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Tag: Spatzen

Redewendungen N° 02



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Die Spatzen pfeifen es von den Dächern – Wenn ein Geheimnis längst keines mehr ist

Es gibt Redewendungen, die man fast beiläufig benutzt – und doch steckt hinter ihnen eine erstaunliche Geschichte. Eine davon lautet: "Die Spatzen pfeifen es von den Dächern." Gemeint ist damit, dass etwas längst allgemein bekannt ist, obwohl es vielleicht noch als Geheimnis gehandelt wird. Doch warum ausgerechnet Spatzen? Und warum Dächer?

Die geschwätzigsten Vögel der Stadt

Der Haussperling – im Volksmund schlicht "Spatz" – begleitet den Menschen seit Jahrhunderten. Wo Menschen wohnen, sind meist auch Spatzen nicht weit. Sie sitzen auf Dachfirsten, Dachrinnen, Schornsteinen oder Fenstersimsen und zwitschern unermüdlich. Besonders morgens entsteht ein regelrechtes Konzert, das den Eindruck erweckt, als würden sie sich gegenseitig die neuesten Nachrichten erzählen.

Schon im Mittelalter galten Spatzen als lebhafte, neugierige und ausgesprochen "mitteilungsfreudige" Vögel. Wer durch enge Gassen einer Stadt ging, hörte ihr ständiges Gezwitscher von den Dächern herab. Kein Wunder also, dass die Fantasie der Menschen daraus machte, die kleinen Vögel würden den neuesten Klatsch und Tratsch verbreiten.

Vom Gerücht zur Redewendung

Die Redewendung entstand vermutlich im 18. oder frühen 19. Jahrhundert. Eine einzelne Person mag ein Geheimnis noch für sich behalten können. Doch sobald es mehrere wissen, verbreitet es sich wie ein Lauffeuer. Schließlich scheint es sogar so offensichtlich zu sein, als würden es die Spatzen selbst von den Dächern verkünden.

Wenn heute jemand sagt:

"Das pfeifen doch die Spatzen schon von den Dächern."

dann bedeutet das nichts anderes als:

* Das weiß inzwischen jeder.

* Es ist längst kein Geheimnis mehr.

* Die Nachricht hat sich überall herumgesprochen.

 Warum gerade Dächer?

Dächer waren früher der höchste Punkt eines Hauses und weithin sichtbar. Wer von dort oben etwas rief, konnte von vielen gehört werden. In der Vorstellung der Menschen wurden die Dächer deshalb zum Sinnbild dafür, dass eine Nachricht öffentlich geworden ist.

Die Spatzen wurden zu den unfreiwilligen "Nachrichtensprechern" der Stadt – immer präsent, immer laut und scheinbar bestens informiert.

Ein Sprichwort mit Charme

Gerade deshalb hat sich diese Redewendung bis heute gehalten. Sie beschreibt auf humorvolle Weise, wie schwer sich Geheimnisse bewahren lassen. In Zeiten von sozialen Medien könnte man fast sagen:

Früher pfiffen es die Spatzen von den Dächern – heute posten es die Menschen ins Internet.





Anne Seltmann 07.08.2026, 05.27 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Weisheiten am Samstag N° 84




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Anne Seltmann 03.01.2026, 09.25 | (3/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

365 Tage Challenge – N° 292



 N° 292





Der Spatz

 

Ich bin ein armer Schreiber nur,

Hab' weder Haus noch Acker,

Doch freut mich jede Kreatur,

Sogar der Spatz, der Racker.

Er baut von Federn, Haar und Stroh

Sein Nest geschwind und flüchtig,

Er denkt, die Sache geht schon so,

Die Schönheit ist nicht wichtig.

 

Wenn man den Hühnern Futter streut,

Gleich mengt er sich dazwischen,

Um schlau und voller Rührigkeit

Sein Körnlein zu erwischen.

 

Maikäfer liebt er ungemein,

Er weiß sie zu behandeln;

Er hackt die Flügel, zwackt das Bein

Und knackt sie auf wie Mandeln.

 

Im Kirschenbaum frisst er verschmitzt

Das Fleisch der Beeren gerne;

Dann hat, wer diesen Baum besitzt,

Nachher die schönsten Kerne.

 

Es fällt ein Schuss. Der Spatz entfleucht

Und ordnet sein Gefieder.

Für heute bleibt er weg vielleicht,

Doch morgen kommt er wieder.

 

Und ist es Winterzeit und hat's

Geschneit auf alle Dächer,

Verhungern tut kein rechter Spatz,

Er kennt im Dach die Löcher.

 

Ich rief: "Spatz, komm, ich füttre dich!"

Er fasst mich scharf ins Auge.

Er scheint zu glauben, dass auch ich

Im Grunde nicht viel tauge.

 

 ~*~


Christian Morgenstern











Anne Seltmann 19.10.2022, 17.45 | (5/0) Kommentare (RSS) | TB | PL