Tag: Stern

Zoe war ein kleiner Bär.
Nicht besonders groß, nicht besonders mutig und schon gar nicht besonders laut. Wenn andere Bären brummten, dass der Wald ihnen gehörte, sagte Zoe meistens gar nichts. Sie setzte sich lieber auf ihren kleinen Hügel, zog die Beine an den Körper und schaute hinauf zum Himmel.
Denn Zoe liebte die Sterne.
Jede Nacht kamen sie heraus, einer nach dem anderen. Manche waren hell und groß, andere so winzig, dass man sie beinahe übersehen konnte. Zoe aber übersah keinen einzigen.
Sie kannte ihre Lieblingssterne sogar beim Namen.
Da war der kleine Flimmerstern über dem alten Birkenwald. Der wandernde Stern, der jeden Abend ein Stück weiter nach rechts zu rücken schien. Und ganz oben, beinahe am Rand des Himmels, leuchtete ein besonders heller Stern.
Den nannte Zoe Hoffnung.
Warum, wusste sie selbst nicht genau.
Vielleicht, weil er immer da war.
Auch in den Nächten, in denen Wolken den Himmel verschluckten. Auch wenn der Wind heulte und Zoe sich unter ihrem alten roten Tuch verstecken musste. Und sogar dann, wenn sie selbst nicht wusste, wohin ihr Weg eigentlich führen sollte.
Eines Abends geschah etwas Merkwürdiges.
Zoe saß wie immer auf ihrem Hügel und betrachtete die Sterne, als plötzlich ein winziges Licht vom Himmel fiel.
Es fiel nicht schnell.
Es schwebte.
Erst sah es aus wie ein Staubkorn, dann wie eine Glühwürmchenlaterne und schließlich wie ein kleiner goldener Funke.
Plopp.
Der Funke landete direkt neben Zoes Pfote.
Zoe starrte ihn an.
Der Funke starrte zurück.
„Bist du ein Stern?, fragte Zoe vorsichtig.
„Noch nicht, antwortete der Funke.
Zoe erschrak so sehr, dass sie beinahe rückwärts den Hügel hinuntergerollt wäre.
„Du kannst sprechen!
„Du doch auch, sagte der Funke.
Das fand Zoe einleuchtend.
Eine Weile saßen die beiden einfach nebeneinander.
Dann erzählte der kleine Funke, dass er sich verirrt hatte. Er sollte eigentlich wieder zurück an den Himmel, aber er wusste nicht mehr, welcher Weg nach oben führte.
Zoe blickte hinauf.
Der Himmel war riesig.
Und plötzlich fühlte sich ihr eigener kleiner Körper noch kleiner an.
„Ich weiß auch nicht, wie man zum Himmel kommt, sagte sie.
„Aber du schaust jeden Abend hinauf.
„Ja.
„Dann weißt du mehr als ich.
Zoe musste lächeln.
Sie nahm den kleinen Funken vorsichtig in ihre Pfote und begann loszugehen.
Sie liefen durch das hohe Gras, vorbei an den schlafenden Bäumen und über einen kleinen Bach. Zoe wusste nicht, wohin sie gingen. Aber sie wusste, dass sie nicht aufgeben wollte.
Als sie den höchsten Punkt des Hügels erreichten, blieb Zoe stehen.
„Und jetzt?
Der Funke begann plötzlich heller zu leuchten.
Über ihnen öffnete sich eine kleine Lücke zwischen den Wolken.
Ein einzelner Stern strahlte hindurch.
Hoffnung.
„Da, sagte Zoe.
Der Funke hob sich aus ihrer Pfote.
„Danke.
„Kommst du wieder?, fragte Zoe.
„Immer wenn du nach oben schaust.
Und dann flog er hinauf.
Immer höher.
Bis er schließlich zwischen den Sternen verschwand.
Zoe blieb noch lange sitzen.
Sie sah zum Himmel und entdeckte dort einen neuen, winzig kleinen Stern.
Er war nicht besonders hell.
Aber er war da.
Zoe lächelte.
Seit dieser Nacht wusste sie etwas, das sie vorher nicht gewusst hatte:
Man muss nicht groß sein, um ein Licht zu finden.
Manchmal reicht es, den Blick zu heben.
Und manchmal reicht es sogar, für jemanden anderes ein kleines Licht zu sein.
Anne Seltmann 30.08.2026, 09.23 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Ich habe neulich von einem Beruf gehört, den es eigentlich gar nicht geben dürfte: Sternschnuppenfänger.
Sein Name ist Emil und jeden Abend, wenn die Stadt langsam zur Ruhe kommt, steigt er mit seinem goldenen Netz hinauf zu seiner kleinen Plattform über den Wolken. Dort wartet er auf die Sternschnuppen, die über den Nachthimmel sausen. Sobald eine besonders helle auftaucht, schwingt Emil sein Netz und – schwupp – schon verschwindet sie darin.
Die gefangenen Sternschnuppen bewahrt er in kleinen Glasgefäßen auf. Sie leuchten darin wie winzige Feuerwerke und hinterlassen goldene Lichtkringel an den Glaswänden. Wenn jemand auf der Erde einen ganz besonderen Wunsch hat, bringt Emil ihm eine davon. Er stellt das Glas heimlich ans Fenster, klopft dreimal und verschwindet wieder. Denn Emil weiß: Ein Wunsch funktioniert nur, wenn man ihn nicht beobachtet.
Eines Nachts aber fängt Emil eine ganz besondere Sternschnuppe. Kaum steckt er sie in ein Glas, beginnt dieses heftig zu zittern.
„Lass mich raus!, flüstert sie.
Emil staunt. „Du kannst sprechen?
„Natürlich, antwortet die Sternschnuppe. „Du fängst uns schließlich ständig ein. Da darf man doch wenigstens mal etwas sagen.
Emil hebt vorsichtig den Deckel. „Und was möchtest du?
„Nach Hause.
„Und wo ist das?
Die Sternschnuppe zeigt nach oben. „Dort, wo alle Wünsche anfangen.
Emil denkt kurz nach und lässt sie frei. Sie schießt hinauf in den Himmel, wird kleiner und kleiner und verschwindet schließlich zwischen den Sternen.
Doch bevor sie endgültig verschwindet, ruft sie ihm zu: „Du darfst dir auch etwas wünschen!
Emil schaut lange in den Himmel. Dann lächelt er und sagt: „Ich wünsche mir, dass niemals jemand aufhört, an Wunder zu glauben.
In diesem Moment fällt eine kleine Sternschnuppe direkt vor seine Füße.
Emil hebt sie auf. Sie ist warm und glitzert in seiner Hand.
Seit dieser Nacht ist Emil übrigens kein Sternschnuppenfänger mehr.
Er sammelt Wünsche.
© Anne Seltmann
Anne Seltmann 20.08.2026, 08.30 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Im Kinderzimmer herrschte das übliche Chaos. Der Bub steuerte mit vollem Eifer sein Raumschiff, das gerade eine wilde Schlacht im fernen Universum ausfocht. Er war der unangefochtene Captain Sternenblitz, und sein Schiff – die "Galaktische Fracht"– war schneller als der Lichtstrahl. In der Ecke des Zimmers standen andere Raumschiffe, die genauso tapfer die Sterne durchbrachen, Laserstrahlen in alle Richtungen schickten und fremde Planeten eroberten.
Doch plötzlich, mitten in einem besonders heftigen Gefecht, stoppt der Bub, schiebt das Raumschiff beiseite und ruft: "Stopp! Das reicht!"
"Aber Captain, die feindlichen Truppen kommen näher!", protestierte sein Lieblings-Roboter, der ein sehr zerknittertes Gesicht machte.
"Ich weiß, aber wir können das nicht mehr so weitermachen", antwortete der Bub mit ernster Miene und klopfte sich einen imaginären Staub von der Uniform. "Es muss Friedensverhandlungen geben!"

Der Roboter starrte den Bub an, als wäre er gerade auf den Kopf gefallen. "Friedensverhandlungen?" fragte er skeptisch. "Aber… wir sind mitten im Sternenkrieg!"
"Genau darum geht es!", rief der Bub, "Der Krieg macht keinen Spaß mehr. Wir müssen verhandeln!"Er blickte sich im Raum um. Die Spielzeug-Aliens und -Monster, die bis eben noch Gegner gewesen waren, standen nun verdutzt in der Ecke. Der Bub setzte sich auf den Boden, klopfte auf den Platz neben sich und sagte: "Kommen Sie her, wir verhandeln jetzt!"
Es war das erste Mal, dass im Kinderzimmer die Waffen niedergelegt wurden, um über Frieden zu sprechen. Der feindliche Anführer, ein Plüsch-Monster mit leuchtend rotem Hals, trottete zögerlich auf den Buben zu. "Du willst also Frieden? Aber wie können wir das erreichen?" fragte das Monster mit brummender Stimme.
"Ganz einfach!", antwortete der Bub und zog eine Tüte Kekse aus seiner Tasche. "Kekse, Milch und ein paar nette Gespräche, dann wird alles gut!"
Die feindlichen Aliens und Raumschiff-Piloten nickten nachdenklich, und ein kurzer Moment der Stille trat ein. Keiner wollte mehr kämpfen, niemand hatte wirklich Lust, weiter zu schießen, und so setzten sie sich rund um den Tisch aus Bausteinen, die der Bub zu einem Friedensstammtisch umfunktioniert hatte.

Der Bub zog eine kleine Kanne Kakao hervor. "Kein Laserfeuer, keine Schlachten mehr", sagte er mit einem breiten Grinsen. "Jetzt wird verhandelt!"
"Und was steht auf der Tagesordnung?", fragte das rote Monster und nahm ein Keksstück.
"Frieden, Kuchen und Spaß", antwortete der Bub. "Der Krieg ist vorbei, es gibt nur noch gute Laune!"
Von da an war das Kinderzimmer kein Ort mehr für Kämpfe. Die Sterne am Himmel mochten noch ferne Welten und unbekannte Planeten beherbergen, aber der kleine Bub wusste, dass im Frieden viel mehr Spaß lag – vor allem, wenn man dabei Kekse hatte.
Und so saßen sie alle zusammen, der Sternenkrieg war endgültig beendet, und das Universum war endlich in Frieden – zumindest bis zum nächsten Spiel.
Anne Seltmann 21.01.2025, 16.46 | (3/3) Kommentare (RSS) | TB | PL

In einer frostigen Winternacht, in der die Welt in glitzerndes Weiß gehüllt war, leuchtete ein kleiner Stern am Himmel, kaum größer als ein Funken. Er war der jüngste Stern seiner Galaxie, voller Neugier und Träume. Während seine Geschwister hoch oben am Himmel still funkelten, verspürte er eine Sehnsucht, die Welt unter sich zu erkunden.
"Ich möchte sehen, was da unten im Schnee verborgen ist" flüsterte er.
Die alten Sterne lachten. "Du bist noch zu klein, um die Erde zu besuchen. Warte, bis du größer und heller bist." Doch der kleine Stern ließ sich nicht abhalten. Mit einem leisen Zischen löste er sich aus dem Himmelszelt und begann seinen Flug zur Erde.
Sanft landete er auf einer schneebedeckten Lichtung, wo der Mondschein den Schnee in ein Meer aus funkelnden Kristallen verwandelte. Staunend schaute er sich um. Alles war so anders als der Himmel: so still, so kalt, und doch voller Zauber.
Während er die Schneeflocken betrachtete, bemerkte er etwas Eigenartiges. Inmitten der weißen Pracht lag ein kleines, glimmendes Licht – ein Sternchenfeuer. Es war winzig, kaum mehr als ein Funke, der zwischen den Schneekristallen zitterte, als ob er gleich verlöschen würde.
"Wer bist du?" fragte der kleine Stern neugierig und trat näher.
"Ich bin ein Sternchenfeuer", antwortete das Licht leise. "Ich bin herabgefallen, um die Dunkelheit auf der Erde zu erhellen, aber die Kälte des Schnees macht mich schwach."
Der kleine Stern überlegte kurz. "Ich kann dich wärmen. Meine Strahlen mögen klein sein, aber sie sind stark genug, um dich wieder zu erleuchten."
Und so begann der kleine Stern, sein eigenes Licht mit dem Sternchenfeuer zu teilen. Es wurde wärmer und heller, und bald begann das Sternchenfeuer fröhlich zu flackern. Gemeinsam erleuchteten sie die Lichtung im Schnee und schufen eine magische Szene, die selbst die Tiere des Waldes aus ihren Verstecken lockte.
Eichhörnchen, Rehe und sogar eine kleine Eule versammelten sich um die beiden. Der kleine Stern erzählte von seiner Reise vom Himmel, und das Sternchenfeuer funkelte dankbar an seiner Seite.
Als die Nacht verging und der Morgen dämmerte, wusste der kleine Stern, dass es Zeit war, zurück in den Himmel zu kehren. Doch bevor er aufbrach, versprach er dem Sternchenfeuer: "Ich werde dich nie vergessen. Jedes Mal, wenn du hier im Schnee leuchtest, werde ich von oben auf dich herabschauen und dir Kraft senden."
Mit einem letzten Funkeln stieg der kleine Stern wieder in den Himmel auf, während das Sternchenfeuer hell und mutig weiterflackerte, ein Licht in der Kälte des Schnees.
Und so geschah es, dass der kleine Stern und das Sternchenfeuer für immer verbunden blieben – ein Band aus Licht und Wärme, das auch die kälteste Winternacht erhellte.
© Anne Seltmann
Anne Seltmann 23.12.2024, 08.49 | (4/4) Kommentare (RSS) | TB | PL


Himmelsjuwelen im Mondenschein
Ich spanne das Netz der Liebe
und fange Sterne für dich ein.
~*~
© Anne Seltmann

Anne Seltmann 23.02.2024, 11.35 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Weihnachten, sagt man, ist das Fest der Liebe. Da kommen Menschen zusammen, um Freude zu teilen, Mitgefühl zu zeigen, Dankbarkeit zu empfinden oder Mitgefühl zu zeigen.
Manchmal wird Weihnachten auch als Zeit für Versöhnung betrachtet. Menschen nutzen diese Gelegenheit, um alte Konflikte beizulegen, Vergebung zu suchen oder Freundschaften zu erneuern.
Weihnachten ists, um anderen zu helfen, bedürftigen Menschen zu helfen und sich bewusst zu machen, wie wichtig es ist, Liebe und Freundlichkeit in die Welt zu bringen.
Wenn doch immer Weihnachten wäre!

Ich wünsche meinen Leser*innen einen wunderschönen 2. Weihnachtstag!
Anne Seltmann 26.12.2023, 06.53 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Funkel, funkel, kleiner Stern,
ach wie bist du mir so fern,
wunderschön und unbekannt,
wie ein strahlend Diamant,
funkel, funkel, kleiner Stern,
ach wie bist du mir so fern.
Funkel, funkel, kleiner Stern,
ach was haben wir dich gern,
strahlend schön am Himmelszelt,
erleuchtest hell die ganze Welt,
funkel, funkel, kleiner Stern
ach was haben wir dich gern.
~*~
Volkslied
Deutsche Adaption des englischen Wiegenliedes "Twinkle, Twinkle, Little Star",
ursprünglich ein Gedicht ("Star") von Jane Taylor, erschienen 1806 in "Rhymes for the Nursery" von Jane und Ann Taylor.
Anne Seltmann 22.12.2023, 07.11 | (6/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Wenn du das Ende des Regenbogens gefunden hast,
kannst du auch die Sterne vom Himmel holen.
Anne Seltmann 18.07.2023, 09.36 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Die liebe Anette hat zu meinem Geburtstag und zu Weihnachten wieder ganz liebevolle Zeilen und Schenkis für mich,
die am Samstag hier bei mir ankamen. Dazu gehörte unter anderem folgender Spruch zu obigen Geschenk:
Ich wollte dir einen Stern vom Himmel holen
Leider ist er kaputt gegangen.
Baust du ihn wieder zusammen?

Nun, das habe ich versucht! Ich musste herzhaft lachen, weil ich gänzlich daneben lag! Siehe unten!


Er muss also so aussehen!
Anne Seltmann 12.12.2022, 08.00 | (9/0) Kommentare (RSS) | TB | PL