Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Lyrik

Maritimer Mittwoch N° 244






still ruht der see.
ein moment,
der sich selbst genügt.

 

das licht hält den atem an,
legt sich flach
auf die haut des wassers.

 

ein gedanke treibt vorbei,
ohne wellen zu machen.
man könnte ihn festhalten,
aber man lässt ihn.

 

am ufer nichts,
was drängt.
nur zeit,
die sich selbst zuhört.

 

der see weiß nichts von uns.
und genau darin
liegt seine ruhe.


~*~

© Anne Seltmann









Anne Seltmann 21.01.2026, 05.44 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Grischa und der Mond


[Bild KI generiert / Text © Anne Seltmann] 


In einer stillen Sommernacht saß ein kleiner, süßer Igel auf einem warmen Stein mitten auf der Wiese. Um ihn herum leuchteten Glühwürmchen wie winzige Sterne, und die Blumen wiegten sich sanft im kühlen Abendwind.

Grischa, so hieß der kleine Igel, hob seine Knopfaugen zum Himmel. Dort stand der Mond, groß, rund und hell, als würde er nur für ihn scheinen. "Oh, wie wunderschön du bist!", seufzte Grischa leise. „Wenn ich doch nur zu dir hinaufklettern könnte…"

Er stellte sich vor, wie es wäre, auf dem Mond zu hüpfen, über Wolken zu springen und die Erde von oben zu betrachten. In seinen Gedanken tanzten Sterne um ihn herum, und kleine Sternschnuppen funkelten wie winzige Diamanten am Himmel.

Während Grischa so träumte, hörte er plötzlich ein leises Rascheln im Gras. Eine kleine Feldmaus lugte neugierig hervor. "Was machst du da, Grischa?", piepste sie.

"Ich bewundere den Mond", antwortete Grischa. "Er ist so groß und hell… und irgendwie fühlt es sich an, als würde er mir zuhören."

Die Maus lächelte. "Dann will ich auch ein bisschen den Mond ansehen!" Gemeinsam saßen sie still, lauschten der Nacht und beobachteten die Sterne. Die Luft war kühl, aber die Freundschaft wärmte ihre kleinen Herzen.

Bald entdeckten sie noch mehr Nachtbewohner: einen Frosch, der leise quakte, während er auf einem Seerosenblatt balancierte, und eine Eule, die hoch oben in den Bäumen saß und mit ihren großen Augen den Nachthimmel betrachtete. Alles schien in dieser Nacht besonders friedlich, besonders magisch zu sein.

Grischa erzählte seinen neuen Freunden von seinen Träumen. "Wenn ich einmal groß bin, möchte ich die Welt entdecken", sagte er. "Aber heute Nacht reicht es mir, einfach hier zu sitzen und den Mond zu bewundern."

Die Stunden vergingen, und langsam senkte sich der Mond tiefer über die Wiese. Grischa gähnte. Die Glühwürmchen summten leise um ihn herum, als wollten sie ihn in den Schlaf begleiten. Er kuschelte sich in sein Nest aus Gras und Blättern, die kleinen Freunde um ihn herum.

"Gute Nacht, lieber Mond", flüsterte Grischa noch einmal, "danke, dass du heute mit mir geleuchtet hast und mir die Nacht so schön gemacht hast."

Und während die Sterne langsam verblassten und die ersten Sonnenstrahlen die Wiese berührten, schlief Grischa ein. Er träumte von Sternen, vom Mond und von all den Abenteuern, die eines Tages noch auf ihn warten würden.

Denn selbst ein kleiner Igel wie Grischa wusste: Mit einem großen Herzen und einem offenen Blick auf die Welt ist kein Traum zu fern, kein Mond zu weit.


© Anne Seltmann





Anne Seltmann 16.01.2026, 09.35 | (2/2) Kommentare (RSS) | TB | PL

Die Geschichte von Mila, der winzigen Wolkenbiene


[Bild KI generiert / Text © Anne Seltmann]


Es war einmal eine sehr kleine Biene mit besonders flauschigen Flügeln. Sie hieß Mila und lebte in einem Garten, der so bunt war, dass selbst der Regen manchmal stehen blieb, um ihn zu bewundern.

Mila war kleiner als alle anderen Bienen. Wenn der Wind kam, musste sie sich an Gänseblümchen festhalten, damit er sie nicht wie ein Staubkorn davontrug. Doch was ihr an Größe fehlte, machte sie mit Neugier wieder wett. Sie wollte jede Blüte kennenlernen, jeden Duft probieren und jedes Geheimnis des Gartens entdecken.

Eines Morgens fand sie eine weiße Blume, so zart und leuchtend, dass sie aussah wie ein kleines Stück Himmel. "Hier bleibe ich", summte Mila glücklich. Die Blume wurde ihr Lieblingsplatz. Von dort aus beobachtete sie die Welt: die Ameisen bei ihrer Arbeit, die Schmetterlinge beim Tanzen und die Sonne, die langsam über die Blätter kletterte.

Die anderen Bienen lachten manchmal über sie. "Du bist viel zu klein, um wichtig zu sein", sagten sie. Aber Mila wusste es besser. Denn immer, wenn sie von Blüte zu Blüte flog, hinterließ sie ein wenig goldenen Staub – und half damit, dass neue Blumen wachsen konnten.

Eines Tages kam ein großer Sturm über den Garten. Viele Blumen knickten um, und selbst die starken Bienen fanden kaum Halt. Doch Mila flog unermüdlich von Pflanze zu Pflanze und half, wo sie konnte. Am Ende des Tages sagte die älteste Biene des Stocks: "Manchmal sind es die Kleinsten, die das größte Herz haben."

Seitdem wusste jeder im Garten: Diese winzige, flauschige Biene war etwas ganz Besonderes.

Und Mila?
Die summte zufrieden auf ihrer weißen Lieblingsblume und dachte:
"Groß sein kann jeder. Aber klein und mutig – das ist ein echtes Abenteuer!



© Anne Seltmann 





Anne Seltmann 16.01.2026, 09.11 | (2/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Marius Nature Thursday 2026 N° 02






Inventar der Bäume

Heute tragen die Bäume
ihr zweites Gewicht.

Nicht das der Jahre,
nicht das der Ringe,
sondern ein helles,
geliehenes Weiß.

Jeder Ast
ein vorsichtiges Regal,
auf dem der Winter
sein Geschirr abstellt.

Die Fichten stehen da
wie Tiere, die gelernt haben
ganz still zu atmen.

Birken –
mit Schultern aus Schnee,
als hätten sie sich
für etwas entschuldigt.

Der Garten wird langsam
zu einem Archiv
von Formen, die sonst
nur der Wind kennt.

Man könnte meinen,
die Stämme hörten zu,
wie die Flocken
leise ihren Namen sagen.

Unter der Last
beugen sie sich
in einer geduldigen Grammatik:
Satzzeichen aus Holz und Kälte.

Ich gehe hindurch
und trage das Knirschen
an den Schuhen davon,
als kleine Beweise.

Gegen Abend
wird alles schwerer,
auch das Licht.

Dann hängen die Bäume
voller Schnee
wie unausgesprochene Sätze –
schön
und ein wenig gefährdet.

~*~


© Anne Seltmann







Anne Seltmann 15.01.2026, 10.37 | (2/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Als ich den Mond trug



[Bild KI generiert / Text © Anne Seltmann]






ich legte meine hände
unter die nacht
als wäre sie ein tier,
scheu
und von fernem wasser

 

der mond hing dort
nicht wie ein zeichen
sondern wie ein atem,
unentschlossen
zwischen gehen und bleiben

 

ich sagte nichts
damit er nicht kleiner wird
ich zählte nur die stellen
an denen das licht
nicht mehr wusste, wohin

 

später
war er schwerer als gedacht
schwer wie erinnerungen,
die man zu lange
im stillen dreht

 

ich trug ihn
ein stück durch die straßen,
über die dächer,
bis er anfing
mich zu tragen

 

und irgendwo
zwischen schatten und schlaf
ließ ich ihn los -

 

und die nacht
hüllte mich ein

und blieb

 

~*~

© Anne Seltmann















Anne Seltmann 05.01.2026, 05.02 | (3/2) Kommentare (RSS) | TB | PL

Maritimer Mittwoch N° 242








das boot
liegt am strand
die planken müde
vom salz und wind

 

kein mensch
kein laut
nur das weiche
rauschen der see

 

ich gehe näher
die einsamkeit
legt sich wie ein tuch
über meine schultern

 

ein moment
der bleibt
zwischen land und wasser
zwischen gehen
und ankommen


~*~

© Anne Seltmann











Anne Seltmann 31.12.2025, 07.55 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Das kleine Licht im Fenster


[Bild KI generiert / Text © Anne Seltmann]




In einer stillen Straße, in der die Häuser im Winter eng nebeneinander standen, lebte ein Mädchen namens Agneta. Es war die Zeit, in der die Tage früh dunkel wurden - und manchmal fühlte sich Agneta so, als würde die Dunkelheit auch leise in die Herzen kriechen.

Eines Abends fiel der Strom aus. Kein Summen, kein Fernseher, kein warmes Lampenlicht. Nur Dunkelheit - dicht wie ein Mantel.

Agneta holte eine kleine Kerze aus der Schublade, stellte sie in ein Glas und zündete sie an. Ein winziger Flammenpunkt - aber plötzlich sah der Raum nicht mehr fremd aus. Die Schatten tanzten, als wollten sie sagen: "Wir sind nicht gefährlich. Wir gehören dazu."

Agneta stellte die Kerze ans Fenster.

Von draußen sah der Nachbarjunge Tim das Licht. Er fühlte sich allein und ein bisschen ängstlich, doch der warme Schein zog ihn an. Er klopfte. Leni öffnete, und gemeinsam setzten sie sich an den Tisch. Sie erzählten Geschichten. Sie lachten. Die Zeit verging.

Kurz darauf kam die ältere Frau aus dem Nachbarhaus vorbei, mit einem Teller Kekse. Sie hatte die Kinder gesehen—und plötzlich fühlte sie sich nicht mehr so einsam. Dann kam noch jemand. Und noch jemand.

Bald saßen sie zu fünft im Wohnzimmer, nur erleuchtet von einer einzigen Kerze. Keine Musik. Keine Lichterketten. Nur Stimmen. Wärme. Nähe.

Als der Strom später zurückkam, flackerte das Deckenlicht auf  - grell und plötzlich. Agneta drehte es wieder aus.

"Das hier reicht" sagte sie und schaute auf ihre kleine Flamme.

Am nächsten Abend stellte sie wieder eine Kerze ins Fenster. Und am übernächsten. Irgendwann brannten an vielen Fenstern in der Straße kleine Lichter - nicht, weil der Strom fehlte, sondern weil jemand angefangen hatte.

Und manchmal, wenn jemand einen schweren Tag hatte, blieb er kurz stehen, atmete ruhig - und ging ein kleines bisschen leichter weiter.

Agneta begriff etwas Wichtiges:

Licht sein bedeutet nicht, heller zu sein als andere.
Es bedeutet, da zu sein - still, freundlich, zuverlässig.
Manchmal reicht eine winzige Flamme, damit jemand den Weg findet.

Und so brannte ihr kleines Licht weiter—nicht, um die Dunkelheit zu vertreiben,
sondern um zu zeigen, dass niemand allein durch sie gehen muss.


© Anne Seltmann



Anne Seltmann 26.12.2025, 10.05 | (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Ein Weihnachtsgruß









Wenn die Tage leiser werden
und das Licht weicher fällt,
möge ein Moment der Ruhe
bei euch einkehren.

Ich wünsche euch Weihnachten
mit kleinen Wundern,
warmen Gedanken
und Augenblicken,
die bleiben dürfen.

Danke, dass ihr hier lest,
mitgeht, innehaltet.
Möge euch das kommende Jahr
sanft begegnen.


Frohe Weihnachten!






Anne Seltmann 24.12.2025, 01.00 | (6/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Glitzer im Winterwald: Die Weihnachtsmaus und ihr Helfer




[Bild KI generiert / Text © Anne Seltmann]

 

Im tiefen Winterwald lag Schnee wie Zucker über den Fichten. Die Weihnachtsmaus stapfte vorsichtig durch den weißen Teppich, auf der Suche nach dem perfekten Baum. Endlich fand sie ihn: hoch und gerade, mit Ästen, die noch ungeschmückt in den Himmel ragten.

"So kann Weihnachten doch nicht beginnen", piepste sie, während sie die ersten glitzernden Kugeln hervorholte.

Plötzlich raschelte es im Unterholz, und ein Elch mit rotem Schal trat aus den Bäumen. Seine Geweihe funkelten ein wenig vom Frost. "Ich sollte eigentlich beim Schlitten helfen", murmelte er, "aber ich glaube, ich kann hier gebraucht werden."

Gemeinsam schmückten sie den Baum:

Die Maus kletterte flink an den unteren Ästen, ordnete Lametta und kleine Beeren. Der Elch reichte vorsichtig die Kugeln an die höheren Zweige, dass sie nicht zerbrachen.

Die Schneeflocken wirbelten um sie herum, wie ein leiser Applaus der Natur.

Sie lachten, als der Elch sich im Lametta verhedderte, und sie schwiegen ehrfürchtig, als die ersten Waldlichter am Abend die Kugeln zum Glitzern brachten. Am Ende trat der Elch einen Schritt  zurück, die Maus richtete die letzten Äste.

Der Baum war nicht perfekt – aber warm, lebendig und voller Zauber.

"Weihnachten", flüsterte die Maus, "ist, wenn man zusammen schmückt, egal wie groß man ist." Der Elch nickte, und gemeinsam machten sie sich auf den Heimweg.

Am nächsten Morgen leuchtete der Baum zwischen den verschneiten Tannen, und der ganze Wald schien ein wenig fröhlicher zu atmen.


© Anne Seltmann






Anne Seltmann 23.12.2025, 15.19 | (4/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Weisheiten am Samstag N° 82













Anne Seltmann 20.12.2025, 06.01 | (0/0) Kommentare | TB | PL