Thema: EigeneWortPerlen


ich gehe nicht
ich treibe
über Städte aus Atem
unter mir zerspringt die Zeit
in Spiegeln aus Glas
mein Fuß tastet
nach dem nächsten Gedanken
weich liegt er da
ein Polster aus Vielleicht
du sagst
der Himmel sei oben
doch ich sehe ihn
in deinem Blick
wenn du versuchst
mich zu halten
ich binde meine Träume
an Vögel mit Papierfedern
und schicke sie
durch Ritzen im Licht
zwischen Regennerv
und Windgesicht
ich bin keine
die landet
nur eine Spur
aus Wasser
über deinem Tag
~*~
© Seltmann

Anne Seltmann 10.06.2025, 15.34 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Die Luft war schwer über dem verfluchten Planeten Moraband, einst Heimatwelt der Sith. Der Wind trug Flüstern durch die staubigen Täler, wo die dunkle Seite wie ein Fluch lauerte – uralt, hungrig, ewig.
Yoda stand allein am Rand eines gewaltigen Kraters, sein brauner Umhang flatterte im Wind, das Licht seines Gehstocks war gedämpft. Er war nicht zum ersten Mal hier. Aber diesmal war es anders. Diesmal war das Dunkel wach.
900 Jahre Weisheit lasteten auf seinen Schultern. Doch nicht die Zeit war es, die ihn beugte – es war die Erkenntnis, dass die Macht im Gleichgewicht war, aber das Gleichgewicht stets wankte.
Ein Flüstern – nicht vom Wind. Sondern aus der Tiefe.
"Großer Meister… du bist zu spät."
Aus dem Schatten trat eine Gestalt, gehüllt in schwarzen Nebel. Kein Körper, nur Absicht, nur Hass. Es war der letzte Funke eines längst gefallenen Sith-Lords. Doch sein Wille war stark – stark genug, um das Gewebe der Macht zu durchdringen.
Yoda schloss die Augen. Nicht mit dem Lichtschwert sollte er kämpfen, sondern mit dem Herzen.
"Licht und Dunkel – zwei Seiten, eins sie sind. Doch die Wahl, entscheiden wir."
„Deine Zeit ist vorbei, alter Jedi! Bald wird die Galaxis erneut brennen!“
Da hob Yoda die Hand. Nicht in Zorn. Nicht im Angriff. Sondern in Mitgefühl.
Die Dunkelheit zuckte, verwirrt, geschwächt.
"Verloren, du bist. Doch vergehen musst du nicht. Ruhen darfst du."
Ein Moment der Stille. Dann zerfiel die Schattenfigur zu Asche im Wind. Nicht besiegt – erlöst.
Yoda wandte sich ab. Der Wind hatte aufgehört zu flüstern.
In der Ferne warteten Sterne. Und ein Schüler. Luke.
Die Zukunft war nicht gewiss. Doch die Hoffnung – sie lebte.

"Yoda – Die Flamme des Wissens" Teil I.
Nach der Begegnung auf Moraband verließ Yoda den düsteren Planeten wortlos. Seine Reise führte ihn tief in die Outer Rim Territories – zu einem Ort, der nur noch in den Fragmenten vergessener Holocrons existierte: dem Tempel von Auratera.
Versteckt in einem Wald aus leuchtenden Kristallen, lebte dort einst ein uraltes Volk, das die Macht nicht lenkte, sondern mit ihr sang. Es war gesagt, dass wer ihre Hymne verstand, einen Blick in das Wesen der Zeit werfen könne.
Yoda näherte sich dem Tempel in der Dämmerung. Die Kristalle summten, als spürten sie ihn. Jeder seiner Schritte ließ das Licht pulsieren – nicht hell, sondern warm, wie Atem.
Im Inneren des Tempels, unter einer Kuppel aus schwebendem Gestein, ruhte eine leuchtende Flamme. Kein Feuer aus Hitze, sondern aus Erinnerung.
Er trat näher.
Stimmen – zahllos. Jedi, die gefallen waren. Padawane, die nie zurückkehrten. Meister, deren Namen vergessen waren. Sie sprachen nicht in Furcht, sondern in Stille. In Hoffnung.
Yoda setzte sich im Lotussitz, schloss die Augen.
"Nicht kämpfen… verstehen. Nicht beherrschen… lauschen. Lehren, nicht herrschen."
In der Flamme erschien ein Gesicht – jung, ungestüm, voller Fragen. Luke.
Die Zukunft.
Yoda lächelte. Nicht über das, was er sah – sondern über das, was er geben konnte.
Als er den Tempel verließ, sang der Wald für ihn. Und die Flamme blieb. Ruhig. Bereit für den Nächsten.

Yoda – Die Flamme des Wissens II.
Der Wind heulte über die alten Felsen von Dagobah wie eine Stimme aus ferner Zeit. Yoda saß unbewegt auf der Wurzel eines knorrigen Baums, die Flamme noch immer schwebend über seiner geöffneten Hand. Sie war kleiner geworden – nicht schwächer, sondern konzentrierter.
"Wissen“, flüsterte er, "kein Besitz ist es – ein Fluss ist es, durch uns strömend, wenn bereit wir sind."
Ein Schwarm leuchtender Wesen, kaum größer als Lichtfunken, stieg aus dem Sumpfnebel auf und schwebte um ihn. Die Natur antwortete auf seine Stille.
Dann trat Luke aus dem Dämmerlicht. Jünger noch, unruhig, hungrig nach Antworten.
"Meister, was ist das?", fragte er und deutete auf die Flamme.
Yoda blickte ihn an, seine Augen wie alte Monde, wissend und mild.
"Die Flamme des Wissens – nährt dich nicht, wenn gierig du bist. Wärmt dich nur, wenn Demut in dir brennt."
Luke trat näher, spürte die Hitze nicht auf der Haut, sondern im Herzen.
"Kann ich sie tragen?", fragte er.
Yoda neigte den Kopf.
"Tragen – nein. Weitergeben – vielleicht."
Dann blies Yoda sanft in die Flamme – sie löste sich auf, als Nebel im ersten Licht. Doch ein Funke blieb zurück, tanzte in der Luft und senkte sich in Lukes Brust.
Ein neues Kapitel begann – nicht mit Lichtschwert, nicht mit Krieg – sondern mit der Erkenntnis, dass Wissen mehr sei als Macht.
Der Sumpf schwieg. Doch in seinem Schweigen hallte etwas nach:
Leise Worte. Eine alte Stimme.
"Lernen du musst … bis das Licht in dir leuchtet – und in anderen."
© Anne Seltmann
Anne Seltmann 09.06.2025, 18.06 | (3/3) Kommentare (RSS) | TB | PL

In einem bunten Garten, wo der Sommer wohnt und der Wind leise Geschichten erzählt, lebte eine kleine Biene namens Billa. Während ihre Schwestern summend Nektar sammelten und fleißig Pollen in die Waben trugen, hatte Billa eine ganz besondere Leidenschaft: Sie liebte es, an Blumen zu riechen.
Nicht irgendein flüchtiges Schnuppern—nein! Billa schwebte von Blüte zu Blüte, versenkte ihr winziges Näschen in jede einzelne und sog den Duft tief ein.
"Mohn riecht nach Morgenrot!", flüsterte sie selig.
"Lavendel riecht wie eine Umarmung."
"Und Flieder… Flieder duftet wie ein Traum, den man fast vergessen hätte."
Die anderen Bienen summten irritiert: "Billa! Der Honig macht sich nicht von allein!"
Doch Billa kicherte nur, tanzte eine kleine Pirouette auf einer Ringelblume und sagte:
"Aber wer riecht die Welt nicht, der lebt nur halb!"
Eines Tages, als ein Sommersturm aufzog, flüchteten alle Tiere unter Blätter, in Borkenritzen oder Bienenstöcke. Nur Billa zögerte. Denn im Wind lag ein Duft, so zart und neu, dass sie ihm folgen musste.
Und so fand sie—geschützt unter einem alten Rosenbusch—eine Blume, die noch nie jemand zuvor gesehen hatte: schimmernd, duftend, leise summend wie ein Lied.
Als der Sturm vorüberzog, führte Billa ihre Schwestern zu dieser Blume. Sie rochen. Sie staunten. Und plötzlich begriffen sie, was Billa gemeint hatte: Manchmal ist der süßeste Honig der, den die Nase zuerst findet.
Von diesem Tag an wurde Billa nicht mehr belächelt.
Sie war: die Duftfinderin des Gartens.
Und jedes Mal, wenn jemand tief einatmet und lächelt—vielleicht hat Billa genau dort vorher geschnuppert.
© Anne Seltmann
Anne Seltmann 05.06.2025, 08.09 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Anne Seltmann 03.06.2025, 05.35 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL


zwischen zwei atemzügen
kommt ein flieger
aus falten gemacht
aus dem, was man
nicht mehr sagen konnte
sie schaut ihm nach
mit diesen augen
die alles verstehen
was nie geschrieben wird
eine botschaft landet
auf ihrem kleid
„liebe“ steht da
nur das wort –
keine erklärung
der wind nimmt
was bleibt
und sie
bleibt auch

Anne Seltmann 31.05.2025, 05.42 | (0/0) Kommentare | TB | PL


und da liegt sie
weiß wie nicht gewollt
wie noch nicht gefunden
zwischen tintenatem und
dem zittern der hand
eine seite ist
nicht nichts
sie ist atemzug vor dem wort
das sich duckt
in den rändern der möglichkeit
du siehst sie
aber sie sieht dich auch
und fragt:
wer bist du
wenn ich dich noch nicht halte
vielleicht ist leere
nur eine andere form
von zuhören
vielleicht ist sie
die weichste form
von schreien
~*~
© Anne Seltmann

Anne Seltmann 30.05.2025, 14.35 | (0/0) Kommentare | TB | PL


vielleicht war da ein staubkorn
auf dem fenstersims der erinnerung
das fliegen wollte,
nicht zurück,
sondern dorthin,
wo zimmerdecken sternenhimmel waren
und die luft nach geborgenem staunen roch
die schuhe zu groß
und doch barfuß durchs gras,
weil pflastersteine nur dornen waren
in einem königreich voller
unvernunft und zuckerwatte
ich hatte keine uhr
nur den sonnenstand im haar,
das mittagsgold auf dem teppich
war das geheimnis der zeit
und niemand fragte nach morgen
ich war das licht hinter den gardinen
das murmeln im wasserglas
die frage ohne antwort
und manchmal
die antwort,
bevor jemand gefragt hatte
vielleicht ist kindsein
ein wort,
das sich jedes mal neu schreibt,
wenn ich mich vergesse
und mit geschlossenen augen
schaukle
~*~
© Anne Seltmann

Anne Seltmann 27.05.2025, 13.40 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Lilli war sieben Jahre alt, hatte Sommersprossen auf der Nase und rote wilde Locken. Was sie am meisten liebte, war Kaugummi. Nicht irgendeinen, sondern den rosafarbenen, der süß wie Erdbeersirup schmeckte und sich perfekt zum Blasenmachen eignete.
Schon früh am Morgen, wenn andere Kinder noch müde ihre Cornflakes löffelten, stand Lilli vorm Badezimmerspiegel und übte Blasen. Kleine zuerst, dann größere, bis sie so dünn und rund wurden, dass man hindurchsehen konnte. Ihre Mutter schüttelte oft den Kopf, aber heimlich lachte sie über Lillis Ehrgeiz.
In der Schule war Lilli für ihre Kaugummikunst berühmt. Auf dem Pausenhof versammelten sich Kinder um sie, wenn sie sich konzentriert hinstellte, tief einatmete und den Kaugummi langsam zu einer prächtigen Blase formte. Es war fast ein Ritual – alle hielten den Atem an, bis sie endlich platze. Und immer lachte Lilli dann so hell, dass selbst die Lehrer schmunzeln mussten.
Eines Montags geschah jedoch etwas Seltsames. Lilli hatte einen neuen Kaugummi ausprobiert, den sie im Kiosk entdeckt hatte: "Super-Duper-Giganto-Bubble" stand drauf. Die Verpackung glitzerte, und es roch nach Zuckerwatte. In der großen Pause kaute sie mit geschlossenen Augen, langsam, konzentriert – und dann pustete sie.
Die Blase wuchs. Und wuchs.
Sie wurde größer als Lillis Kopf. Größer als ihr Ranzen. Und noch größer.
Plötzlich spürte Lilli, wie ihre Füße den Boden verließen. Ein leises Kichern ging durch die Menge. Dann Rufe. Und ein "Oooooooh!", als Lilli wirklich vom Schulhof abhob. Langsam schwebte sie über die Köpfe der Kinder hinweg, getragen von ihrer gigantischen Blase, die in der Sonne schimmerte wie ein rosa Luftballon.

Lilli war nicht erschrocken. Im Gegenteil. Sie grinste. Unten winkten ihre Freunde, und sie winkte zurück. Der Wind spielte mit ihren Haaren, und die Stadt unter ihr wurde immer kleiner. Sie flog über Bäume, Häuser und das große Schwimmbad hinweg. Es war, als hätte sie all die Jahre genau für diesen Moment geübt.
Nach einer Weile, als die Blase begann, leise zu zischen, landete sie sanft auf einer Wiese hinter der Schule. Niemand hatte ihr je geglaubt, dass Kaugummiblasen stark genug zum Fliegen sind. Aber seit diesem Tag wurde Lilli anders angeschaut – mit einer Mischung aus Staunen, Neugier und ein bisschen Ehrfurcht.
Und manchmal, wenn der Wind richtig stand, sah man sie am Himmel – ein Mädchen mit Sommersprossen, flatternden roten Locken und der größten Kaugummiblase der Welt
© Anne Seltmann
Anne Seltmann 27.05.2025, 07.35 | (3/3) Kommentare (RSS) | TB | PL

In den tiefsten blauen Wassern, wo das Sonnenlicht nur noch flüsternd hinabfällt, lebte eine kleine Meerjungfrau namens Liora. Anders als ihre Schwestern, die mit den Wellen spielten und den Meeressternen nachjagten, hörte Liora vor allem auf das Flüstern der Tiefe. Dort, wo die Stille wohnte und Geheimnisse verborgen lagen.
Liora träumte nicht von der Welt der Menschen – nicht von Palästen und glänzenden Kronen. Ihr Herz sehnte sich nach dem Verstehen, nach einer Stimme, die ihr mehr erzählte als nur Geschichten von Land und Luft. Die Tiefe sprach zu ihr von uralten Dingen: vom Puls der Erde, von versunkenen Welten und vergessenen Träumen.
Eines Tages, als ein Sturm die See aufwühlte und die Wellen wie Berge tanzten, hörte Liora ein leises Rufen. Es kam von einem kleinen, verletzten Vogel, der auf einer treibenden Holzplanke gefangen war. Vorsichtig rettete sie das zitternde Wesen und brachte es in ihre schützende Höhle.
Der Vogel erzählte von einer Welt, in der Himmel und Erde sich berühren, von der Freiheit des Fliegens und von dem Wunsch, Neues zu entdecken. Liora spürte eine leise Sehnsucht, die sie nie gekannt hatte – nicht nach einem Prinzen, sondern nach dem Mut, ihren eigenen Weg zu finden.
Sie wusste, sie musste hinaus – nicht um Land zu erobern, sondern um Brücken zu bauen. Brücken zwischen den Welten, zwischen Wasser und Luft, zwischen Stille und Klang.
So verabschiedete sich Liora von der Tiefe, mit dem Vogel an ihrer Seite, und begann ihre Reise in die unbekannte Welt – nicht als Prinzessin, sondern als Wanderin, die das Flüstern der Tiefe in sich trug und die Sehnsucht, die Welten zu verbinden.
Anne Seltmann 26.05.2025, 08.22 | (0/0) Kommentare | TB | PL


nichts kommt
außer der wind
zwischen den zügen
die anzeige flackert
wie eine erinnerung
an bewegung
menschen stehen
in ihren körpern
als wären sie nur vorübergehend
hier
im dazwischen
kaffee
in pappbechern
trinkt sich lauwarm
in die stille
irgendwo schreit ein kind
als wolle es
den fahrplan umschreiben
ich zähle sekunden
wie schritte
die keiner geht
und stelle fest:
mein warten
hat keinen anschluss
~*~
© Anne Seltmann

Anne Seltmann 24.05.2025, 06.51 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL