Ausgewählter Beitrag

Heute habe ich diesen Satz tatsächlich zum ersten Mal gehört – und war kurz irritiert:
„Die Glocken fliegen nach Rom.
Ähm… bitte was?
Tun sie natürlich nicht. Also keine Sorge, du hast noch nie heimlich eine startende Kirchenglocke verpasst. Aber die Geschichte dahinter ist tatsächlich ziemlich charmant. Rund um den Gründonnerstag passiert nämlich etwas Ungewöhnliches: Die Kirchenglocken verstummen. Einfach so. Kein Läuten mehr, keine vertrauten Klänge. Funkstille. Und weil Menschen schon immer gut darin waren, sich für alles eine Erklärung auszudenken (vor allem eine schöne), kam diese Idee auf: Die Glocken sind nicht weg – sie sind nur auf Reisen. Und zwar in Rom.
Warum ausgerechnet Rom? Nun ja, das ist sozusagen das „Headquarter der katholischen Kirche. Dort sitzen der Papst und der Vatikan. Wenn Glocken also irgendwo hinfliegen, dann bitte mit Stil und Ziel. In der Vorstellung fliegen sie dorthin, holen sich eine Art himmlischen Stempel ab – und kommen pünktlich zu Ostern zurück. Frisch, erholt und bereit für ein großes Comeback.
Und jetzt kommt der beste Teil: Früher hat man Kindern erzählt, dass die Glocken auf dem Rückweg Ostereier mitbringen Also quasi: himmlischer Lieferservice mit Süßigkeiten-Flatrate. Während die Glocken unterwegs sind, wird ihr Job übrigens nicht einfach gestrichen. In manchen Orten springen Kinder ein – mit Ratschen und Klappern. Klingt weniger elegant als eine Glocke, erfüllt aber seinen Zweck (und macht definitiv wach).
Was bleibt, ist eine wunderbar schräge, aber auch schöne Tradition: Die Glocken schweigen nicht einfach – sie machen Urlaub. In Rom. Mit Rückflug zu Ostern. Und ganz ehrlich: Wenn man sich schon eine Erklärung ausdenkt, dann doch bitte so eine!
Anne Seltmann 02.04.2026, 09.59
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