschen und kümmerte sich besonders um die Armen. Berühmt wurde er zu Lebzeiten nicht. Er starb 1848 arm, aber hinterließ mit seinem Lied etwas Bleibendes: einen stillen Trost, der bis heute weiterklingt.
Inspiriert durch Joseph Moor:

Stille Nacht
leise fällt das Licht
durch die Fugen der Dächer
die Welt hält den Atem an
ein Atemzug nur
und die Häuser atmen zurück
die Fenster spiegeln Sterne
ein Baum draußen
wiegt sich sacht im Wind
die Nacht hört zu
und irgendwo
ein Herz, das klopft
ein Licht, das in der Dunkelheit ruht
heilige Nacht
so klein
so groß
so einfach Frieden
~*~
© Anne Seltmann

Anne Seltmann 20.12.2025, 08.13 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Der kleine Elch hieß Adrian, was er selbst für einen sehr erwachsenen Namen hielt, obwohl sein Geweih noch so kurz war, dass es eher wie zwei ehrgeizige Gedanken aussah. Das Problem – oder je nach Tagesform das große Glück – war: Adrians Geweih leuchtete.
Nicht stark. Nicht majestätisch.
Eher so wie eine vergessene Nachtlampe.
Das fiel erstmals auf, als Adrian sich abends im Wald verlaufen wollte (er war sehr gut darin, sich zu verlaufen) und plötzlich alle anderen Tiere stehen blieben.
"Warum ist es hier heller geworden?", fragte der Igel.
"Das bin ich", sagte Adrian entschuldigend und versuchte, den Kopf unter einen Farn zu stecken. Der Farn begann ebenfalls zu glimmen.
Von da an hatte Adrian ein Problem. Tarnung war unmöglich. Verstecken ebenso. Räuber sahen ihn schon von weitem und entschieden sich dann meist dagegen, weil niemand einem leuchtenden Elch traut. Das ist eine bekannte Regel im Wald.
Besonders schlimm wurde es nachts. Die Eulen beschwerten sich über Lichtverschmutzung, die Glühwürmchen fühlten sich in ihrer beruflichen Existenz bedroht, und einmal benutzte ein Wanderer Adrians Geweih, um eine Karte zu lesen.
"Ich bin kein Werkzeug!", rief Adrian empört, aber der Wanderer war schon weg.
Adrian versuchte alles: Schlamm, Moos, eine Mütze aus Birkenrinde. Nichts half. Sein Geweih leuchtete durch alles hindurch, freundlich, hartnäckig, ein bisschen stolz.
Irgendwann hörte Adrian auf, sich zu schämen. Er stellte sich an die dunkelste Stelle des Waldes und wartete. Nach und nach kamen die Tiere. Nicht, um ihn auszulachen – sondern um sich zu wärmen, Geschichten zu erzählen und endlich mal wieder etwas zu sehen.
Seitdem ist Adrian offiziell der Wald-Elch mit eingebauter Beleuchtung.
Er findet das okay.
Manchmal dimmt er sein Geweih.
Aber nur, wenn er schlafen will.
© Anne Seltmann
Anne Seltmann 19.12.2025, 07.48 | (3/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Der Weihnachtsmann, wie wir ihn heute kennen – freundlich, rundlich, mit weißem Bart und warmem Blick – ist das Ergebnis einer langen kulturellen Entwicklung. Eine Schlüsselfigur auf diesem Weg war der deutsch-amerikanische Zeichner >> Thomas Nast. <<
Im Jahr 1863, mitten im amerikanischen Bürgerkrieg, veröffentlichte Nast in der renommierten Illustrierten Harper`s Weekly eine Zeichnung, die Geschichte machen sollte. Sie zeigte eine fröhliche, bärtige Gestalt, die Soldaten besuchte und Geschenke verteilte. Diese Figur war klar als Santa Claus erkennbar – und doch anders als frühere Darstellungen.
Zwar existierte die Figur des heiligen Nikolaus beziehungsweise des niederländischen "Sinterklaas" schon lange, doch sie war keineswegs einheitlich dargestellt. Mal wirkte sie streng, mal schlank, mal eher wie ein kirchlicher Würdenträger. Nast gab dem Weihnachtsmann erstmals ein wiedererkennbares, menschlich-warmes Gesicht: einen rundlichen Körper, einen üppigen Bart und eine freundliche Ausstrahlung.
In den folgenden Jahren griff Nast das Motiv immer wieder auf. Er zeichnete den Weihnachtsmann beim Arbeiten, beim Lesen von Kinderbriefen und sogar mit Wohnsitz am Nordpol. Schritt für Schritt formte sich so das Bild, das sich tief ins kollektive Gedächtnis einprägte.
Thomas Nast hat den Weihnachtsmann nicht erfunden – aber er hat ihm ein Aussehen gegeben, das bis heute nachwirkt. Seine Illustrationen legten den Grundstein für all jene späteren Darstellungen, die den Weihnachtsmann zu einer der bekanntesten Figuren der modernen Festkultur machten.
So blickt uns der freundliche Herr mit Rauschebart auch heute noch an – und trägt ein Stück Zeichengeschichte aus dem 19. Jahrhundert mit sich.
© Anne Seltmann
Anne Seltmann 18.12.2025, 15.17 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Ein Rückblick:
Wir rannten barfuß über den Asphalt, bis die Straßenlaternen
angingen und drinnen stand der Milchreis in großen Schüsseln parat.
Tapiokapudding gab es nur selten, meist Grießbrei oder Reisbrei, warm, mit
Zucker bestreut.
Dosenobst nur an Sonntagen, sonst frisches Obst vom Markt.
Süßigkeiten waren kleine Schätze: Brausebonbons, Lakritz,
Pfefferminz, Schokoladentafeln.
Eine Tüte Zuckerperlen oder ein kleines Stück Schokolade fühlte sich an wie ein
Fest.
Bonbons wurden in der Schule getauscht, Murmeln eingesammelt, kleine Siege
gefeiert.
Fernsehen gab es kaum, schwarz-weiß, nur ein Kanal oder
zwei.
Sendungen, die wir liebten: "Sandmännchen", "Lassie" ab und zu auch "Daktari".
Wir lasen Bücher, Comics, hörten Geschichten vom Plattenspieler.
Draußen spielten wir alles, was Platz hatte: Gummitwist,
Springseil, Murmeln, "Klingelmännchen". Wir spielten oft "Himmel und Hölle",
wir bauten Hütten aus Kartons, fuhren auf alten Fahrrädern, rollten auf
einfachen Rollschuhen über die Straße.
Manchmal verloren wir Murmeln, manchmal einen Schuh, aber die Freiheit war
größer als alles, was wir verloren.
Die Eltern standen selten daneben.
Sie wussten, dass wir schon irgendwie klarkommen würden,
während sie in der Küche werkelten, Kartoffeln schälten, Butterbrote schmierten,
Kaffee kochten.
Wir aßen Grießbrei, tranken Kakao, lachten über jeden Fleck auf den Hosen,
und für eine kurze Zeit war die Welt groß genug, dass wir alles schaffen
konnten.
Wir lebten mit Regeln, die niemand schrieb,
aber jeder kannte sie: Vorsichtig über die Straße, auf den Plattenweg achten,
und ansonsten alles erlaubt.
Die Welt war draußen, die Welt war laut, die Welt war unsere!
© Anne Seltmann
Anne Seltmann 17.12.2025, 09.53 | (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL