Tag: Zeilen


(an meine gesammelten Liebesbriefe)
sie liegen da,
in ihrer stillen ordnung,
nicht alphabetisch,
sondern nach herzschlag –
so wie man findet,
was man nicht gesucht hat.
deine worte,
sie sind geblieben,
in ihrer eigenen stimme,
leicht geneigt,
wie dein kopf,
wenn du lachst.
ich falte einen auf,
und der tag wird weicher,
wie licht,
das sich im vorhang verfängt
und bleibt.
die tinte hat nichts verloren,
sie riecht noch nach dir,
nach kaffeepausen
und nach dem zögern
vor dem ersten "ich liebe dich".
ich lese langsam,
weil jedes wort
wie ein fenster ist –
dahinter ein garten,
ein blick,
ein wir,
das geblieben ist,
auch wenn die jahre
weitergehen.
es ist nicht wehmütig,
dieses sammeln,
es ist ein aufbewahren
wie von licht
in alten gläsern –
dein versprechen,
meine antwort,
unser ort.
und manchmal
lege ich meine hand
auf einen dieser briefe
und spüre
dich zurückschreiben.
~*~
© Anne Seltmann

Anne Seltmann 25.01.2026, 05.52 | (0/0) Kommentare | TB | PL


Papier vergilbt schnell,
doch was einst das Herz schrieb, bleibt-
für immer bewahrt.
~*~

Anne Seltmann 24.08.2024, 10.29 | (3/1) Kommentare (RSS) | TB | PL