Blogeinträge (themensortiert)

Thema: PerlenhafteProjekte

Miesepiet Teil V.



[Bild KI generiert / Text © Anne Seltmann] 




Miesepiet war gerade dabei, sich über den viel zu sonnigen Vormittag zu ärgern, als er sie sah.
Neben einer "riesigen Kirsche", die völlig unangemessen fröhlich rot glänzte, stand ein Erdmännchen-Weibchen. Auf dem Kopf trug sie einen "Strohhut mit Blumen", als hätte sie ihn nur angezogen, um sich noch entschlossener gegen gute Laune zu wehren.

Sie stiefelte im Kreis um die Kirsche herum und murmelte vor sich hin.
„Zu groß, knurrte sie. „Viel zu groß. Wer braucht denn bitte so eine Kirsche.

Miesepiet blieb stehen.
Endlich jemand mit Verstand.

„Genau, sagte er. „Völlig übertrieben. Und bestimmt sauer.

Das Weibchen blieb abrupt stehen und musterte ihn. Ihre Augen waren genauso mürrisch wie seine, nur ein kleines bisschen neugieriger.

„Du bist also auch keiner von denen, die alles gleich toll finden?, fragte sie.

„Im Gegenteil, sagte Miesepiet. „Ich finde fast alles unnötig.

Sie nickte zufrieden.
„Ich heiße übrigens Frieda, sagte sie. „Und ich bin grundsätzlich missmutig.

Das gefiel Miesepiet außerordentlich.

Gemeinsam setzten sie sich in den Schatten der Kirsche. Nicht, um sie zu bewundern – sondern um sich darüber zu beschweren, wie unpraktisch sie war. Zu rund. Zu prall. Zu optimistisch.

Doch während sie schimpften, passierte etwas Seltsames.
Das Schimpfen wurde ruhiger.
Die Pausen länger.
Und irgendwann lachten sie. Ganz kurz nur. Fast aus Versehen.

„Merkwürdig, murmelte Frieda. „Zu zweit ist das Missmutigsein irgendwie… weniger anstrengend.

Miesepiet dachte nach.
Das gefiel ihm gar nicht.
Und irgendwie doch.

Sie beschlossen, noch ein Stück gemeinsam weiterzustiefeln.
Nicht, weil sie plötzlich gut gelaunt waren.
Sondern weil es einfacher war, gemeinsam schlecht gelaunt zu sein.

Und die riesige Kirsche?
Die blieb zurück – ein bisschen beleidigt, aber das war sie ja inzwischen gewohnt. 


© Anne Seltmann


Anne Seltmann 31.01.2026, 09.50 | (2/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Weisheiten am Samstag N° 88








Juttas...


Anne Seltmann 31.01.2026, 07.50 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Marius Nature Thursday 2026 N° 04





Es schneit in meinen Gedanken

 

es schneit
nicht laut
eher zögernd

 

gedanken
werden langsamer
unter der last
von weiß

 

nichts will jetzt
dringend sein

 

worte
landen
und bleiben liegen

 

alles
was eben noch scharf war
verliert die kanten

 

zeit
setzt sich
zwischen zwei atemzüge

 

und ich
bin da
ohne erklärung

 

nur
dort
wo nichts drängt

 

nur
gehalten
von ruhe

~*~


© Anne Seltmann











Anne Seltmann 29.01.2026, 05.34 | (2/2) Kommentare (RSS) | TB | PL

Maritimer Mittwoch N° 245


[Bild KI generiert / Text © Anne Seltmann]


Thula und das Meer

 

Thula war ein kleines Wal-Mädchen mit einer Stimme, die noch nicht wusste, wie groß sie einmal werden würde. Wenn sie sang, klang es mehr wie ein Atemzug als wie ein Lied. Trotzdem liebte das Meer ihre Töne.

Thula lebte dort, wo das Wasser tiefblau wird und die Strömungen langsam erzählen. Ihre Mutter sagte immer:
„Das Meer hört zu, auch wenn es still ist.

Thula glaubte das. Sie sang dem Licht, das von oben fiel. Sie sang den schlafenden Quallen gute Träume. Und manchmal, wenn niemand hinsah, sang sie einfach nur für sich.

Doch Thula hatte eine Sorge. Die anderen jungen Wale übten große Lieder – lange, kräftige Gesänge, die weit durch den Ozean trugen. Thulas Stimme dagegen blieb klein. Zart. Fast schüchtern.

Eines Tages schwamm Thula allein hinaus, dorthin, wo die Stille größer war als die Strömung. Sie legte sich zwischen zwei alte Felsen und hörte zu. Dem Knacken des Eises in der Ferne. Dem sanften Ziehen der Gezeiten. Dem leisen Puls des Wassers.

Und dann sang sie.

Nicht laut. Nicht lang.
Nur ehrlich.

Das Meer hielt den Atem an.

Die Strömungen wurden langsamer, als wollten sie nichts verpassen. Ein Schwarm kleiner Fische blieb stehen, wie hingemalt. Sogar das Licht schien einen Moment zu verweilen.

Thulas Lied erzählte nichts von Größe oder Stärke. Es erzählte davon, wie es ist, klein zu sein und trotzdem da. Wie es sich anfühlt, seinen Platz zu suchen, ohne zu wissen, wie er aussieht.

Als Thula zurückkehrte, warteten die anderen Wale bereits. Sie hatten nichts gehört – und doch etwas gespürt. Ruhe. Wärme. Ein Gefühl von Angekommensein.

Von diesem Tag an wusste Thula:
Man muss nicht laut sein, um gehört zu werden.
Man muss nicht groß sein, um Spuren zu hinterlassen.

Und irgendwo tief im Ozean, zwischen Strömung und Stille, trägt das Meer bis heute ein kleines Lied.
Es heißt Thula.

 



Angelas...



Anne Seltmann 28.01.2026, 06.01 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Projekt: Ich seh rot 252/2026










Alles Theater

 

staub im licht

der probe

 

bretter

die schon mehr wissen

als wir

 

stimmen

wärmen sich

an fremden sätzen

 

ein schritt zu viel

und es wird rolle

 

kostüme hängen

geduldig

voller möglichkeiten

 

hinter dem vorhang

atmen wir anders

 

lampen

machen aus nervosität

präsenz

 

applaus

ist ein geräusch

für später

 

jetzt

stehen wir da

im spiel

 

und hoffen

dass etwas von uns

durchkommt

~*~

© Anne Seltmann













Anne Seltmann 27.01.2026, 14.09 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

MosaicMonday 2026 N° 02




[Alle Bilder sind aus meinen Fotoarchiven, jedoch von mir mit Photoshop bearbeitet worden]



Faszination Windmühlen

Windmühlen faszinieren seit Jahrhunderten als Symbole für menschlichen Einfallsreichtum und die Nutzung natürlicher Kräfte. Sie verbinden Technik, Landschaft und Geschichte auf einzigartige Weise und prägen bis heute unser Bild von nachhaltiger Energie und traditionellem Handwerk.

Die ersten Windmühlen entstanden bereits vor über 1.000 Jahren, vermutlich im 7. Jahrhundert im Gebiet des heutigen Persiens. Dort nutzte man sie zunächst zum Mahlen von Getreide und zum Bewässern. Von dort aus verbreitete sich die Technik über den arabischen Raum nach Europa, wo Windmühlen ab dem 12. Jahrhundert weiterentwickelt und perfektioniert wurden.

Einen einzelnen Erfinder gibt es nicht- die Windmühle ist das Ergebnis kollektiver Innovation über viele Generationen hinweg. Bis heute stehen sie für Fortschritt, Anpassung und die Kraft des Windes.









Anne Seltmann 26.01.2026, 09.32 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Weisheiten am Samstag N° 87




[Bild KI generiert]




Anne Seltmann 24.01.2026, 08.09 | (2/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Marius Nature Thursday 2026 N° 03






 

In Eis und Schnee

in eis und schnee
ruht alles,
was einmal bewegung war.

 

kälte hält fest,
was sonst vergeht.
zeit steht still
zwischen weiß
und schweigen.

 

nichts drängt,
nichts verlangt.
nur das dasein
im frost.

 

in eis und schnee
wird das leise
sichtbar.

~*~

© Anne Seltmann



 

Marius...



Anne Seltmann 22.01.2026, 05.38 | (4/2) Kommentare (RSS) | TB | PL

Hand aufs Herz





Was ist dein Allheilmittel, wenn du einen schlechten Tag hast?



Wenn ich einen schlechten Tag habe, ist Musik mein Allheilmittel. Sie begleitet mich durch alles, was schwer, laut oder unausgesprochen ist. Mit ihr kann ich abschalten, loslassen oder auch einfach nur fühlen, was gerade da ist. Manche Lieder trösten, andere geben mir neue Energie, wieder andere helfen mir, meine Gedanken zu sortieren. Musik nimmt nichts weg – aber sie macht vieles leichter.

Oft bevorzuge ich dabei stille, klassische Musik, besonders Klavier- oder Cellostücke. Sie wirken beruhigend und geben mir Raum zum Atmen. Manchmal darf es auch ein Orchester sein – aber immer in ruhigen, sanften Kompositionen. Diese leisen Klänge helfen mir, zur Ruhe zu kommen, mich zu sammeln und den Tag wieder ein kleines Stück ins Gleichgewicht zu bringen.





Anne Seltmann 21.01.2026, 16.20 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Maritimer Mittwoch N° 244






still ruht der see.
ein moment,
der sich selbst genügt.

 

das licht hält den atem an,
legt sich flach
auf die haut des wassers.

 

ein gedanke treibt vorbei,
ohne wellen zu machen.
man könnte ihn festhalten,
aber man lässt ihn.

 

am ufer nichts,
was drängt.
nur zeit,
die sich selbst zuhört.

 

der see weiß nichts von uns.
und genau darin
liegt seine ruhe.


~*~

© Anne Seltmann









Anne Seltmann 21.01.2026, 05.44 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL