Tag: Wal


der wald
ist kein ort
er geschieht
zwischen rinde und atmung
ein licht
das nicht fällt
sondern tastet
unter den füßen
das weiche gedächtnis
aus nadeln
aus jahren
ein knacken
(oder war es nur
mein denken?)
moos legt
seine kühle hand
auf den stein
und alles
was ich sagen wollte
zieht sich zurück
in wurzeln
der wald spricht nicht
er sammelt
atem
harz
schatten
und gibt mich
langsamer
zurück
als ich kam.
~*~
© Anne Seltmann

Anne Seltmann 26.02.2026, 06.20 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL


16.02.2026, 00.00 | (8/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Thula und das Meer
Thula war ein kleines Wal-Mädchen mit einer Stimme, die noch nicht wusste, wie groß sie einmal werden würde. Wenn sie sang, klang es mehr wie ein Atemzug als wie ein Lied. Trotzdem liebte das Meer ihre Töne.
Thula lebte dort, wo das Wasser tiefblau wird und die
Strömungen langsam erzählen. Ihre Mutter sagte immer:
„Das Meer hört zu, auch wenn es still ist.
Thula glaubte das. Sie sang dem Licht, das von oben fiel. Sie sang den schlafenden Quallen gute Träume. Und manchmal, wenn niemand hinsah, sang sie einfach nur für sich.
Doch Thula hatte eine Sorge. Die anderen jungen Wale übten große Lieder – lange, kräftige Gesänge, die weit durch den Ozean trugen. Thulas Stimme dagegen blieb klein. Zart. Fast schüchtern.
Eines Tages schwamm Thula allein hinaus, dorthin, wo die Stille größer war als die Strömung. Sie legte sich zwischen zwei alte Felsen und hörte zu. Dem Knacken des Eises in der Ferne. Dem sanften Ziehen der Gezeiten. Dem leisen Puls des Wassers.
Und dann sang sie.
Nicht laut. Nicht lang.
Nur ehrlich.
Das Meer hielt den Atem an.
Die Strömungen wurden langsamer, als wollten sie nichts verpassen. Ein Schwarm kleiner Fische blieb stehen, wie hingemalt. Sogar das Licht schien einen Moment zu verweilen.
Thulas Lied erzählte nichts von Größe oder Stärke. Es erzählte davon, wie es ist, klein zu sein und trotzdem da. Wie es sich anfühlt, seinen Platz zu suchen, ohne zu wissen, wie er aussieht.
Als Thula zurückkehrte, warteten die anderen Wale bereits. Sie hatten nichts gehört – und doch etwas gespürt. Ruhe. Wärme. Ein Gefühl von Angekommensein.
Von diesem Tag an wusste Thula:
Man muss nicht laut sein, um gehört zu werden.
Man muss nicht groß sein, um Spuren zu hinterlassen.
Und irgendwo tief im Ozean, zwischen Strömung und Stille,
trägt das Meer bis heute ein kleines Lied.
Es heißt Thula.
Anne Seltmann 28.01.2026, 06.01 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Herzlich willkommen zum 650. Montagsherz
Was für eine Zahl – und was für ein Weg. Seit so vielen Montagen sammeln sich hier Herzen in allen Farben, Formen und Stimmungen: leise, laute, verspielte, nachdenkliche. Jedes einzelne erzählt eine kleine Geschichte und trägt ein Stück Persönlichkeit in sich.
Auch heute öffnet sich dieser Raum wieder für eure Bilder, Gedanken und Assoziationen rund ums Herz. Zeigt, was euch berührt, überrascht oder begleitet hat – fotografisch, kreativ oder ganz frei interpretiert.
Ich freue mich sehr auf eine rege Beteiligung, auf neue Blickwinkel und auf das vertraute Wiedersehen mit euren Montagsherzen. Lasst uns diesen besonderen Montag alle 14 Tage gemeinsam füllen!
Schön, dass ihr da seid!

Bitte verlinkt, wie immer euer Bilder bei mirim Kommentarfeld.
Danke!
Anne Seltmann 05.01.2026, 00.00 | (8/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Nun nähern wir uns fast dem Jahresende, und dieser Beitrag ist sozusagen der letzte zum Montagsherz in diesem Jahr. Aber keine Sorge: Im neuen Jahr geht es weiter – natürlich nur, wenn ihr mögt. Ich für meinen Teil mache sehr gern weiter.
Zu meiner und eurer Erinnerung möchte ich an dieser Stelle noch einmal erwähnen, dass die Idee zum Montagsherz ursprünglich von Frau Waldspecht stammt (damals mit dem Blog "Frau Waldspecht sagt …"). Mit viel Herzblut rief sie das Projekt am 21. Februar 2011 ins Leben.
Bis zum 17. März 2022 wurden Woche für Woche Herzen aller Art gesammelt. Danach hat Anette mir das Projekt übergeben und mir auch den Button links unten anvertraut – dafür bin ich ihr sehr dankbar.
Treu an meiner Seite sind von Anfang an dabei Eva (Twinsie) und Anett (Diamantins Hobbywelt). Dafür möchte ich mich von Herzen bedanken – ebenso natürlich bei allen anderen Teilnehmerinnen, die auf ihren Wegen Herzen entdecken, festhalten und mit uns teilen.
Wir sehen uns dann im neuen Jahr wieder, am 5. Januar 2026.

Allerdings werde ich vermutlich nicht zum Kommentieren kommen, da wir zu dieser
Zeit möglicherweise noch in Krefeld bei unseren Enkelbuben sind. Das hängt alles davon ab, ob ich meine hartnäckige Erkältung bis dahin gut in den
Griff bekomme.
22.12.2025, 05.32 | (5/0) Kommentare (RSS) | TB | PL


08.12.2025, 00.00 | (8/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Es gibt Katzen, die scheinen einem Märchen entsprungen zu sein – und die Norwegische Waldkatze ist genau so eine. In ihrem dichten Fell rauscht der Wind des Nordens, in ihren Augen spiegelt sich das tiefe Grün der skandinavischen Wälder. Sie ist eine Katze von unvergleichlicher Anmut, kraftvoll und doch voller stiller Sanftheit, als trüge sie das Geheimnis einer alten, wilden Welt in sich.
Uralte Legenden erzählen von Katzen, die die Götter der nordischen Mythen begleiteten – und wer einer Norwegischen Waldkatze begegnet, versteht sofort, warum. Ihr langes, wasserabweisendes Fell, ihr buschiger Schweif und der stolze, wachsame Blick erinnern an die Freiheit und Ursprünglichkeit der Natur.
Doch hinter dieser majestätischen Erscheinung verbirgt sich ein liebevolles Herz. Die Norwegische Waldkatze ist eine treue Seele, die Nähe sucht, ohne sich aufzudrängen. Sie beobachtet, sie hört zu, sie versteht – auf diese stille, katzentypische Weise, die so viel sagt, ohne ein Wort zu verlieren.
Sie liebt es, hoch hinauszuklettern, das Leben von oben zu betrachten und sich dann in eine Ecke zu kuscheln, wo sie die Geborgenheit des Zuhauses genießt. Eine perfekte Balance aus Wildheit und Zärtlichkeit – genau das macht sie so besonders.
Die Norwegische Waldkatze ist keine gewöhnliche Katze. Sie ist ein Stück nordisches Märchen, ein Hauch von Schnee und Tannen, der in unsere modernen Wohnzimmer zieht und uns daran erinnert, wie schön es ist, wenn Natur und Seele im Einklang sind.
26.11.2025, 05.39 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Je nachdem, wo
man etwas bestellt, landet manchmal eine kleine Aufmerksamkeit im Paket. Bei
mir war es diesmal ein Bonbon.
Da ich gerne der Herkunft von Wörtern nachspüre und wissen möchte, wo sie ihren
Ursprung haben, habe ich natürlich gleich nachgeschlagen, woher das Wort Bonbon
eigentlich kommt. (ich weiß das eigentlich auch)
Es kommt aus dem Französischen und bedeutet wörtlich "gut-gut".
Das doppelte bon stammt vom französischen bon = "gut", und der Doppelklang sollte etwas besonders Leckeres und Liebenswertes ausdrücken – fast wie ein kindliches "mmm, lecker-lecker!".
Ursprünglich wurde es im 17. Jahrhundert in Frankreich verwendet, wahrscheinlich zuerst im höfischen Umfeld, wo Süßigkeiten und kleine Zuckerwaren als besondere Kostbarkeiten galten. Von dort aus verbreitete sich der Begriff in viele europäische Sprachen.
Kurz gesagt:
Bonbon heißt nichts anderes als "gut".
Weil es eben doppelt so gut schmecken soll.
Anne Seltmann 24.11.2025, 00.00 | (6/0) Kommentare (RSS) | TB | PL


Anne Seltmann 10.11.2025, 00.00 | (8/0) Kommentare (RSS) | TB | PL