Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Midjourney

Miesepiet I.


[Bild KI generiert / Text © Anne Seltmann]


Miesepiet war ein kleines Erdmännchen mit einem großen Problem: Er hatte fast immer schlechte Laune. Warum genau, wusste eigentlich niemand. Vielleicht lag es an der Sonne, die ihm zu hell war. Vielleicht am Sand, der ihm zu sandig war. Oder einfach daran, dass er gern miesepetrig sein wollte.

Jeden Morgen zog Miesepiet seine blauweiß gestreifte Matrosenkleidung an. Ein Hemd mit Kragen, eine kleine Hose und natürlich eine schicke Matrosenmütze. Eigentlich sah er damit sehr fröhlich aus. Aber sein Gesicht sagte etwas ganz anderes.

Während die anderen Erdmännchen lachend um den Bau herumtobten, saß Miesepiet auf einem Stein und schimpfte leise vor sich hin. Die Wolken waren ihm zu wolkig. Der Wind war ihm zu windig. Und das Frühstück schmeckte natürlich auch nicht so, wie es sollte.

Eines Tages beschloss die Erdmännchenbande, etwas zu unternehmen. Sie bauten heimlich ein kleines Boot aus Blättern, Muscheln und Zweigen. Dann stellten sie es direkt vor Miesepiets Stein.

Schau mal, rief seine Freundin Flitzeflink, ein echtes Matrosenboot nur für dich.

Miesepiet wollte gerade sagen, dass Boote sowieso doof seien. Doch dann sah er, wie viel Mühe sich alle gegeben hatten. Ganz vorsichtig setzte er sich hinein. Das Boot schaukelte ein wenig. Ein warmer Wind wehte. Und plötzlich, ganz ohne Vorwarnung, musste Miesepiet ein klitzekleines bisschen lächeln.

Na gut, murmelte er, vielleicht ist heute gar nicht so ein schlechter Tag.

Die anderen Erdmännchen jubelten. Von da an war Miesepiet zwar immer noch manchmal mies drauf, aber längst nicht mehr jeden Tag. Und wenn er wieder grummelig wurde, setzte er einfach seine Matrosenmütze auf, stieg in sein kleines Boot und erinnerte sich daran, dass selbst ein Miesepiet ab und zu fröhlich sein darf.

.

© Anne Seltmann




Anne Seltmann 21.01.2026, 07.26 | (4/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Grischa und der Mond


[Bild KI generiert / Text © Anne Seltmann] 


In einer stillen Sommernacht saß ein kleiner, süßer Igel auf einem warmen Stein mitten auf der Wiese. Um ihn herum leuchteten Glühwürmchen wie winzige Sterne, und die Blumen wiegten sich sanft im kühlen Abendwind.

Grischa, so hieß der kleine Igel, hob seine Knopfaugen zum Himmel. Dort stand der Mond, groß, rund und hell, als würde er nur für ihn scheinen. "Oh, wie wunderschön du bist!", seufzte Grischa leise. „Wenn ich doch nur zu dir hinaufklettern könnte…"

Er stellte sich vor, wie es wäre, auf dem Mond zu hüpfen, über Wolken zu springen und die Erde von oben zu betrachten. In seinen Gedanken tanzten Sterne um ihn herum, und kleine Sternschnuppen funkelten wie winzige Diamanten am Himmel.

Während Grischa so träumte, hörte er plötzlich ein leises Rascheln im Gras. Eine kleine Feldmaus lugte neugierig hervor. "Was machst du da, Grischa?", piepste sie.

"Ich bewundere den Mond", antwortete Grischa. "Er ist so groß und hell… und irgendwie fühlt es sich an, als würde er mir zuhören."

Die Maus lächelte. "Dann will ich auch ein bisschen den Mond ansehen!" Gemeinsam saßen sie still, lauschten der Nacht und beobachteten die Sterne. Die Luft war kühl, aber die Freundschaft wärmte ihre kleinen Herzen.

Bald entdeckten sie noch mehr Nachtbewohner: einen Frosch, der leise quakte, während er auf einem Seerosenblatt balancierte, und eine Eule, die hoch oben in den Bäumen saß und mit ihren großen Augen den Nachthimmel betrachtete. Alles schien in dieser Nacht besonders friedlich, besonders magisch zu sein.

Grischa erzählte seinen neuen Freunden von seinen Träumen. "Wenn ich einmal groß bin, möchte ich die Welt entdecken", sagte er. "Aber heute Nacht reicht es mir, einfach hier zu sitzen und den Mond zu bewundern."

Die Stunden vergingen, und langsam senkte sich der Mond tiefer über die Wiese. Grischa gähnte. Die Glühwürmchen summten leise um ihn herum, als wollten sie ihn in den Schlaf begleiten. Er kuschelte sich in sein Nest aus Gras und Blättern, die kleinen Freunde um ihn herum.

"Gute Nacht, lieber Mond", flüsterte Grischa noch einmal, "danke, dass du heute mit mir geleuchtet hast und mir die Nacht so schön gemacht hast."

Und während die Sterne langsam verblassten und die ersten Sonnenstrahlen die Wiese berührten, schlief Grischa ein. Er träumte von Sternen, vom Mond und von all den Abenteuern, die eines Tages noch auf ihn warten würden.

Denn selbst ein kleiner Igel wie Grischa wusste: Mit einem großen Herzen und einem offenen Blick auf die Welt ist kein Traum zu fern, kein Mond zu weit.


© Anne Seltmann





Anne Seltmann 16.01.2026, 09.35 | (2/2) Kommentare (RSS) | TB | PL

Die Geschichte von Mila, der winzigen Wolkenbiene


[Bild KI generiert / Text © Anne Seltmann]


Es war einmal eine sehr kleine Biene mit besonders flauschigen Flügeln. Sie hieß Mila und lebte in einem Garten, der so bunt war, dass selbst der Regen manchmal stehen blieb, um ihn zu bewundern.

Mila war kleiner als alle anderen Bienen. Wenn der Wind kam, musste sie sich an Gänseblümchen festhalten, damit er sie nicht wie ein Staubkorn davontrug. Doch was ihr an Größe fehlte, machte sie mit Neugier wieder wett. Sie wollte jede Blüte kennenlernen, jeden Duft probieren und jedes Geheimnis des Gartens entdecken.

Eines Morgens fand sie eine weiße Blume, so zart und leuchtend, dass sie aussah wie ein kleines Stück Himmel. "Hier bleibe ich", summte Mila glücklich. Die Blume wurde ihr Lieblingsplatz. Von dort aus beobachtete sie die Welt: die Ameisen bei ihrer Arbeit, die Schmetterlinge beim Tanzen und die Sonne, die langsam über die Blätter kletterte.

Die anderen Bienen lachten manchmal über sie. "Du bist viel zu klein, um wichtig zu sein", sagten sie. Aber Mila wusste es besser. Denn immer, wenn sie von Blüte zu Blüte flog, hinterließ sie ein wenig goldenen Staub – und half damit, dass neue Blumen wachsen konnten.

Eines Tages kam ein großer Sturm über den Garten. Viele Blumen knickten um, und selbst die starken Bienen fanden kaum Halt. Doch Mila flog unermüdlich von Pflanze zu Pflanze und half, wo sie konnte. Am Ende des Tages sagte die älteste Biene des Stocks: "Manchmal sind es die Kleinsten, die das größte Herz haben."

Seitdem wusste jeder im Garten: Diese winzige, flauschige Biene war etwas ganz Besonderes.

Und Mila?
Die summte zufrieden auf ihrer weißen Lieblingsblume und dachte:
"Groß sein kann jeder. Aber klein und mutig – das ist ein echtes Abenteuer!



© Anne Seltmann 





Anne Seltmann 16.01.2026, 09.11 | (2/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Maritimer Mittwoch N° 243



[KI generiert / Text © Anne Seltmann]




Heute zeige ich wieder einmal ein KI generiertes Bild zum >> Maritimen Mittwoch << von Angela!

Dazu möchte ich einmal folgendes erklären:

Ich habe die KI entdeckt, weil sie für mich ein stiller Ort ist, an dem ich mich ausprobieren darf. Kein Druck, kein "richtig“ oder "falsch". Nur Neugier, Bilder, Ideen - und ich.

Ich experimentiere, spiele, verändere. Manchmal wird etwas Schönes daraus, manchmal etwas Seltsames - aber immer zeigt es mir ein Stück von mir selbst.

KI ist für mich kein Ersatz für Kreativität. Sie ist mehr wie eine Begleiterin: Sie öffnet Türen, auf die ich allein vielleicht nie gestoßen wäre. Und doch bleibt mein Blick, mein Gefühl, meine Handschrift darin.

Ich bin künstlerisch veranlagt - schon immer habe ich gern gestaltet, beobachtet, zusammengefügt. Mit KI darf ich das ohne Grenzen tun: ohne Material, ohne Atelier, einfach mit meiner Fantasie.

 Und vielleicht liebe ich genau das daran: dass ich spielen darf wie ein Kind, und gleichzeitig staunen kann wie ein Erwachsener, der merkt - dass Kunst immer wieder neu beginnt.


© Anne Seltmann




Angelas...





Anne Seltmann 07.01.2026, 06.31 | (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Als ich den Mond trug



[Bild KI generiert / Text © Anne Seltmann]






ich legte meine hände
unter die nacht
als wäre sie ein tier,
scheu
und von fernem wasser

 

der mond hing dort
nicht wie ein zeichen
sondern wie ein atem,
unentschlossen
zwischen gehen und bleiben

 

ich sagte nichts
damit er nicht kleiner wird
ich zählte nur die stellen
an denen das licht
nicht mehr wusste, wohin

 

später
war er schwerer als gedacht
schwer wie erinnerungen,
die man zu lange
im stillen dreht

 

ich trug ihn
ein stück durch die straßen,
über die dächer,
bis er anfing
mich zu tragen

 

und irgendwo
zwischen schatten und schlaf
ließ ich ihn los -

 

und die nacht
hüllte mich ein

und blieb

 

~*~

© Anne Seltmann















Anne Seltmann 05.01.2026, 05.02 | (3/2) Kommentare (RSS) | TB | PL

Das kleine Licht im Fenster


[Bild KI generiert / Text © Anne Seltmann]




In einer stillen Straße, in der die Häuser im Winter eng nebeneinander standen, lebte ein Mädchen namens Agneta. Es war die Zeit, in der die Tage früh dunkel wurden - und manchmal fühlte sich Agneta so, als würde die Dunkelheit auch leise in die Herzen kriechen.

Eines Abends fiel der Strom aus. Kein Summen, kein Fernseher, kein warmes Lampenlicht. Nur Dunkelheit - dicht wie ein Mantel.

Agneta holte eine kleine Kerze aus der Schublade, stellte sie in ein Glas und zündete sie an. Ein winziger Flammenpunkt - aber plötzlich sah der Raum nicht mehr fremd aus. Die Schatten tanzten, als wollten sie sagen: "Wir sind nicht gefährlich. Wir gehören dazu."

Agneta stellte die Kerze ans Fenster.

Von draußen sah der Nachbarjunge Tim das Licht. Er fühlte sich allein und ein bisschen ängstlich, doch der warme Schein zog ihn an. Er klopfte. Leni öffnete, und gemeinsam setzten sie sich an den Tisch. Sie erzählten Geschichten. Sie lachten. Die Zeit verging.

Kurz darauf kam die ältere Frau aus dem Nachbarhaus vorbei, mit einem Teller Kekse. Sie hatte die Kinder gesehen—und plötzlich fühlte sie sich nicht mehr so einsam. Dann kam noch jemand. Und noch jemand.

Bald saßen sie zu fünft im Wohnzimmer, nur erleuchtet von einer einzigen Kerze. Keine Musik. Keine Lichterketten. Nur Stimmen. Wärme. Nähe.

Als der Strom später zurückkam, flackerte das Deckenlicht auf  - grell und plötzlich. Agneta drehte es wieder aus.

"Das hier reicht" sagte sie und schaute auf ihre kleine Flamme.

Am nächsten Abend stellte sie wieder eine Kerze ins Fenster. Und am übernächsten. Irgendwann brannten an vielen Fenstern in der Straße kleine Lichter - nicht, weil der Strom fehlte, sondern weil jemand angefangen hatte.

Und manchmal, wenn jemand einen schweren Tag hatte, blieb er kurz stehen, atmete ruhig - und ging ein kleines bisschen leichter weiter.

Agneta begriff etwas Wichtiges:

Licht sein bedeutet nicht, heller zu sein als andere.
Es bedeutet, da zu sein - still, freundlich, zuverlässig.
Manchmal reicht eine winzige Flamme, damit jemand den Weg findet.

Und so brannte ihr kleines Licht weiter—nicht, um die Dunkelheit zu vertreiben,
sondern um zu zeigen, dass niemand allein durch sie gehen muss.


© Anne Seltmann



Anne Seltmann 26.12.2025, 10.05 | (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Glitzer im Winterwald: Die Weihnachtsmaus und ihr Helfer




[Bild KI generiert / Text © Anne Seltmann]

 

Im tiefen Winterwald lag Schnee wie Zucker über den Fichten. Die Weihnachtsmaus stapfte vorsichtig durch den weißen Teppich, auf der Suche nach dem perfekten Baum. Endlich fand sie ihn: hoch und gerade, mit Ästen, die noch ungeschmückt in den Himmel ragten.

"So kann Weihnachten doch nicht beginnen", piepste sie, während sie die ersten glitzernden Kugeln hervorholte.

Plötzlich raschelte es im Unterholz, und ein Elch mit rotem Schal trat aus den Bäumen. Seine Geweihe funkelten ein wenig vom Frost. "Ich sollte eigentlich beim Schlitten helfen", murmelte er, "aber ich glaube, ich kann hier gebraucht werden."

Gemeinsam schmückten sie den Baum:

Die Maus kletterte flink an den unteren Ästen, ordnete Lametta und kleine Beeren. Der Elch reichte vorsichtig die Kugeln an die höheren Zweige, dass sie nicht zerbrachen.

Die Schneeflocken wirbelten um sie herum, wie ein leiser Applaus der Natur.

Sie lachten, als der Elch sich im Lametta verhedderte, und sie schwiegen ehrfürchtig, als die ersten Waldlichter am Abend die Kugeln zum Glitzern brachten. Am Ende trat der Elch einen Schritt  zurück, die Maus richtete die letzten Äste.

Der Baum war nicht perfekt – aber warm, lebendig und voller Zauber.

"Weihnachten", flüsterte die Maus, "ist, wenn man zusammen schmückt, egal wie groß man ist." Der Elch nickte, und gemeinsam machten sie sich auf den Heimweg.

Am nächsten Morgen leuchtete der Baum zwischen den verschneiten Tannen, und der ganze Wald schien ein wenig fröhlicher zu atmen.


© Anne Seltmann






Anne Seltmann 23.12.2025, 15.19 | (4/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

4. Advent

[Bild KI generiert / Text © Anne Seltmann]



Die Rettung des verlorenen Kätzchens

Ein besonders stürmischer Winterabend hatte ein kleines Kätzchen auf den Deich getrieben. Die Wellen schlugen hoch, der Wind peitschte durch das Fell des Tieres, und es miaute verzweifelt in der kalten Nacht. Die Nordsee-Weihnachtsschafe, die gerade von ihrem nächtlichen Rundgang zurückkehrten, spürten sofort die Not des kleinen Wesens. Mit leisen Glöckchen und vorsichtigen Schritten näherten sie sich dem Kätzchen. Ein Schaf drängte das Tier behutsam mit der Nase auf seinen Rücken, während die anderen einen schützenden Halbkreis bildeten, sodass kein Windstoß oder Sandkorn das Kätzchen verletzen konnte. Langsam, Schritt für Schritt, führten die Schafe das Tier durch die Dünen, die Wellen hinter sich lassend, die Laternen in ihren Hörnern wie Leuchtfeuer der Sicherheit. Schließlich erreichten sie ein warmes, kleines Haus am Rande des Dorfes. Die Türen öffneten sich fast von selbst, als hätten die Schafe und das Kätzchen diesen Weg schon oft gegangen. Drinnen wartete ein Korb mit Decken, und das Kätzchen schlüpfte hinein, schnurrend, zufrieden und sicher. Draußen verschwand die Schafherde leise in der Dunkelheit, so unauffällig wie sie gekommen waren.

Am nächsten Morgen lag ein feiner Schleier aus Reif über dem Dorf. Das Kätzchen erwachte im warmen Korb, streckte vorsichtig die Pfoten aus und lauschte. Kein Heulen des Windes mehr, kein Donnern der Wellen – nur das leise Knistern des Ofens und entfernte Kirchenglocken, die den Weihnachtstag begrüßten. Die Menschen im Haus bemerkten das kleine Wesen erst, als es zaghaft aus dem Korb kletterte. Verwundert, aber voller Freude nahmen sie es auf, trockneten sein Fell und gaben ihm warme Milch. Niemand wusste, woher es gekommen war, doch alle spürten, dass diese Begegnung kein Zufall war. Man nannte es "Deichstern", nach dem Licht, das es sicher durch die Nacht geführt hatte.

In den folgenden Tagen erzählten sich die Dorfbewohner leise Geschichten. Einige meinten, sie hätten in jener Nacht Schafe mit sanft leuchtenden Laternen gesehen. Andere schworen, sie hätten Glöckchen gehört, obwohl weit und breit keine Herde unterwegs war. Die Kinder lauschten mit großen Augen, und selbst die Alten nickten wissend. Und irgendwo draußen, zwischen Deich und Dünen, standen die Nordsee-Weihnachtsschafe noch einmal still beisammen. Der Wind strich sanfter über ihr Fell, der Himmel war klar, und ein paar Sterne funkelten heller als sonst. Ihre Aufgabe war erfüllt. Wieder einmal hatten sie gezeigt, dass in den dunkelsten Nächten Mitgefühl, Zusammenhalt und ein wenig Magie den Weg weisen können.

So blieb diese Geschichte im Dorf lebendig – als Erinnerung daran, dass niemand zu klein ist, um gerettet zu werden, und niemand allein, solange es Wesen gibt, die hinschauen und helfen. Besonders in der stillen Zeit des Winters, wenn Hoffnung leise kommt, wie Schritte im Schnee.




© Anne Seltmann



Anne Seltmann 21.12.2025, 00.00 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Adrian, der kleine Licht-Elch



[Bild KI generiert / Text © Anne Seltmann]



Der kleine Elch hieß Adrian, was er selbst für einen sehr erwachsenen Namen hielt, obwohl sein Geweih noch so kurz war, dass es eher wie zwei ehrgeizige Gedanken aussah. Das Problem – oder je nach Tagesform das große Glück – war: Adrians Geweih leuchtete.

Nicht stark. Nicht majestätisch.

Eher so wie eine vergessene Nachtlampe.

Das fiel erstmals auf, als Adrian sich abends im Wald verlaufen wollte (er war sehr gut darin, sich zu verlaufen) und plötzlich alle anderen Tiere stehen blieben.

"Warum ist es hier heller geworden?", fragte der Igel.

"Das bin ich", sagte Adrian entschuldigend und versuchte, den Kopf unter einen Farn zu stecken. Der Farn begann ebenfalls zu glimmen.

Von da an hatte Adrian ein Problem. Tarnung war unmöglich. Verstecken ebenso. Räuber sahen ihn schon von weitem und entschieden sich dann meist dagegen, weil niemand einem leuchtenden Elch traut. Das ist eine bekannte Regel im Wald.

Besonders schlimm wurde es nachts. Die Eulen beschwerten sich über Lichtverschmutzung, die Glühwürmchen fühlten sich in ihrer beruflichen Existenz bedroht, und einmal benutzte ein Wanderer Adrians Geweih, um eine Karte zu lesen.

"Ich bin kein Werkzeug!", rief Adrian empört, aber der Wanderer war schon weg.

Adrian versuchte alles: Schlamm, Moos, eine Mütze aus Birkenrinde. Nichts half. Sein Geweih leuchtete durch alles hindurch, freundlich, hartnäckig, ein bisschen stolz.

Irgendwann hörte Adrian auf, sich zu schämen. Er stellte sich an die dunkelste Stelle des Waldes und wartete. Nach und nach kamen die Tiere. Nicht, um ihn auszulachen – sondern um sich zu wärmen, Geschichten zu erzählen und endlich mal wieder etwas zu sehen.

Seitdem ist Adrian offiziell der Wald-Elch mit eingebauter Beleuchtung.

Er findet das okay.

Manchmal dimmt er sein Geweih.

Aber nur, wenn er schlafen will.

 

 © Anne Seltmann

 

 




Anne Seltmann 19.12.2025, 07.48 | (3/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Mäusemusik im Winterzimmer



[Bild KI generiert / Text © Anne Seltmann]



An einem stillen Winterabend standen vier kleine Weihnachtsmäuse vor einem hohen Tannenbaum, der bis zur Spitze nach Harz und Schnee roch. Ihre Pfoten waren kalt, aber ihre Herzen warm. Der Baum funkelte, als hätte er heimlich den Sternenhimmel eingesammelt und zwischen seine Zweige gesteckt.

Die Mäuse räusperten sich feierlich und begannen zu singen. Ihre Stimmen waren dünn wie Fäden, aber zusammen klangen sie mutig und hell. Der Tannenbaum lauschte so aufmerksam, dass eine Nadel vor Rührung zu Boden fiel. Mit jedem Lied schien der Raum ein wenig heller zu werden, als hätte die Dunkelheit selbst gern mitgesungen.

Als das letzte Lied verklungen war, verneigten sich die Mäuse tief. Der Baum raschelte leise zurück, und für einen Moment wussten alle: Das war Weihnachten, genau so, wie es sein sollte.


© Anne Seltmann




Anne Seltmann 16.12.2025, 10.29 | (3/1) Kommentare (RSS) | TB | PL