Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Gedicht

In meinen Träumen

[mit Photoshop bearbeitet]





In meinen Träumen
sind die Wege leise,
und das, was schwer war,
legt sich ab
wie Staub im Abendlicht.

 

Ein Vogel zieht Gedankenfäden
durch den Himmel,
bindet sie
an das sanfte Ufer
meiner Hoffnung.

 

Ich atme weit -
und spüre,
wie die Stille
mich nicht mehr fürchtet
und ich sie auch nicht.

 

Dann werden Worte
zu kleinen Gärten,
und das Herz
setzt seine Schritte
behutsam
und dennoch mutig.

 

Und wenn ich erwache,
bleibt ein Funken
dieser stillen Klarheit -
wie Morgentau,
der sagt:
Du kannst neu beginnen.

~*~

© Anne Seltmann






Anne Seltmann 29.01.2026, 13.55 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Marius Nature Thursday 2026 N° 04





Es schneit in meinen Gedanken

 

es schneit
nicht laut
eher zögernd

 

gedanken
werden langsamer
unter der last
von weiß

 

nichts will jetzt
dringend sein

 

worte
landen
und bleiben liegen

 

alles
was eben noch scharf war
verliert die kanten

 

zeit
setzt sich
zwischen zwei atemzüge

 

und ich
bin da
ohne erklärung

 

nur
dort
wo nichts drängt

 

nur
gehalten
von ruhe

~*~


© Anne Seltmann











Anne Seltmann 29.01.2026, 05.34 | (2/2) Kommentare (RSS) | TB | PL

Zwischen den Zeilen


[KI generiertes bild / Text © Anne Seltmann] 





(an meine gesammelten Liebesbriefe)

sie liegen da,
in ihrer stillen ordnung,
nicht alphabetisch,
sondern nach herzschlag –
so wie man findet,
was man nicht gesucht hat.

deine worte,
sie sind geblieben,
in ihrer eigenen stimme,
leicht geneigt,
wie dein kopf,
wenn du lachst.

ich falte einen auf,
und der tag wird weicher,
wie licht,
das sich im vorhang verfängt
und bleibt.

die tinte hat nichts verloren,
sie riecht noch nach dir,
nach kaffeepausen
und nach dem zögern
vor dem ersten "ich liebe dich".

ich lese langsam,
weil jedes wort
wie ein fenster ist –
dahinter ein garten,
ein blick,
ein wir,
das geblieben ist,
auch wenn die jahre
weitergehen.

es ist nicht wehmütig,
dieses sammeln,
es ist ein aufbewahren
wie von licht
in alten gläsern –
dein versprechen,
meine antwort,
unser ort.

und manchmal
lege ich meine hand
auf einen dieser briefe
und spüre
dich zurückschreiben.

~*~

© Anne Seltmann






keinverlag.de





Anne Seltmann 25.01.2026, 05.52 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Marius Nature Thursday 2026 N° 03






 

In Eis und Schnee

in eis und schnee
ruht alles,
was einmal bewegung war.

 

kälte hält fest,
was sonst vergeht.
zeit steht still
zwischen weiß
und schweigen.

 

nichts drängt,
nichts verlangt.
nur das dasein
im frost.

 

in eis und schnee
wird das leise
sichtbar.

~*~

© Anne Seltmann



 

Marius...



Anne Seltmann 22.01.2026, 05.38 | (4/2) Kommentare (RSS) | TB | PL

Maritimer Mittwoch N° 244






still ruht der see.
ein moment,
der sich selbst genügt.

 

das licht hält den atem an,
legt sich flach
auf die haut des wassers.

 

ein gedanke treibt vorbei,
ohne wellen zu machen.
man könnte ihn festhalten,
aber man lässt ihn.

 

am ufer nichts,
was drängt.
nur zeit,
die sich selbst zuhört.

 

der see weiß nichts von uns.
und genau darin
liegt seine ruhe.


~*~

© Anne Seltmann









Anne Seltmann 21.01.2026, 05.44 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Marius Nature Thursday 2026 N° 02






Inventar der Bäume

Heute tragen die Bäume
ihr zweites Gewicht.

Nicht das der Jahre,
nicht das der Ringe,
sondern ein helles,
geliehenes Weiß.

Jeder Ast
ein vorsichtiges Regal,
auf dem der Winter
sein Geschirr abstellt.

Die Fichten stehen da
wie Tiere, die gelernt haben
ganz still zu atmen.

Birken –
mit Schultern aus Schnee,
als hätten sie sich
für etwas entschuldigt.

Der Garten wird langsam
zu einem Archiv
von Formen, die sonst
nur der Wind kennt.

Man könnte meinen,
die Stämme hörten zu,
wie die Flocken
leise ihren Namen sagen.

Unter der Last
beugen sie sich
in einer geduldigen Grammatik:
Satzzeichen aus Holz und Kälte.

Ich gehe hindurch
und trage das Knirschen
an den Schuhen davon,
als kleine Beweise.

Gegen Abend
wird alles schwerer,
auch das Licht.

Dann hängen die Bäume
voller Schnee
wie unausgesprochene Sätze –
schön
und ein wenig gefährdet.

~*~


© Anne Seltmann







Anne Seltmann 15.01.2026, 10.37 | (2/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Als ich den Mond trug



[Bild KI generiert / Text © Anne Seltmann]






ich legte meine hände
unter die nacht
als wäre sie ein tier,
scheu
und von fernem wasser

 

der mond hing dort
nicht wie ein zeichen
sondern wie ein atem,
unentschlossen
zwischen gehen und bleiben

 

ich sagte nichts
damit er nicht kleiner wird
ich zählte nur die stellen
an denen das licht
nicht mehr wusste, wohin

 

später
war er schwerer als gedacht
schwer wie erinnerungen,
die man zu lange
im stillen dreht

 

ich trug ihn
ein stück durch die straßen,
über die dächer,
bis er anfing
mich zu tragen

 

und irgendwo
zwischen schatten und schlaf
ließ ich ihn los -

 

und die nacht
hüllte mich ein

und blieb

 

~*~

© Anne Seltmann















Anne Seltmann 05.01.2026, 05.02 | (3/2) Kommentare (RSS) | TB | PL

Maritimer Mittwoch N° 242








das boot
liegt am strand
die planken müde
vom salz und wind

 

kein mensch
kein laut
nur das weiche
rauschen der see

 

ich gehe näher
die einsamkeit
legt sich wie ein tuch
über meine schultern

 

ein moment
der bleibt
zwischen land und wasser
zwischen gehen
und ankommen


~*~

© Anne Seltmann











Anne Seltmann 31.12.2025, 07.55 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Ein Weihnachtsgruß









Wenn die Tage leiser werden
und das Licht weicher fällt,
möge ein Moment der Ruhe
bei euch einkehren.

Ich wünsche euch Weihnachten
mit kleinen Wundern,
warmen Gedanken
und Augenblicken,
die bleiben dürfen.

Danke, dass ihr hier lest,
mitgeht, innehaltet.
Möge euch das kommende Jahr
sanft begegnen.


Frohe Weihnachten!






Anne Seltmann 24.12.2025, 01.00 | (6/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Maritimer Mittwoch N° 240






ich träume mich an den strand,
nicht in postkartenfarben,
sondern in diese leise fläche,
die von weite spricht,
ohne ein wort zu kennen.

 

das meer nimmt meine gedanken auf,
wie ein archiv der dinge,
die nie gesagt wurden.
es lässt sie treiben,
knapp unter der oberfläche,
wo sie nicht entscheiden müssen
zwischen sinken und schweben.

 

ich träume mich an den strand,
wo jede welle ein versuch ist,
neu zu beginnen,
wo das salz sich mischt
mit dem, was ich festhalte
und dem, was ich endlich loslasse.

 

vielleicht bin ich nicht angekommen.
vielleicht reicht es,
in der bewegung zu bleiben,
dorthin zu träumen,
wo das meer spricht:
wirf dich hinein.
ich trag dich eine weile.


~*~


© Anne Seltmann



 




Anne Seltmann 26.11.2025, 08.38 | (7/5) Kommentare (RSS) | TB | PL