Tag:


Für mich ist Gelb nicht das grelle, laute Signalgelb. Es ist das Gelb des Morgenlichts.
Es steht für meine innere Klarheit – für dieses ruhige Verstehen, das sich nicht in den Vordergrund drängt, sondern einfach da ist. Ich bin kein Mensch, der mit Energie um sich wirft. Ich setze mein Licht lieber dosiert ein. Fein. Bewusst.

Gelb bedeutet für mich geistige Beweglichkeit. Ich denke gern nach, stelle Fragen, bewege mich in Zwischenräumen. Meine Neugier ist keine flüchtige – sie ist ein echtes Bedürfnis zu begreifen, statt nur zu reagieren. In diesem Sinne ist Gelb für mich die Farbe des Denkens.
Gleichzeitig erinnert mich Gelb an Sichtbarkeit. Nicht an Bühne oder Rampenlicht – sondern an dieses stille "Ich bin da." Wie Morgendunst im Sonnenlicht: Man muss genau hinsehen, aber wenn man hinsieht, erkennt man Tiefe.

Manchmal brauche ich Gelb auch als Gegengewicht. Weil ich leise bin. Weil ich viel wahrnehme. Weil mich Dinge berühren, die andere vielleicht übergehen. Gelb erinnert mich daran, hell zu bleiben – nicht hart zu werden und mich nicht kleiner zu machen, nur weil andere lauter sind.
Anne Seltmann 02.03.2026, 08.39 | (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Willkommen zum 654. Montagsherz!
Am 21. Februar 2011 ist das Montagsherz online gegangen. Bis zum 17. März 2022 wurden Woche für Woche Herzen in allen Formen gesammelt – so viele kreative, liebevolle und besondere Entdeckungen.
Dann hat Anette mir dieses schöne Projekt anvertraut und mir auch den Button links unten übergeben. Ich habe mich sehr darüber gefreut – und bin ihr bis heute dankbar, dass ich diese Tradition weiterführen darf.
Heute zeige ich euch ein Herz, das ich bei uns am Strand entdeckt habe. Es lag einfach da, vom Wind und vielleicht auch von liebevollen Händen geformt. Der Mensch, der es gestaltet hat, wird wohl nie erfahren, wie sehr ich mich über diesen kleinen Fund gefreut habe. Für mich war es so ein typischer Herz-Moment – überraschend, still und einfach schön.
Und jetzt bin ich gespannt auf eure Beiträge. Ich freue mich von Herzen auf alles, was ihr entdeckt, festgehalten und mitgebracht habt.
Nächster Termin:
16. März 2026

Anne Seltmann 02.03.2026, 01.00 | (5/0) Kommentare (RSS) | TB | PL
Stell dir vor, dein Leben wäre ein Buch. Welchen Titel hätte es?
„Gedanken wie Morgendunst
Fein, klar – und voller Tiefe.
[Frisch aus meiner Feder]
Vorwort
Es gibt Stunden, die kaum jemand bemerkt. Augenblicke zwischen Nacht und Morgen,zwischen Atemzug und Gedanke,
in denen die Welt still wird – und wir mit ihr. Dieses Buch ist aus solchen Stunden geboren. Aus den leisen Momenten, in denen Gedanken wie Morgendunst über Felder ziehen:
sie verhüllen nicht, sie enthüllen. Sie laden ein, genauer hinzuschauen, tiefer zu spüren, langsamer zu sein. Ich schreibe nicht, um Antworten zu geben.Ich schreibe, um das Leise sichtbar zu machen. Das Unbemerkte wertzuschätzen. Die Wege zu begleiten, auf denen wir manchmal allein, manchmal mit uns selbst
gehen. Möge dieses Buch ein kleiner Begleiter sein –für Morgenstunden, für Zwischentage,
für Momente, in denen das Herz ruhen möchte und die Seele weit werden darf.
Kapitel Eins – Sonnenaufgang
Kapitel Eins – Sonnenaufgang
Noch bevor der Tag seinen Namen kennt, liegt ein feiner Schleier über der Welt.
Die Dinge stehen geduldig da – Bäume, Häuser, Wege – als warteten sie darauf,
wieder erkannt zu werden. Ich mag diese Stunde, in der nichts laut ist, in der
selbst Erinnerungen leiser sprechen. Der Morgen tastet sich heran, nicht
fordernd, eher fragend. Und ich sitze da mit meinen Gedanken, die kommen wie
Dunst über Felder – nicht, um alles zu verdecken, sondern um Tiefe zu schenken.
Die Sonne hebt langsam die Konturen meines Lebens hervor. Nicht alles auf
einmal. Nur so viel, wie ich heute tragen kann. Und vielleicht beginnt genau
hier mein Tag. Mein Weg. Mein leises, klares Sein.
Kapitel Zwei – Zwischenräume
Der Tag ist inzwischen wach, doch ich bleibe einen Moment im Dazwischen.
Zwischen gestern und morgen. Zwischen dem, was ich war, und dem, was ich werde.
Es sind nicht die großen Entscheidungen, die mein Leben formen. Es sind die
leisen Gewohnheiten: wie ich zuhöre, wie ich zweifle, wie ich hoffe, auch wenn
niemand es sieht. Manche Wege in mir haben keine Schilder. Ich gehe sie
trotzdem. Manche Fragen bleiben unbeantwortet – und werden gerade dadurch zu
Begleitern. Ich lerne, dass Klarheit nicht laut sein muss, dass Tiefe nicht
dunkel ist, dass Stärke manchmal nur bedeutet, weich zu bleiben. Und während
der Tag weiterzieht, trage ich meinen Morgendunst in mir – nicht als Schleier,
sondern als feine Schicht aus Achtsamkeit.
Kapitel Drei – Licht
Am Abend ist das Licht anders. Es fällt schräger, ehrlicher vielleicht. Es
zeigt nicht nur Konturen, sondern auch Spuren. Und ich sehe: Alles, was ich
durchquert habe – Freude, Zweifel, Abschied, Aufbruch – hat mich nicht
verhärtet. Es hat mich durchlässig gemacht. Wie Morgennebel, der sich hebt,
nicht weil er verschwindet, sondern weil er Teil des Lichts wird. Ich verstehe
langsam: Mein Leben muss kein Sturm sein, um Bedeutung zu haben. Es reicht,
wenn ich wach bleibe für die feinen Veränderungen. Wenn ich mich traue, still
zu sein in einer lauten Welt. Und als die Sonne untergeht, weiß ich: Morgen
wird wieder Dunst über den Feldern liegen. Und wieder wird Licht kommen. Und
ich werde da sein. Leise. Klar. Voller Tiefe.
Epilog
Und nun, am Ende dieser Zeilen, stehe ich wieder am Anfang. Denn Leben ist kein
Ziel, sondern ein Heben und Senken von Licht und Dunst. Wir nehmen den Morgen
auf, tragen ihn durch den Tag, lassen ihn über uns ziehen, bis er wieder
verschwimmt. Es reicht, wach zu bleiben, die feinen Veränderungen zu sehen, das
Leise zu hören. Es reicht, sich zu erlauben, still zu sein, ohne dass etwas
fehlen muss. Vielleicht bleibt nur dieser Gedanke: Leise sein heißt nicht
unbedeutend sein. Klar bleiben heißt nicht alles wissen. Tief sein heißt nicht
schwer sein. Und während die Sonne untergeht, ist der Dunst des Morgens nicht
vergessen. Er liegt in uns, als Erinnerung daran, dass jedes Licht, so klein es
sein mag, die Welt verändern kann – wenn wir es zulassen. Leise. Klar. Voller
Tiefe.
© Anne Seltmann
Anne Seltmann 01.03.2026, 09.38 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL
1. Gelesen: * "491 Tage: In den Tunneln der Hamas/Das erste Memoire einer befreiten israelischen Geisel"
Stell dir vor, du wirst plötzlich aus deinem Zuhause gerissen, getrennt von allem, was dir lieb ist – Familie, Routinen, Zukunft. Genau das passiert dem Autor am 7. Oktober 2023: Vor den Augen seiner Frau und Töchter wird er verschleppt und in ein labyrinthartiges Tunnelsystem geführt – Orte, die nicht nur körperlich, sondern auch seelisch dunkel sind. Das Buch ist kein politisches Statement, sondern ein eindringlicher Blick auf menschliche Erfahrung. Es erzählt von 491 Tagen Gefangenschaft: körperliche Schmerzen, Enge, Hunger, Angst – aber auch von den inneren Wegen, nicht zu zerbrechen. Der Autor schildert dies mit Klarheit, nicht mit Wut, und zeigt, wie Hoffnung zur täglichen Entscheidung wird und selbst kleinste Gesten von Menschlichkeit überlebenswichtig sein können.
Besonders ist die Menschlichkeit des Buches: Es geht um Überlebenswillen, Erinnerungen, die bleiben, und Sehnsucht nach einem Leben, das trotz allem weitergeht. Nüchtern und eindringlich hinterlässt es eine stille, tiefe Wirkung – ein Buch, das lange nachhallt.
2. Gehört/Gesehen | Gehört: Podcast * "Ronzheimer" Trumps Großangriff auf Iran: Ist Chamenei tot?
Gesehen: * "Das Schloss aus Glas" Romanverfilmung.
Die Verfilmung des New York Times- und Spiegel-Bestsellers von Jeannette Walls. Für Jeannette ist die Welt ein Abenteuer voller Wunder und Gefahren zugleich. Ihr Vater Rex holt ihr die Sterne vom Himmel, vertreibt die Schatten aus ihren Träumen und schenkt ihr Momente voller Magie. Hunger, ständige Umzüge, eine widerspenstige Mutter – all das scheint nebensächlich, solange die Familie zusammenhält. Doch hinter der Leichtigkeit lauert die harte Realität: Die Armut frisst sich in ihr Leben, die Versprechen des Vaters zerbrechen wie Glas, und die Welt, die sie sich aus Geschichten gebaut hat, wird auf die Probe gestellt.
4. Genuss: An diesem Wochenende gab es für zwei Tage Königsberger Klopse mit Kartoffeln und roter Beete. Wie lieben es!!!
5. Drinnen/Draußen: Nur zum Einkaufen und ein Arztbesuch hat mich nach draussen gebracht.Anne Seltmann 01.03.2026, 08.30 | (0/0) Kommentare | TB | PL


sie stehen
als hätten sie nichts vor
zwischen bäumen
zwischen tagen
zwischen zwei gedanken
holz erinnert sich
an hände
an gewicht
an das, was sich kurz ablegt
eine bank weiß
wie lange
ein abschied dauert
wie still
ein nebeneinander sein kann
moos wächst
wo niemand mehr wartet
und doch
bleibt sie
offen
für den nächsten
der seine last
in die luft neben sich legt
~*~

Anne Seltmann 01.03.2026, 06.46 | (0/0) Kommentare | TB | PL
Was ist die mutigste Entscheidung, die du bisher
getroffen hast,
oder die mutigste Sache, die du je getan hast?
Mit geschlossenen Augen nach Bremen
Mein damaliger Lebensgefährte (22jährig) drückte mir (19 jährig) eines Abends eine Landkarte in die Hand. Dann verband er sich die Augen und sagte, er werde seinen Finger über die Karte kreisen lassen – und wenn ich „Stopp sage, ziehen wir genau dorthin.
Das war kein Witz.
Er meinte es todernst.
Sein Finger landete auf Bremen.
Er nahm die Augenbinde ab, sah mich an – und wir packten tatsächlich unsere
sieben Sachen.
Unser erstes Ziel: ein Campingplatz in Bremen. Von dort wollten wir uns in Ruhe umschauen, ankommen, prüfen, ob diese Stadt unsere neue Heimat werden könnte. Doch nach drei Wochen wussten wir: Bremen war es nicht.
Also wieder alles zusammenpacken.
Neuer Fingerzeig, neues Ziel: Kiel.
Wieder ein Campingplatz als Zwischenstation. Von dort aus suchten wir Wohnung und Arbeit – und erstaunlicherweise ging das alles ziemlich schnell. Schnell ging später allerdings auch der Abschied von ihm. Sein unstetes, ständig suchendes Leben passte nicht zu mir. Ich merkte, dass ich Wurzeln schlagen wollte – nicht immer weiterziehen.
Er lebt heute in Berlin.
Ich bin in Kiel geblieben.
Und ich habe es nie bereut, damals so wagemutig gewesen zu sein. Es war eine verrückte, spontane, vielleicht auch leichtsinnige Entscheidung – aber sie hat mich genau dorthin geführt, wo ich heute hingehöre.
Heute würde ich so etwas vermutlich nicht mehr tun.
Doch genau das ist wohl Reifung:
zu erkennen, dass Mut viele Gesichter hat – und dass man nicht immer die Augen
verbinden muss, um seinen Weg zu finden.
Anne Seltmann 27.02.2026, 11.11 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Chrysanthemen. Schon das Wort trägt etwas Feierliches in sich. Ein Rascheln von Seidenpapier. Ein Herbstlicht.
Der Name kommt aus dem Griechischen: „chrysós
bedeutet Gold, „ánthos heißt Blüte. Goldblume also.
Nicht zufällig – die ersten wild wachsenden Formen, die man in China
kannte, blühten leuchtend gelb. Wie kleine Sonnen, die beschlossen hatten,
näher an der Erde zu bleiben. Von dort aus wanderten sie – über Jahrhunderte
kultiviert und verehrt – nach Japan, wo sie bis heute kaiserliches
Symbol sind. Und später nach Europa, wo sie still in unsere Herbstgärten
einzogen.
Gold im Namen.
Licht im Klang.
Und vielleicht auch ein Versprechen:
Dass selbst im November noch etwas blühen darf.
Anne Seltmann 27.02.2026, 06.31 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL


der wald
ist kein ort
er geschieht
zwischen rinde und atmung
ein licht
das nicht fällt
sondern tastet
unter den füßen
das weiche gedächtnis
aus nadeln
aus jahren
ein knacken
(oder war es nur
mein denken?)
moos legt
seine kühle hand
auf den stein
und alles
was ich sagen wollte
zieht sich zurück
in wurzeln
der wald spricht nicht
er sammelt
atem
harz
schatten
und gibt mich
langsamer
zurück
als ich kam.
~*~
© Anne Seltmann

Anne Seltmann 26.02.2026, 06.20 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Kater Stubbs war alles andere als ein gewöhnlicher
Stubentiger.
Fast zwei Jahrzehnte lang galt er als inoffizieller Bürgermeister des kleinen
Ortes Talkeetna in Alaska.
Ende der 1990er-Jahre hatten einige Einwohner genug von den menschlichen Kandidaten – also setzten sie kurzerhand ihr Vertrauen in einen einjährigen Kater. Was als augenzwinkernde Aktion begann, wurde zur echten Erfolgsgeschichte.
Politische Entscheidungen traf Stubbs natürlich keine, doch seine Wirkung war enorm: Er wurde zum Wahrzeichen des Ortes und lockte Besucher aus aller Welt an. Zu seinen täglichen „Amtsterminen gehörte der Abstecher in ein örtliches Restaurant, wo man ihm stilvoll Katzenminzwasser im Weinglas servierte.
Mehrfach entging er nur knapp dem Tod – unter anderem nach einem Hundeangriff, einer Schussverletzung und einem Sturz in eine (zum Glück ausgeschaltete) Fritteuse. Trotzdem blieb er über viele Jahre das pelzige Herz von Talkeetna.
2017 verabschiedete sich Stubbs im stolzen Alter von rund 20
Katzenjahren.
Ein Bürgermeister auf vier Pfoten – und eine Legende, die bis heute in
Erinnerung geblieben ist.
Nachdem ich die Geschichte recherchierte, stellte ich fest, dass Stubbs fast so aussieht, wie der Kater auf meinem Foto. Das Foto entstand in Llorett de Mar [Spanien]
Die Geschichte ist real!
25.02.2026, 08.33 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL


Anne Seltmann 24.02.2026, 10.40 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL