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Festung Königstein – ein Wiedersehen beim Bilder-Sichten
Eigentlich hatte ich die Festung Königstein auf unserer Dresden Reise im Jahr 2024 schon einmal in einem Blogbeitrag erwähnt. Damals habe ich euch bereits ein bisschen von unserem Besuch auf diesem beeindruckenden Felsen erzählt.
Und heute Morgen passierte dann etwas ganz anderes: Beim Sichten meiner Fotos für Marius Naturdonnerstag liefen mir plötzlich diese Bilder wieder über den Weg. Und wie das ebenso ist mit alten Fotos – kaum sieht man sie wieder, sind auch die Erinnerungen sofort zurück.
Also dachte ich mir: Warum nicht noch einmal einen kleinen Abstecher zur Festung Königstein machen?
Schließlich ist dieser gewaltige Ort viel zu schade, um ihn einfach in irgendeinem Fotoordner verschwinden zu lassen. Hoch über der Elbe gelegen, wirkt die Festung schon von weitem beeindruckend. Und wenn man erst einmal oben angekommen ist, eröffnet sich eine fantastische Aussicht über das Elbsandsteingebirge und die Landschaft der Sächsischen Schweiz.
Also gibt es heute ein kleines Wiedersehen mit Königstein – nicht, weil ich euch etwas Neues erzählen könnte, sondern weil manche Orte es einfach verdient haben, noch einmal aus dem Bilderarchiv hervorgeholt zu werden.
Und manchmal braucht es dafür eben nur einen ganz normalen Donnerstagmorgen und ein paar Fotos, die einem plötzlich wieder vor die Augen kommen. Leider war das Wetter zu diesem Zeitpunkt nass und kalt, deshalb sind die Bilder alle etwas grau.
Anne Seltmann 09.10.2026, 10.53 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Ein Parvenü ist jemand, der plötzlich zu Geld, Einfluss oder gesellschaftlichem Ansehen gekommen ist – und nun mit aller Kraft beweisen möchte, dass er schon immer genau dorthin gehört hat.
Kurz gesagt: Gestern noch Hinterhof, heute schon goldene Türklinke – und bitte alle schön hinschauen!
Der Parvenü liebt Statussymbole. Ein großes Auto? Muss sein. Eine protzige Uhr? Natürlich. Ein möglichst wichtig klingender Name auf der Einladungsliste? Unbedingt. Und wenn er beim Champagnertrinken ganz nebenbei erwähnt, was die neue Designercouch gekostet hat, dann war das selbstverständlich nur eine beiläufige Information.
Das Wort kommt übrigens aus dem Französischen „parvenu und bedeutet sinngemäß „Emporgekommener.
Merksatz:
Ein Parvenü ist jemand, der die gesellschaftliche Leiter hochgeklettert ist – und oben angekommen erst einmal überprüft, ob auch wirklich alle gesehen haben, wie er das geschafft hat
Anne Seltmann 29.09.2026, 05.38 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Palaver – wenn Worte ihre Reise erzählen
Es gibt Wörter, die klingen schon beim Aussprechen nach dem, was sie bedeuten. Palaver ist so ein Wort. Man hört förmlich das Hin und Her, das Reden ohne Ende, das Diskutieren, Erklären und Ausschmücken.
Heute sagen wir oft: „Mach doch nicht so ein Palaver! Gemeint ist damit meist ein unnötiges Theater oder eine endlose Diskussion um eine Kleinigkeit. Doch das Wort hatte ursprünglich eine ganz andere Bedeutung.
Seine Wurzeln liegen im portugiesischen palavra, was schlicht „Wort bedeutet. Portugiesische Seefahrer brachten den Begriff im 15. und 16. Jahrhundert an die westafrikanische Küste. Dort entwickelte sich daraus das Palaver – eine oft stundenlange Besprechung zwischen europäischen Händlern und den einheimischen Gemeinschaften. Solche Treffen dienten dazu, Konflikte zu lösen, Handel zu betreiben oder gemeinsame Entscheidungen zu treffen.
Erst später bekam das Wort im Deutschen einen leicht spöttischen Beiklang. Aus dem ernsthaften Gespräch wurde das vermeintlich überflüssige Gerede.
Eigentlich ist das schade.
Denn ein Palaver im ursprünglichen Sinn war kein Geschwätz. Es bedeutete, sich Zeit füreinander zu nehmen, zuzuhören, Argumente auszutauschen und erst dann zu einer Entscheidung zu kommen. Vielleicht könnten wir davon heute wieder etwas gebrauchen.
Wörter tragen Geschichten in sich. Manche reisen über Kontinente, verändern unterwegs ihre Bedeutung und kommen schließlich ganz anders bei uns an, als sie einst aufgebrochen sind.
Palaver ist eines dieser Wörter.
Und vielleicht lohnt es sich manchmal, ein kleines Palaver zu führen – solange dabei nicht das Reden wichtiger wird als das Zuhören.
Anne Seltmann 21.07.2026, 07.28 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Rabulistisch – Ein Wort, das man kennen darf
Es gibt Wörter, die begegnen einem ein Leben lang nicht. Und dann tauchen sie plötzlich auf – als hätten sie sich jahrelang versteckt.
So ging es mir mit „rabulistisch.
Mein erster Gedanke war:
Ist das ein Zauberspruch aus Harry Potter? Oder vielleicht ein italienisches
Nudelgericht?
Nein.
Rabulistisch beschreibt eine Art zu argumentieren. Allerdings keine besonders sympathische.
Wer rabulistisch argumentiert, versucht mit spitzfindigen, oft verdrehten oder scheinbar logischen Argumenten Recht zu behalten – auch wenn die eigentliche Wahrheit dabei auf der Strecke bleibt. Es geht weniger darum, eine Sache ehrlich zu klären, sondern vielmehr darum, den anderen mit Wortakrobatik auszumanövrieren.
Man könnte auch sagen:
Hauptsache gewonnen. Egal, ob überzeugend.
Manchmal erlebt man solche Diskussionen im Alltag. Jemand wird auf einen offensichtlichen Fehler hingewiesen und statt einfach zu sagen: „Stimmt, da hast du recht, beginnt plötzlich eine sprachliche Pirouette nach der anderen. Am Ende weiß keiner mehr, worum es ursprünglich ging – aber die Diskussion dauert erstaunlich lange.
Ich muss zugeben: Solche Gespräche strengen mich an.
Nicht, weil unterschiedliche Meinungen etwas Schlechtes wären – ganz im Gegenteil. Gerade ein offener Austausch macht Gespräche spannend.
Aber wenn es nur noch darum geht, um jeden Preis recht zu behalten, wird aus einer Unterhaltung schnell ein rhetorisches Tauziehen.
Vielleicht gefällt mir das Wort deshalb so gut.
Es beschreibt etwas, das viele von uns schon erlebt haben, ohne dafür bisher einen passenden Begriff zu kennen.
Und ganz ehrlich:
Manchmal reicht ein einfaches
„Da habe ich mich geirrt.
Das spart Zeit, Nerven und eine Menge rabulistischer
Verrenkungen. 
Heute habe ich jedenfalls wieder ein neues Wort gelernt.
Und das ist doch eigentlich das Schönste an Sprache:
Sie überrascht uns immer wieder. Manche Wörter verschwinden. Andere warten
geduldig darauf, entdeckt zu werden. Und plötzlich hat man einen Begriff für
etwas, das man längst kannte – nur eben bisher nicht benennen konnte.
Anne Seltmann 17.07.2026, 05.28 | (0/0) Kommentare | TB | PL


Auch wenn ich mich wiederhole – irgendwann ist Schweigen keine Tugend mehr, sondern Resignation. Deshalb muss ich meinem Frust noch einmal öffentlich Luft machen.
Im März 2023 wurde uns eine umfassende Haussanierung angekündigt: neue Fassade, neue Fenster, neue Balkone. Ein Projekt, das unsere Wohnqualität deutlich verbessern sollte.
Nach einem holprigen Start nahm die Baustelle tatsächlich Fahrt auf – allerdings offenbar mit angezogener Handbremse. Wochenlang geschah... nichts. Und wenn doch einmal Bewegung aufkam, dann tauchten vereinzelt ein paar Handwerker auf, verrichteten kleinere Arbeiten und verschwanden wieder, als hätten sie einen streng getakteten Fluchtplan.
Der einzige, der erstaunlich zuverlässig erschien, war einer der Architekten. Tag für Tag spazierte er mit seinem Handy über die Baustelle und fotografierte alles. Vermutlich entsteht daraus irgendwann ein opulenter Bildband mit dem Titel: **„Vom Werden einer Nicht-Baustelle**.
Offiziell sollte das gesamte Bauprojekt Ende 2024 abgeschlossen sein.
Heute schreiben wir das Jahr 2026.
Seit einem halben Jahr herrscht auf unserer Baustelle absolute Stille. Und mit absolut meine ich: **absolute**. Kein Hämmern. Kein Bohren. Kein Bagger. Kein Handwerker. Nicht einmal ein einsamer Nagel, der versehentlich vom Himmel fällt und Hoffnung verbreitet.
**Nothing. Nada. Niente.**
Die Bauzäune stehen noch tapfer Wache – vermutlich aus Gewohnheit. Die aufgeschütteten Erdhügel entwickeln sich derweil zu kleinen Biotopen. Moose, Gräser und Wildkräuter leisten ganze Arbeit. Die Natur ist eben effizienter als so manche Bauplanung und hat beschlossen, sich das Gelände einfach zurückzuerobern.
Den Bürgermeister hatte ich bereits vor längerer Zeit informiert. Während seines Wahlkampfes stand er persönlich vor unserer Haustür und versprach, sich der Angelegenheit anzunehmen. Das klang damals hoffnungsvoll.
Vor Kurzem schrieb ich ihn erneut an. Die Antwort: Die Firma **Bednarski & Fröber Planungs GbR** sei inzwischen nicht mehr für unsere Häuserreihe zuständig. Man werde sich melden, sobald man Näheres wisse. Nur uns hat keiner darüber informiert!!!
Das klingt ein wenig wie: *„Bitte bleiben Sie in der Leitung. Ihr Anliegen ist uns wichtig.*
Nur dass unsere Leitung inzwischen seit über drei Jahren besetzt ist.
Ich wünsche mir keinen Luxus. Keine goldenen Balkongeländer. Kein Richtfest mit Blaskapelle.
Ich wünsche mir einfach nur das zurück, was uns längst versprochen wurde: einen fertigen Balkon, eine abgeschlossene Baustelle und endlich wieder das Gefühl, in einem Zuhause zu wohnen – und nicht auf dem Dauerschauplatz einer Realsatire.
Fortsetzung folgt.
Vermutlich.
Denn auf dieser Baustelle scheint nur eines zuverlässig zu funktionieren:
**Der Stillstand.**
Anne Seltmann 12.07.2026, 14.35 | (3/3) Kommentare (RSS) | TB | PL

Ein zweites Leben für Blumen
Wenn meine Blumen in der Vase langsam ihre Kraft verlieren oder die Blütenköpfe sind abgeknickt, landen sie bei mir nicht gleich im Biomüll.
Ich schneide die Blüten ab und lege sie in eine flache Schale mit Wasser. Plötzlich wirken sie wieder ganz anders. Sie treiben auf der Wasseroberfläche, spiegeln sich im Licht und werden zu einer kleinen, schlichten Dekoration.
Ich mag diesen Gedanken, dass etwas nicht sofort seinen Wert verliert, nur weil es seinen Höhepunkt überschritten hat. Manchmal braucht es einfach nur einen neuen Platz, um noch einmal seine Schönheit zu zeigen.Anne Seltmann 03.07.2026, 16.20 | (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Ballonsailing und Nightglow – Farbenzauber über Kiel
Während auf der Förde die Segel den Wind einfingen, ging es auf dem Nordmarksportfeld etwas gemächlicher zu – aber nicht weniger beeindruckend. Beim Ballonsailing erhoben sich die farbenfrohen Heißluftballons langsam in den Himmel und schwebten scheinbar mühelos über das Gelände. Jeder Ballon hatte seinen eigenen Charakter, seine eigene Farbe und Form. Es war ein stilles Schauspiel, das Groß und Klein gleichermaßen in seinen Bann zog.
Als die Dämmerung hereinbrach, begann das Warten auf das Nightglow. Die Ballons blieben zwar am Boden, doch mit jedem Zünden der Brenner verwandelten sie sich in riesige, leuchtende Lampions. Im Takt der Musik flammten sie immer wieder auf und tauchten das Sportfeld in ein faszinierendes Wechselspiel aus Licht, Farben und Schatten.

Für einen Moment schien die Zeit stillzustehen. Staunende Gesichter, gezückte Kameras und überall dieses warme Leuchten, das sich nicht nur in den Ballonhüllen, sondern auch in den Augen der Besucher spiegelte.
Den krönenden Abschluss bildete schließlich das traditionelle Feuerwerk. Mit seinen leuchtenden Farben und funkelnden Effekten setzte es einen glanzvollen Schlusspunkt unter einen Abend voller besonderer Eindrücke. Während die Ballons langsam im Dunkel verschwanden, erhellten die Feuerwerksraketen noch einmal den Kieler Nachthimmel und sorgten für einen unvergesslichen Ausklang.
Die Kieler Woche hat viele Höhepunkte. Das Ballonsailing, das stimmungsvolle Nightglow und das anschließende Feuerwerk gehören für mich ganz sicher dazu. Es sind diese besonderen Momente, die zeigen, dass die Kieler Woche nicht nur auf dem Wasser, sondern auch an Land voller Magie steckt.
Anne Seltmann 30.06.2026, 05.12 | (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Philippika – Wenn Worte zu Donner werden
Manche Wörter klingen schon beim Aussprechen nach ihrer Bedeutung. Philippika ist so eines. Es wirkt streng, kraftvoll und ein wenig einschüchternd – und genau das ist es auch.
Eine Philippika ist keine gewöhnliche Kritik. Sie ist eine leidenschaftliche, oft scharf formulierte Standpauke oder Anklagerede, mit der jemand Missstände anprangert oder seinem Ärger unmissverständlich Luft macht.
Der Ursprung des Wortes reicht mehr als 2.000 Jahre zurück. Der berühmte griechische Redner Demosthenes hielt mehrere flammende Reden gegen König Philipp II. von Makedonien. Diese Reden gingen als Philippiken in die Geschichte ein. Später griff auch der römische Staatsmann Cicero den Begriff auf, als er seine berühmten Reden gegen Marcus Antonius ebenfalls „Philippiken nannte.
Heute begegnet uns das Wort nur noch selten. Dabei beschreibt es etwas, das jeder kennt: den Moment, in dem aus einer kleinen Beschwerde ein regelrechter Wortgewittersturm wird.
Wer also das nächste Mal hört: „Jetzt hält er wieder eine Philippika!, weiß, dass keine sanfte Meinungsäußerung folgt, sondern eine eindrucksvolle, oft wortgewaltige Abrechnung.
Ich mag solche alten Wörter. Sie tragen ihre Geschichte in sich und erinnern daran, wie lebendig Sprache sein kann. Manche geraten über Jahrzehnte in Vergessenheit – bis sie plötzlich wieder auftauchen und zeigen, dass sie nichts von ihrer Ausdruckskraft verloren haben.
Anne Seltmann 26.06.2026, 07.51 | (4/0) Kommentare (RSS) | TB | PL




Die Fahrradklingel ist ein bemerkenswertes Instrument. Sie besteht aus einem Stück Metall, ist kaum größer als eine Walnuss und besitzt trotzdem das Selbstbewusstsein eines Opernsängers.
Ein einziges „Klingeling! – und schon erwartet sie, dass sich Spaziergänger, Hunde, Enten, Kinderwagen und gelegentlich auch ganze Reisegruppen in Bewegung setzen.
Besonders interessant ist, dass jede Fahrradklingel ihren eigenen Charakter hat. Manche klingen freundlich wie: „Entschuldigung, dürfte ich vielleicht vorbei?
Andere klingen eher wie: „Achtung! Hier kommt die Tour de France!
Und dann gibt es jene Klingeln, die man drückt und die so leise sind, dass vermutlich nicht einmal der Fahrer selbst sie hört.
Eigentlich bewundere ich Fahrradklingeln. Sie verbringen ihr ganzes Leben am Lenker, sehen die Welt vorbeiziehen und melden sich nur dann zu Wort, wenn es wirklich wichtig wird.
Oder wenn ein Spaziergänger mitten auf dem Radweg steht und verträumt Gänseblümchen zählt.
Dann wächst die kleine Klingel über sich hinaus.
Klingeling!
Und plötzlich weiß jeder:
Hier kommt jemand mit wichtigen Angelegenheiten.
Obige Bilder zeigte ich schon ein zu der damaligen schönen Challenge "Freitagsklingeln" von Frau Tonari Ihre Webseite ist allerdings nicht mehr aktiv.
Anne Seltmann 16.06.2026, 05.23 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Warum sind in Schweden so viele Häuser rot?
Wer durch Schweden reist, bemerkt schnell die vielen roten Holzhäuser. Die Farbe hat einen praktischen Ursprung: Bereits im 16. Jahrhundert begann man, Häuser mit der sogenannten Falunrot-Farbe zu streichen. Sie wurde aus den Nebenprodukten des Kupferbergwerks von Falun gewonnen.
Das Rot sollte ursprünglich teure Backsteinhäuser nachahmen, die sich damals nur wohlhabende Menschen leisten konnten. Gleichzeitig schützte die Farbe das Holz vor Wind und Wetter.
Heute gehört das typische Schwedenrot fest zum Landschaftsbild und ist für viele Menschen ein Symbol für Gemütlichkeit, Naturverbundenheit und das skandinavische Lebensgefühl.
Anne Seltmann 09.06.2026, 06.00 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL