Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag:

Prosecco zum Frühstück

[Bild KI generiert / Text © Anne Seltmann]






ich öffnete die flasche
als wäre der morgen ein versprechen
das noch niemand ausgesprochen hatte


die bläschen stiegen
wie kleine ängste
und zerplatzten
bevor sie jemanden verletzen konnten


ich trank
nicht aus durst
sondern aus der sehnsucht
alles ein bisschen leichter zu machen


draußen lachte die straße
als hätte sie mich schon immer gekannt
und ich legte die stadt in meine hände
so vorsichtig
wie man ein glas hält
das schon einmal gefallen ist


und irgendwo zwischen dem ersten schluck
und dem zweiten atemzug
wurde der morgen länger
als er sein musste

~*~


© Anne Seltmann

 


Keinverlag.de




Anne Seltmann 10.02.2026, 08.52 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Projekt: Ich seh rot 254/2026






Zu meiner Montags-Collage "MosaikMonday"fehlte noch das Lafayette, dass ich beim Stöbern meiner Bilder noch gefunden habe.

Die Galeries Lafayette sind mehr als ein Kaufhaus – sie sind ein Erlebnis mitten in Paris. Unter der berühmten gläsernen Kuppel treffen Eleganz, Mode und Architektur aufeinander. Zwischen Luxus, Design und Pariser Flair spürt man den besonderen Zauber dieses Ortes, der selbst zum Staunen einlädt – auch ganz ohne Einkaufstaschen.

Die Galeries Lafayette beeindrucken besonders durch ihre außergewöhnliche Glaskuppel, die das Innere mit farbigem Licht durchflutet und den Blick nach oben fast automatisch anzieht. Die kunstvoll gestalteten Jugendstil-Elemente machen sie zu einem architektonischen Highlight. Entworfen wurde das Kaufhaus von den Architekten Georges Chedanne und Ferdinand Chanut, die mit der Kuppel ein Bauwerk schufen, das bis heute Eleganz, Innovation und Pariser Grandezza vereint.

Je nach Jahreszeit ist die Kuppel festlich und fantasievoll geschmückt, was jeden Besuch aufs Neue besonders macht und dem Haus immer wieder ein anderes Gesicht verleiht.





Juttas...


Anne Seltmann 10.02.2026, 06.33 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

MosaicMonday 2026 N° 03







Beim Durchstöbern meiner unzähligen Fotos fallen mir immer wieder die Paris-Bilder in die Hände. So viele, dass ich glaube, meine Rentendasein wurde eigentlich erfunden, damit ich endlich genug Zeit habe, sie zu sortieren!

 

Von links nach rechts

 

Niki-de-Saint-Phalle-Brunnen: Er liegt neben dem Centre Pompidou und besteht aus farbenfrohen, verspielten Figuren, die sich bewegen und Wasser spritzen. Entworfen wurde er von Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely und ist eines der ungewöhnlichsten und lebendigsten Kunstwerke im öffentlichen Raum von Paris.

 

Basilika Sacré-Cœur:

Sie thront auf dem Hügel von Montmartre und gehört zu den bekanntesten Wahrzeichen von Paris. Mit ihrer strahlend weißen Kuppel ist sie schon von weitem sichtbar und bietet einen der schönsten Ausblicke über die Stadt. Ende des 19. Jahrhunderts erbaut, verbindet sie romanische und byzantinische Stilelemente. Heute ist die Sacré-Cœur nicht nur ein bedeutender Wallfahrtsort, sondern auch ein beliebtes Ziel für Besucher aus aller Welt.

 

Eiffelturm:

Er ist das berühmteste Wahrzeichen von Paris und eines der bekanntesten Bauwerke der Welt. Er wurde 1889 für die Weltausstellung erbaut und ragt über 300 Meter in den Himmel. Von seinen Aussichtsplattformen bietet sich ein spektakulärer Blick über die Stadt der Liebe. Heute steht der Eiffelturm als Symbol für Paris, Frankreich und den technischen Fortschritt seiner Zeit.

 

Champ de Mars:

Der Champ de Mars bedeutet übersetzt „Marsfeld und ist nach dem römischen Kriegsgott Mars benannt. Der Name geht auf die ursprüngliche Nutzung des Geländes zurück: Im 18. Jahrhundert diente es als militärischer Exerzier- und Paradeplatz, nach dem Vorbild des antiken Campus Martius in Rom.

Später wandelte sich das Areal zu einem öffentlichen Park, wurde Schauplatz großer Ereignisse wie der Weltausstellungen und bildet heute die berühmte Blickachse auf den Eiffelturm.
Aus einem Ort des Militärs wurde so ein Platz für Spaziergänge, Begegnungen und Erholung.

Am Champ de Mars steht auch die „Mur pour la Paix (Mauer für den Frieden). Auf ihren Glassäulen ist das Wort „Frieden in 49 verschiedenen Sprachen zu lesen. Die transparente Gestaltung aus Glas symbolisiert Offenheit und Verständigung: Worte sollen verbinden, nicht trennen – Mauern sollen durchsichtig sein, nicht abschotten.

 

 

Mona Lisa im Louvre:

Der Louvre ist eines der größten und bekanntesten Museen der Welt. In dem ehemaligen Königspalast treffen Jahrhunderte von Kunst und Geschichte aufeinander. Berühmt für Werke wie die Mona Lisa, ist der Louvre heute ein kulturelles Herzstück von Paris.

Ich war völlig überrascht, wie klein das Bild der Mona Lisa tatsächlich ist. In den Medien wirkt sie riesig und allgegenwärtig, fast wie ein monumentales Kunstwerk. Direkt vor ihr zu stehen, zwischen Menschenmengen und Sicherheitsglas, fühlt sich ganz anders an – plötzlich ist sie viel intimer, fast unscheinbar. Gerade dieser Gegensatz macht die Begegnung so unerwartet.

 

Arc de Triomphe du Carrousel:

Der Arc de Triomphe du Carrousel steht zwischen dem Louvre und den Tuileriengärten. Er wurde im 19. Jahrhundert zu Ehren von Napoleons Siegen errichtet und ist kleiner als der berühmte Arc de Triomphe an der Champs-Élysées. Auf Glastafeln rund um das Denkmal ist das Wort „Frieden in vielen Sprachen der Welt zu lesen – ein stilles, modernes Zeichen im historischen Umfeld.

 



Heidruns...




Anne Seltmann 09.02.2026, 11.22 | (2/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Weisheiten am Samstag N° 89










Anne Seltmann 07.02.2026, 04.55 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Emil und die blaue Mütze

[Bild KI generiert / Text © Anne Seltmann]



Auf einem kleinen Bauernhof lebte eine Gans namens Emil. Emil war wie jede andere Gans – naja, fast wie jede andere Gans. Denn Emil trug eine knallblaue Strickmütze, sorgfältig gehäkelt von Oma Trude. Die anderen Tiere konnten es kaum fassen. „Warum trägt eine Gans eine Mütze? fragten die Hühner, während die Schweine kichernd auf dem Misthaufen rollten.

Emil aber war stolz. Jeden Morgen setzte er die Mütze auf, schüttelte den Kopf und stolzierte durch den Hof, als wäre er der König der Tierwelt. Selbst die Katze, die sonst immer die Enten jagte, blieb kurz stehen, um zu bewundern, wie die Mütze im Sonnenlicht leuchtete.

Eines Tages kündigte sich ein Wintersturm an. Schneeflocken wirbelten durch die Luft, und alle Tiere rannten in den Stall. Nur Emil stand draußen, die blaue Mütze tief ins Gesicht gezogen, und schnatterte tapfer: „Wer friert, ist selbst schuld! Stil schützt vor Kälte! Die anderen Tiere waren sprachlos, besonders der Hund, der kurz darauf überlegt, sich selbst eine Mütze zu stricken.

Am Abend beschlossen die Schweine, dass Emil wohl die coolste Gans der Welt sei. Sie versuchten, ihn zu überlisten, indem sie eine rote Mütze auf den Stallzaun legten – doch Emil schnatterte nur und stolzierte elegant vorbei. Selbst der Hahn musste zugeben: „Diese Gans hat mehr Stil als mein gesamter Federkamm!

Von diesem Tag an war Emil legendär auf dem Hof. Alle Tiere wussten: Wenn Emil die blaue Mütze trägt, ist nichts unmöglich. Und wer weiß, vielleicht hat Emil heimlich dafür gesorgt, dass die Nachbargänse sich auch Mützen besorgten – doch keine kam an sein strahlendes Blau heran.

Und so blieb Emil die Gans, die nicht nur warm, sondern auch unglaublich modisch durch jedes Abenteuer stapfte – eine Inspiration für Gänse, Schweine und Menschen gleichermaßen.

 

© Anne Seltmann


Anne Seltmann 06.02.2026, 16.13 | (3/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Das Funkeln in dir


[Bild KI generiert / Text © Anne Seltmann]





Es beginnt kaum hörbar,

ein kaum gewolltes Aufleuchten,

das sich zwischen zwei Atemzügen versteckt.

Ein Überschuss aus Stille,

der sich nicht vertreiben lässt.

 

Ich sehe, wie es sich ausbreitet,

randlos,

als wüsste es mehr über dich

als du selbst.

Manchmal hält es sich zurück,

legt sich wie Staub

auf die inneren Fenster,

wartet ab,

ob du es tragen kannst.

 

Es funkelt nicht laut,

nicht für die Welt,

es hat keinen Anspruch

auf Bühne oder Beweis.

Es spricht in Schimmern,

in winzigen Bewegungen,

wenn du glaubst, du seist allein.

 

Vielleicht merkst du es,

wenn du stolperst,

wenn plötzlich ein Gedanke

heller ist als alle anderen

und du nicht weißt,

woher er kommt.


Vielleicht auch erst später,

wenn das Licht

einen ganzen Tag lang

nicht von dir lassen will.

 

Es ist das Funkeln,

das bleibt,

wenn du dich verlierst.

Das dich findet,

wenn du zu weit gehst.

Das sich verdichtet,

wenn du brennst,

und dich hält,

wenn du zu Asche wirst.


Ein Funkeln,

das nicht fragt,

nur da ist.

Eine Art innerer Kompass,

der nicht nach Norden zeigt,

sondern nach dir

~*~


© Anne Seltmann






Anne Seltmann 06.02.2026, 07.55 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Marius Nature Thursday 2026 N° 05








Draußen ist es derzeit wahnsinnig kalt. Eine Kälte, die bis in die Gedanken zieht und die Schritte langsamer werden lässt. Dazu dieses Grau in Grau, das den Tagen ihre Konturen nimmt und selbst vertraute Wege ein wenig fremd wirken lässt. Man öffnet die Tür, atmet einmal tief ein – und überlegt es sich dann doch noch einmal, ob man wirklich hinausgehen mag.

Die Welt draußen scheint gedämpft, fast lautlos. Farben ziehen sich zurück, Geräusche ebenso. Drinnen wird das Licht wärmer, die Tasse Tee wichtiger, der Blick aus dem Fenster länger. Ich habe diese Zeit des Nicht-Hinausgehens genutzt – wir waren vom Netz getrennt, vielleicht wegen eines Kabelschadens – und habe rund 20.000 Bilder gesichtet, sortiert und ausgemistet. Eine stille, fast meditative Arbeit, die gut zu diesen grauen Tagen passte.

Vielleicht ist das genau die Zeit, in der man nicht viel vorhaben muss – außer da zu bleiben, wo es warm ist, und den Tag ein wenig leiser zu leben.



Marius...





Anne Seltmann 05.02.2026, 15.16 | (3/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Projekt: Ich seh rot 253/2026





Wartezimmer: Der Übergang zwischen Geduld und Genesung 







Anne Seltmann 03.02.2026, 07.52 | (2/2) Kommentare (RSS) | TB | PL

Niwibo sucht...rosa











Rosa ist eine Farbe, die oft unterschätzt wird. Zu weich, zu lieblich, zu harmlos – so lauten die schnellen Urteile. Doch Rosa ist kein leiser Nebenklang. Es ist eine Farbe mit Erinnerung, Widerspruch und erstaunlicher Tiefe.

Rosa entsteht aus Rot und Weiß, aus Energie und Ruhe. Vielleicht liegt genau darin seine Kraft: Es schreit nicht, es drängt sich nicht auf, aber es bleibt. Rosa wirkt dort, wo andere Farben schon fertig sind. Es berührt, statt zu überzeugen.

In der Kunst taucht Rosa immer wieder dort auf, wo Grenzen verschwimmen. Zwischen Ernst und Spiel, Stärke und Verletzlichkeit, Realität und Traum. Rosa kann trösten, aber auch irritieren. Es kann kindlich wirken oder radikal modern. Je nach Kontext verändert es seine Haltung – fast wie ein Chamäleon der Gefühle.

Gerade in surrealen Bildwelten entfaltet Rosa eine besondere Wirkung. Es macht das Ungewöhnliche zugänglich, ohne es zu erklären. Es lädt ein, genauer hinzusehen, sich einzulassen, statt sofort zu verstehen. Rosa öffnet Räume.

Vielleicht ist Rosa deshalb heute wieder so präsent: weil es keine eindeutige Antwort gibt. Weil es erlaubt, weich zu sein, ohne schwach zu wirken. Und weil es daran erinnert, dass nicht alles laut sein muss, um Bedeutung zu haben.



Niwibo sucht...





Anne Seltmann 02.02.2026, 06.21 | (4/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Miesepiet Teil V.



[Bild KI generiert / Text © Anne Seltmann] 




Miesepiet war gerade dabei, sich über den viel zu sonnigen Vormittag zu ärgern, als er sie sah.
Neben einer "riesigen Kirsche", die völlig unangemessen fröhlich rot glänzte, stand ein Erdmännchen-Weibchen. Auf dem Kopf trug sie einen "Strohhut mit Blumen", als hätte sie ihn nur angezogen, um sich noch entschlossener gegen gute Laune zu wehren.

Sie stiefelte im Kreis um die Kirsche herum und murmelte vor sich hin.
„Zu groß, knurrte sie. „Viel zu groß. Wer braucht denn bitte so eine Kirsche.

Miesepiet blieb stehen.
Endlich jemand mit Verstand.

„Genau, sagte er. „Völlig übertrieben. Und bestimmt sauer.

Das Weibchen blieb abrupt stehen und musterte ihn. Ihre Augen waren genauso mürrisch wie seine, nur ein kleines bisschen neugieriger.

„Du bist also auch keiner von denen, die alles gleich toll finden?, fragte sie.

„Im Gegenteil, sagte Miesepiet. „Ich finde fast alles unnötig.

Sie nickte zufrieden.
„Ich heiße übrigens Frieda, sagte sie. „Und ich bin grundsätzlich missmutig.

Das gefiel Miesepiet außerordentlich.

Gemeinsam setzten sie sich in den Schatten der Kirsche. Nicht, um sie zu bewundern – sondern um sich darüber zu beschweren, wie unpraktisch sie war. Zu rund. Zu prall. Zu optimistisch.

Doch während sie schimpften, passierte etwas Seltsames.
Das Schimpfen wurde ruhiger.
Die Pausen länger.
Und irgendwann lachten sie. Ganz kurz nur. Fast aus Versehen.

„Merkwürdig, murmelte Frieda. „Zu zweit ist das Missmutigsein irgendwie… weniger anstrengend.

Miesepiet dachte nach.
Das gefiel ihm gar nicht.
Und irgendwie doch.

Sie beschlossen, noch ein Stück gemeinsam weiterzustiefeln.
Nicht, weil sie plötzlich gut gelaunt waren.
Sondern weil es einfacher war, gemeinsam schlecht gelaunt zu sein.

Und die riesige Kirsche?
Die blieb zurück – ein bisschen beleidigt, aber das war sie ja inzwischen gewohnt. 


© Anne Seltmann


Anne Seltmann 31.01.2026, 09.50 | (2/1) Kommentare (RSS) | TB | PL