Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag:

Projekt: Ich seh rot 253/2026





Wartezimmer: Der Übergang zwischen Geduld und Genesung 







Anne Seltmann 03.02.2026, 07.52 | (2/2) Kommentare (RSS) | TB | PL

Niwibo sucht...rosa











Rosa ist eine Farbe, die oft unterschätzt wird. Zu weich, zu lieblich, zu harmlos – so lauten die schnellen Urteile. Doch Rosa ist kein leiser Nebenklang. Es ist eine Farbe mit Erinnerung, Widerspruch und erstaunlicher Tiefe.

Rosa entsteht aus Rot und Weiß, aus Energie und Ruhe. Vielleicht liegt genau darin seine Kraft: Es schreit nicht, es drängt sich nicht auf, aber es bleibt. Rosa wirkt dort, wo andere Farben schon fertig sind. Es berührt, statt zu überzeugen.

In der Kunst taucht Rosa immer wieder dort auf, wo Grenzen verschwimmen. Zwischen Ernst und Spiel, Stärke und Verletzlichkeit, Realität und Traum. Rosa kann trösten, aber auch irritieren. Es kann kindlich wirken oder radikal modern. Je nach Kontext verändert es seine Haltung – fast wie ein Chamäleon der Gefühle.

Gerade in surrealen Bildwelten entfaltet Rosa eine besondere Wirkung. Es macht das Ungewöhnliche zugänglich, ohne es zu erklären. Es lädt ein, genauer hinzusehen, sich einzulassen, statt sofort zu verstehen. Rosa öffnet Räume.

Vielleicht ist Rosa deshalb heute wieder so präsent: weil es keine eindeutige Antwort gibt. Weil es erlaubt, weich zu sein, ohne schwach zu wirken. Und weil es daran erinnert, dass nicht alles laut sein muss, um Bedeutung zu haben.



Niwibo sucht...





Anne Seltmann 02.02.2026, 06.21 | (4/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Montagsherz N° 652







Die bemalten Steine – kleine Zeichen mit großer Wirkung

Die Aktion, bei der bemalte Steine im öffentlichen Raum ausgelegt wurden, entstand aus dem Wunsch heraus, Menschen im Alltag ein unerwartetes, positives Zeichen zu schenken. Ursprünglich ging es weniger um Kunst im klassischen Sinn als um Gemeinschaft, Achtsamkeit und ein stilles Miteinander. Wer einen Stein fand, durfte sich freuen, ihn behalten oder weitertragen und an einem anderen Ort wieder auslegen.

Besonders während schwieriger Zeiten – etwa in Phasen sozialer Distanz – wurden die Steine zu kleinen Botschaftern: Sie zeigten, dass jemand an jemanden denkt, ohne zu wissen, wer es sein wird. Farben, Symbole oder kurze Worte machten aus gewöhnlichen Steinen persönliche Glücksmomente.

So wurde aus einer einfachen Idee eine stille Bewegung: anonym, freundlich, niedrigschwellig. Die bemalten Steine verbanden Menschen, ohne dass sie sich begegnen mussten – und erinnerten daran, dass selbst kleine Gesten Spuren hinterlassen können.


Ursprung: ca. 2015 in den USA

Name: Kindness Rocks Project



Nächster Termin:

16. Februar 2026










Anne Seltmann 02.02.2026, 00.00 | (7/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Miesepiet Teil V.



[Bild KI generiert / Text © Anne Seltmann] 




Miesepiet war gerade dabei, sich über den viel zu sonnigen Vormittag zu ärgern, als er sie sah.
Neben einer "riesigen Kirsche", die völlig unangemessen fröhlich rot glänzte, stand ein Erdmännchen-Weibchen. Auf dem Kopf trug sie einen "Strohhut mit Blumen", als hätte sie ihn nur angezogen, um sich noch entschlossener gegen gute Laune zu wehren.

Sie stiefelte im Kreis um die Kirsche herum und murmelte vor sich hin.
„Zu groß, knurrte sie. „Viel zu groß. Wer braucht denn bitte so eine Kirsche.

Miesepiet blieb stehen.
Endlich jemand mit Verstand.

„Genau, sagte er. „Völlig übertrieben. Und bestimmt sauer.

Das Weibchen blieb abrupt stehen und musterte ihn. Ihre Augen waren genauso mürrisch wie seine, nur ein kleines bisschen neugieriger.

„Du bist also auch keiner von denen, die alles gleich toll finden?, fragte sie.

„Im Gegenteil, sagte Miesepiet. „Ich finde fast alles unnötig.

Sie nickte zufrieden.
„Ich heiße übrigens Frieda, sagte sie. „Und ich bin grundsätzlich missmutig.

Das gefiel Miesepiet außerordentlich.

Gemeinsam setzten sie sich in den Schatten der Kirsche. Nicht, um sie zu bewundern – sondern um sich darüber zu beschweren, wie unpraktisch sie war. Zu rund. Zu prall. Zu optimistisch.

Doch während sie schimpften, passierte etwas Seltsames.
Das Schimpfen wurde ruhiger.
Die Pausen länger.
Und irgendwann lachten sie. Ganz kurz nur. Fast aus Versehen.

„Merkwürdig, murmelte Frieda. „Zu zweit ist das Missmutigsein irgendwie… weniger anstrengend.

Miesepiet dachte nach.
Das gefiel ihm gar nicht.
Und irgendwie doch.

Sie beschlossen, noch ein Stück gemeinsam weiterzustiefeln.
Nicht, weil sie plötzlich gut gelaunt waren.
Sondern weil es einfacher war, gemeinsam schlecht gelaunt zu sein.

Und die riesige Kirsche?
Die blieb zurück – ein bisschen beleidigt, aber das war sie ja inzwischen gewohnt. 


© Anne Seltmann


Anne Seltmann 31.01.2026, 09.50 | (2/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Weisheiten am Samstag N° 88








Juttas...


Anne Seltmann 31.01.2026, 07.50 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

In meinen Träumen

[mit Photoshop bearbeitet]





In meinen Träumen
sind die Wege leise,
und das, was schwer war,
legt sich ab
wie Staub im Abendlicht.

 

Ein Vogel zieht Gedankenfäden
durch den Himmel,
bindet sie
an das sanfte Ufer
meiner Hoffnung.

 

Ich atme weit -
und spüre,
wie die Stille
mich nicht mehr fürchtet
und ich sie auch nicht.

 

Dann werden Worte
zu kleinen Gärten,
und das Herz
setzt seine Schritte
behutsam
und dennoch mutig.

 

Und wenn ich erwache,
bleibt ein Funken
dieser stillen Klarheit -
wie Morgentau,
der sagt:
Du kannst neu beginnen.

~*~

© Anne Seltmann






Anne Seltmann 29.01.2026, 13.55 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Marius Nature Thursday 2026 N° 04





Es schneit in meinen Gedanken

 

es schneit
nicht laut
eher zögernd

 

gedanken
werden langsamer
unter der last
von weiß

 

nichts will jetzt
dringend sein

 

worte
landen
und bleiben liegen

 

alles
was eben noch scharf war
verliert die kanten

 

zeit
setzt sich
zwischen zwei atemzüge

 

und ich
bin da
ohne erklärung

 

nur
dort
wo nichts drängt

 

nur
gehalten
von ruhe

~*~


© Anne Seltmann











Anne Seltmann 29.01.2026, 05.34 | (2/2) Kommentare (RSS) | TB | PL

Maritimer Mittwoch N° 245


[Bild KI generiert / Text © Anne Seltmann]


Thula und das Meer

 

Thula war ein kleines Wal-Mädchen mit einer Stimme, die noch nicht wusste, wie groß sie einmal werden würde. Wenn sie sang, klang es mehr wie ein Atemzug als wie ein Lied. Trotzdem liebte das Meer ihre Töne.

Thula lebte dort, wo das Wasser tiefblau wird und die Strömungen langsam erzählen. Ihre Mutter sagte immer:
„Das Meer hört zu, auch wenn es still ist.

Thula glaubte das. Sie sang dem Licht, das von oben fiel. Sie sang den schlafenden Quallen gute Träume. Und manchmal, wenn niemand hinsah, sang sie einfach nur für sich.

Doch Thula hatte eine Sorge. Die anderen jungen Wale übten große Lieder – lange, kräftige Gesänge, die weit durch den Ozean trugen. Thulas Stimme dagegen blieb klein. Zart. Fast schüchtern.

Eines Tages schwamm Thula allein hinaus, dorthin, wo die Stille größer war als die Strömung. Sie legte sich zwischen zwei alte Felsen und hörte zu. Dem Knacken des Eises in der Ferne. Dem sanften Ziehen der Gezeiten. Dem leisen Puls des Wassers.

Und dann sang sie.

Nicht laut. Nicht lang.
Nur ehrlich.

Das Meer hielt den Atem an.

Die Strömungen wurden langsamer, als wollten sie nichts verpassen. Ein Schwarm kleiner Fische blieb stehen, wie hingemalt. Sogar das Licht schien einen Moment zu verweilen.

Thulas Lied erzählte nichts von Größe oder Stärke. Es erzählte davon, wie es ist, klein zu sein und trotzdem da. Wie es sich anfühlt, seinen Platz zu suchen, ohne zu wissen, wie er aussieht.

Als Thula zurückkehrte, warteten die anderen Wale bereits. Sie hatten nichts gehört – und doch etwas gespürt. Ruhe. Wärme. Ein Gefühl von Angekommensein.

Von diesem Tag an wusste Thula:
Man muss nicht laut sein, um gehört zu werden.
Man muss nicht groß sein, um Spuren zu hinterlassen.

Und irgendwo tief im Ozean, zwischen Strömung und Stille, trägt das Meer bis heute ein kleines Lied.
Es heißt Thula.

 



Angelas...



Anne Seltmann 28.01.2026, 06.01 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Projekt: Ich seh rot 252/2026










Alles Theater

 

staub im licht

der probe

 

bretter

die schon mehr wissen

als wir

 

stimmen

wärmen sich

an fremden sätzen

 

ein schritt zu viel

und es wird rolle

 

kostüme hängen

geduldig

voller möglichkeiten

 

hinter dem vorhang

atmen wir anders

 

lampen

machen aus nervosität

präsenz

 

applaus

ist ein geräusch

für später

 

jetzt

stehen wir da

im spiel

 

und hoffen

dass etwas von uns

durchkommt

~*~

© Anne Seltmann













Anne Seltmann 27.01.2026, 14.09 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Miesepiet Teil IV.


[Bild KI generiert / Text © Anne Seltmann]




Obwohl Miesepiet ein kleines bisschen öfter lächelte, blieb ein Problem bestehen.
Seine Kleidung. Fand er!
Jeden Morgen hing sie da: die blauweiß gestreifte Matrosenkleidung. Fröhlich. Ordentlich. Viel zu gut gelaunt. Schon beim Anziehen verzog Miesepiet das Gesicht.
"Zu blau", murmelte er. "Viel zu blau."
Er versuchte es eine Weile tapfer. Aber irgendwann beschlossen die anderen Erdmännchen, ihm etwas Neues zu schenken. "Vielleicht braucht Miesepiet einfach eine andere Farbe", sagte seine Freundin Flitzeflink. Und so bekam er eines Tages ein grünes Outfit.
Grün wie Gras. Grün wie Hoffnung. Grün wie "Alles wird gut".
Miesepiet zog es an, betrachtete sich im Spiegel eines alten Blechtellers und seufzte.
Das Grün fühlte sich an, als würde es von ihm erwarten, fröhlich zu sein. Als müsste er wachsen, sich freuen, aufspringen. Das wollte er nicht. Er wollte einfach nur sein.
Also kam das nächste Geschenk.
Ein rosa Hemd. Ein rosa Schal. Ganz weich. Ganz lieb gemeint.
Miesepiet erschrak so sehr, dass er fast rückwärts vom Stein fiel. Rosa! Das war zu viel. Rosa fühlte sich an wie ein Dauerlächeln, das man nicht absetzen konnte. Er zog es sofort wieder aus und schüttelte sich.
"Nein", sagte er leise. "Das bin ich nicht."
Am nächsten Morgen machte Miesepiet etwas Ungewöhnliches. Er ging allein los, ein Stück weg vom Bau, dorthin, wo die Erde still und staubig war. Wo Steine lagen, alt und ruhig. Wo alles ein bisschen grau aussah.
Und da wusste er es.
Grau war perfekt.
Nicht traurig. Nicht fröhlich. Einfach ruhig. Grau versprach nichts und verlangte nichts. Grau war wie ein tiefer Atemzug.
Von diesem Tag an wollte Miesepiet alles grau haben.
Graue Hose. Graues Hemd. Graue Mütze. Sogar graue Socken.
Die anderen Erdmännchen wunderten sich. "Bist du jetzt noch mieser?", fragten sie vorsichtig.
Miesepiet schüttelte den Kopf.
"Nein", sagte er. "Jetzt passt es."
Und tatsächlich: Seit er grau trug, war Miesepiet nicht fröhlicher - aber zufriedener. Er schimpfte leiser. Er saß ruhiger auf seinem Stein. Manchmal setzte er seine graue Mütze auf, stieg in sein Boot und ließ sich treiben.
Denn Miesepiet hatte gelernt:
Man muss nicht bunt tragen, um glücklich zu sein.
Es genügt, die Farbe zu wählen, die dem eigenen Bauchgefühl folgt.


© Anne Seltmann



Anne Seltmann 26.01.2026, 17.15 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL